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Wiemelhauser Siedlung feiert mit Fackelzug und Stadtteilfest

Annibert Sarazin läuft beim Fackelzug vorneweg durch die Bergmannssiedlung „Am Langen Seil“ – passend gekleidet mit einer Bergmannsuniform. Foto: Dietmar Wäsche / FUNKE Foto Services

Bochum-Wiemelhausen. 85 Jahre besteht die Bergmannssiedlung „Am langen Seil" in Wiemelhausen. Das wird groß und zünftig gefeiert. Vor allem dank einer 77-Jährigen.


Seit Monaten Wimpelketten genäht

Die 77-jährige Sarazin ist nicht nur heute voll in ihrem Element. Schon in den Monaten zuvor war sie fleißig und nähte all die Wimpelketten, die an den Häusern hängen und über die Straßen gespannt wurden.

Annibert Sarazin wohnt in der Siedlung jetzt ein halbes Jahrhundert. Ihre Uniform hat sie mal auf einem Flohmarkt entdeckt. „Meine sechs Kinder dachten kurz, ich sei verrückt, da ich einen sehr hohen Betrag dafür auf den Tisch gelegt habe. Wie viel genau will ich nicht zugeben", hält sie dieses Geheimnis lachend unter Verschluss.


Alle fünf Jahre wird gefeiert

Annibert Sarazin lebt für „ihre" Bergmannssiedlung: seit 50 Jahren ist sie „Am langen Seil" in Wiemelhausen Zuhause. Sie ist Teil des Organisationsteams des Festes, welches am Wochenende die gesamte Nachbarschaft zusammen trommelte. Alle fünf Jahre wird an und in der Grundschule „Auf dem Alten Kamp" das langjährige Bestehen der Siedlung gefeiert.

Sarazin tut gerne etwas für die Nachbarschaft: „Ich habe bereits im Mai begonnen, die Ketten für die Siedlung zu nähen". Die blau-weiße Wimpelkette ist - zusammengerechnet - ganze 2600 Meter lang und schmückt die Häuser und Bäume der Nachbarschaft.


Walter Lenz ist ein Kind der ersten Stunde

Auch mit Walter Lenz (86) ist die Siedlung im Grunde gewachsen. Da der frühere Studiendirektor mit nur einem Jahr in die Siedlung zog, ist Lenz besonders eng mit der Nachbarschaft verbunden. Nur für sein Studium in Frankfurt verließ er für kurze Zeit Wiemelhausen. „Frankfurt war für mich wie New York heutzutage", erzählt Lenz, der dennoch sehr froh war, als er wieder zurück in seine Siedlung kam.

Lenz organisiert ebenfalls die Feste und hält am Freitag die Eröffnungsrede auf dem Schulhof. Darin liest er aus einem Original-Kaufvertrag vor: „Dies ist eine Siedlung des friedlichen Zusammenlebens", tönt Lenzs' Stimme aus den Boxen. Anschließend gratuliert Helmut Breitkopf (SPD), Bezirksbürgermeister Süd, den Bewohnern: „85 Jahre Siedlung, das hat ja schon was". Später werden gemeinsam vier Strophen des Steigerliedes gesungen. Während den Erwachsen Bergmannsschnaps eingeschenkt wird, können die Kinder ausgelassen auf dem Hof der Grundschule spielen.


Mit Fahne und Öllampe geht's los

Dann ist es soweit: In der alten Bergmannsuniform gekleidet, mit einer großen Fahne in der rechten und einer Öllampe in der linken Hand, marschiert Annibert Sarazin an der Spitze des Zuges durch die Wiemelhauser Siedlung. Der blau-weiß gekleidete Spielmannszug folgt ihr. Die Trommeln des Zuges und die Fackeln in den Händen der Nachbarn locken auch die letzten Bewohner auf die Balkone. Der Zug führt durch die gesamte Siedlung und macht bei neun Nachbarn halt, die bereits alle seit 1934 dort leben. Da sie von Beginn an in der Siedlung wohnen, erhalten sie alle zur Feier einen hübschen Blumenstrauß.


Kontakte auffrischen und knüpfen

Am Samstag wird die 85-Jahr-Feier schließlich fortgesetzt: Eine Schnitzeljagd für Kinder und eine historische Ausstellung von Walter Lenz zur Geschichte der Siedlung, runden das festliche Wochenende ab. Es werden Geschichten und Dönekes ausgetauscht, alte Kontakte aufgefrischt und neue geknüpft. Wie es bei so einem Siedlungsfest sein soll. Ehe es am Sonntag gemeinsam ans Aufräumen geht.

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