Florian Eckl

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„Keine tolerantere Stadt als Erlangen" - Erlangen - nordbayern.de

Im Gespräch: Die OB-Kandidaten Elisabeth Preuß (FDP), Oberbürgermeister Siegfried Balleis (CSU), Susanne Lender-Cassens (Grüne Liste) und Florian Janik (SPD, v.l.n.r.). In der Mitte Moderator Ralf H. Kohlschreiber (EN). © Florian Eckl

ERLANGEN - „Wie kann Offenheit in Erlangen gestaltet werden?“ Dieser Frage stellten sich am Mittwoch die Oberbürgermeisterkandidaten auf einer Podiumsdiskussion im Stadtarchiv. Gerade der Umgang mit Flüchtlingen und deren angemessene Unterbringung in Asylbewerberheimen war für die Kandidaten eine wichtige Aufgabenstellung für die Zukunft.

22 Zuhörer — von rund 50 Gästen — hatten vor dem Beginn der Diskussion abgestimmt und ihre Meinung kundgetan: Welche der anwesenden Parteien ihrer Meinung nach am ehesten für Toleranz stehe. Mit neun Stimmen lag bei dieser Umfrage die SPD auf dem ersten Platz, gefolgt von der Grünen Liste mit sieben Stimmen, der CSU mit drei Stimmen, der FDP mit zwei Stimmen und den Freien Wählern mit einer Stimme.
Für Florian Janik (SPD) ist das Ergebnis aber kein Selbstläufer: „Wir müssen uns nichts vormachen, wir leben nicht in einer offenen Gesellschaft. Das kann man jeden Tag erleben, nicht nur am Mittelmeer, sondern auch hier in Erlangen“. Janik bezieht sich damit auf die anonym verteilten Flugblätter gegen die Unterbringung der Asylbewerber in der Schenkstraße (die EN berichteten). OB Siegfried Balleis (CSU) sieht das Ganze um einiges entspannter. Er sei schon in vielen Städten gewesen, keine davon sei so offen und tolerant im Geiste und im Stadtrat wie Erlangen.

Deutlich besser geworden

Auf die Frage hin, was die Affäre um den als „Sheriff Gnadenlos“ bekannt gewordenen Beamten im Ausländeramt veränderte, findet Susanne Lender-Cassens (Grüne Liste), dass es jetzt zwei Jahre später natürlich deutlich besser geworden ist: „Damals haben sich viele Stadträte mit betroffenen Personen an die Politik gewandt, wodurch der Skandal eben publik wurde. Heute gibt es in Erlangen aber eine große Willkommenskultur.“ Für Bürgermeisterin Elisabeth Preuß war eine Einstimmigkeit im Stadtrat aber nicht immer gegeben. Gerade bei dieser Affäre gab es am Anfang schwierige Diskussionen, Preuß habe sich damals aber gegen eine parteiliche Weisung als letzte Entscheidungsinstanz entschieden. „Für mich war das eine Gewissensfrage. Besonders bei dem Fall der Familientrennung habe ich wie SPD und Grüne gestimmt, also mich gegen die Trennung entschieden. Ich würde mir mehr Mitarbeiter im Rathaus wünschen, die öfter auf ihr Gewissen hören“, so die FDP-Kandidatin.
Ralf H. Kohlschreiber, der Moderator und stellvertretender Redaktionsleiter der EN, führte darauf zum Thema Flüchtlingspolitk hin und fragte die Kandidaten, wie es mit der Betreuung der Flüchtlinge aussieht. „Wenn es notwendig wird, muss man etwas tun. Eine zusätzliche Stelle würde uns zwar mehr kosten, aber das ist es auch wert“, so Florian Janik. Susanne Lender-Cassens stimme ihrem Kollegen dabei zu, wünscht sich aber auch, dass die vorhandenen Initiativen und Ehrenämter mehr unterstützt werden.

Zu klären ist auch noch die Frage nach dem Wahlrecht von Migranten. „Wer in Erlangen lebt, hier im Sportverein oder Elternbeirat ist, soll auch den Oberbürgermeister und Stadtrat wählen dürfen“, so Preuß. Auch Amtsinhaber Balleis teilte ihre Position: Auch wenn es auf nationaler Ebene eine Frage des Staatsbürgerschaftsrechts ist, auf kommunaler Ebene habe man bisher sehr gute Erfahrungen gemacht. Anschließend an die Diskussion konnten die Bürger noch persönlich ihre Fragen an die einzelnen Kandidaten stellen. 

FLORIAN ECKL


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