Florian Eckl

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Mit einem neuen Pass in die Zukunft

Foto: Florian Eckl

2014 war ein Rekordjahr: 261 Menschen im Landkreis Augsburg erhielten die deutsche Staatsbürgerschaft. Wir sprachen mit einigen über ihre Motive Von Florian Eckl

Sie kamen aus Mazedonien, Brasilien oder Kasachstan und fanden in Deutschland eine neue Heimat - insgesamt 261 Menschen sind im vergangenen Jahr im Landkreis Augsburg „Deutsche" geworden. Stolz zeigt auch Muhammad Masood Hussain das Stück Plastik in seiner Hand - es ist sein neuer, deutscher Personalausweis. Der Mann aus Pakistan wurde am Montagabend gemeinsam mit vielen anderen neuen Staatsbürgern von Martin Sailer zur Einbürgerungsfeier ins Landratsamt eingeladen.

Muhammad Masood Hussain wanderte 2003 nach Deutschland aus, um sich hier seinen Traum von der Promotion zu erfüllen. „Deutschland hat ein sehr hoch gelobtes Bildungssystem bei uns und in so einem technologisch hoch entwickelten Land wollte ich mein Studium fortsetzen", sagt der 38-Jährige. Trotz Anfangsschwierigkeiten mit dem Visum schaffte er es schließlich über einen kleinen Umweg über Schweden hierher. Er schloss sein Masterstudium ab, wurde wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Technischen Hochschule Dortmund und durfte schließlich auch dort promovieren. 2013 entschied sich Muhammad Masood Hussain dann von der Akademie in die Industrie zu wechseln, was in schließlich nach Königsbrunn verschlug. Dort lebt er mit seiner Frau Shafaq, die ebenfalls aus Pakistan stammt - beide haben sich aber erst hier beim Studium in Bochum kennengelernt. Und auch Töchterchen Alisha hat hier das Licht erblickt.

Vor ungefähr zwei Jahren kam dann der Entschluss, die deutsche Staatsbürgerschaft zu beantragen: „Mein Lebensmittelpunkt war einfach seit zehn Jahren Deutschland", sagt Hussain. Aber auch die rechtliche Gleichstellung und die soziale Sicherheit hat das Ehepaar dazu bewogen. Nur von den ganzen Regularien zur Beantragung der Staatsbürgerschaft sei der Entwicklungsingenieur enttäuscht gewesen. Ansonsten können sich beide nun keine andere Heimat mehr vorstellen. An Pakistan vermisst der Familienvater nur eine Kleinigkeit: „Die Sonne. Dort haben wir eine Durchschnittstemperatur von 30 Grad - da kommt man hier nicht ganz hin."

„Menschen wie Sie sind ein gelebtes Beispiel dafür, dass Integration gelingen kann", sagte Landrat Martin Sailer. Im vergangenen Jahr haben mit 261 Menschen so viele Personen die deutsche Staatsbürgerschaft erhalten, wie in den zehn Jahren zuvor nicht. Die meisten, rund 50 Personen, kommen dabei aus der Türkei, dicht gefolgt von Kroatien - die restlichen stammten aus 47 weiteren Nationen.

Auch Ruth Müller freut sich über ihre neue Staatsbürgerschaft - so sehr, dass sie sich bei der Feier kurzerhand Landrat Martin Sailer schnappte und ein „Selfie" mit ihm machte. „Ich hatte spontan die Idee: Wenn mein Name auf der Geschenkeliste schon vergessen wird, mache ich wenigstens ein Selfie mit dem Landrat", lachte sie. Die Philippinin lebt bereits seit zehn Jahren in Deutschland. Nachdem sie ihre Lehre zur Atempflegerin abschloss und sich in Langenneufnach so gut eingelebt hat, sollte es nun auch endlich schwarz auf weiß stehen, dass sie Deutsche ist. Doch davor stand noch eine Hürde: „Ich hatte schon Angst vor dem Einbürgerungstest, das ging dann aber doch locker durch", sagte Ruth Müller. Nun freut sie sich dass alles geklappt hat: „Deutschland ist wirklich schön, es ist meine zweite Heimat geworden - ich liebe dieses Land einfach."

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