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Der Film in seinem Kopf

Einmal gab es eine Zeit, da waren sie Freunde, doch nun liegt der eine in der Wanne, tot, und der andere bedient eine elektrische Säge. Sie kreischt lauter als gedacht.

Eine Leiche zu zerteilen, zumal wenn man nichts davon versteht, ist schwere Arbeit, schmutzige Arbeit. Der Mann wird bald fahrig. Er hat einen Häcksler mitgebracht und gibt ein Leichenteil hinein, doch der Häcksler verklebt.

Also Plastiksäcke. Zwei bis drei Stunden, dann sind rund zehn Stück gefüllt. Die Wanne ist leer.

Der Mann hat auch einen Komplizen mitgebracht, doch der Komplize sagt, er könne keine Säcke mit Leichenteilen schleppen.

Der Mann sagt, dann möge er den Aufzug holen.

Der Aufzug fährt nur mit einem Aufzugschlüssel. Der Komplize holt den Schlüssel von einem Nachbarn; er werde ihn später in den Briefkasten werfen. Der Mann schleppt die Säcke in den Aufzug, drei Stockwerke nach unten, von dort hinaus auf die Straße, zum Auto. Aus einem der Säcke tropft Blut. Dann fahren sie los.

Der Mann wirft später in einem ärmlichen Vorort die Säcke in mehrere Müllcontainer.

Einmal also gab es eine Zeit, da waren sie Freunde, doch jetzt, an einem Abend Ende Mai 1992, steht der eine am Rande einer großen Stadt, und der andere liegt im Müll, zerlegt in 17 Teile oder 20 oder mehr. Genau weiß man das nicht, so wie vieles in dieser Geschichte.

So wie in einem Film.

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erschienen in stern Crime Nr. 28