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Bio – In ist, wenn's wirklich drin ist!

Ja! Natürlich wollen wir, dass das Kotelett auf unserem Teller von einem vergnügten Schweinderl stammt. Und die Milch von Kühen, die den ganzen Tag auf sonnigen Kräuterwiesen grasen. Doch dass Bio drauf steht, bedeutet noch lange nicht, dass Nachhaltigkeit drin ist.


Wenn Sie die Wahl haben: essen Sie Ihr Joghurt lieber mit Sägespänen oder doch mit Früchten? Denn statt Kirschen und Co. Sorgen meist Aromen für den Geschmack – und die werden aus Holz gewonnen. Jetzt wollen immer mehr Menschen Natur statt Labor - nicht nur beim Joghurt. "Zurück zum Ursprung" wollen die Konsumenten, "Natur pur" soll auf den Teller und "Ja! Natürlich" wollen wir uns nachhaltig ernähren. Der kritische Konsument gibt viel Geld für Bio aus, die Umsätze steigen jährlich. Da ist die Versuchung groß, sich mit einem grünen Mantel zu umhüllen. Im Supermarkt stehen immer mehr Markenprodukte, die auf den Trend zur gesünderen Ernährung setzen – ohne echte Bioprodukte zu sein. Markenproduzenten gehen auf diesen Trend ein und bieten Zwitterprodukte an: ein bisschen Bio, aber nicht so viel, dass der Preis zu stark steigt. Laut Eurobarometer-Umfrage sind 48 Prozent der Verbraucher durch die Fülle von Umweltinfos verwirrt. Doch: wer die Kennzeichnungen kennt, kann jedes Produkt im Handel leicht als echtes Bio-Lebensmittel oder Mogelpackung identifizieren. „Wenn ich Bio kaufen will, kaufe ich nicht beim Discounter, sondern auf dem Wochenmarkt oder direkt beim Bauern“, sagt Silke K. aus Wels.


Ist Bio gleich Bauer?


Kein Gift, keine Pestizide und kein Kunstdünger: Das sind die Mindeststandards, die Bio heute kennzeichnen. Reicht das den Konsumenten? Biolandwirte, als auch konventionelle Betriebe müssen so produzieren, dass für die Konzerne, die sie beliefern, maximaler Profit herausschaut, erklärt Agrarbiologe Clemens G. Arvay. Die Folge: Bauernsterben, Überschussproduktion und Bioprodukte, die kaum nachhaltiger sind als gewöhnliche. Bei Hühnern beherrschen die Labors einer Handvoll multinationaler Agrarkonzerne den Zuchtmarkt. Ziel: Hybridhennen, die darauf programmiert sind, möglichst viele Eier zu legen. Obwohl die Landwirtschaft hoch subventioniert wird, kann ein Legehennen-Züchter mit 500 Hühnern auch in der Biobranche nicht überleben. Da die Betriebe keinen Profit aus männlichen Küken schlagen, endet ihr kurzes Leben in den scharfen Messern eines Häckslers. Puten, die zu dick zum Laufen sind. Hühner, deren Federkleid dem Kannibalismus in der Käfighaltung zum Opfer fällt. Alles gang und gäbe, weil kein Mensch 40 Euro für ein Kilo Fleisch ausgeben will. Standard sind in Österreich auch die Kastenstände in der Schweinezucht, die die Tiere zur Bewegungslosigkeit verdammen. Den Bio-Tieren geht es etwas besser, sie müssen so gehalten werden, dass sie ihre natürlichen Verhaltensweisen ausleben können. Wir Österreicher verspeisen rund fünf Millionen Schweine, 85 Millionen Hühner und fünf Millionen Puten - pro Jahr. Mit kleinbäuerlichen Strukturen ist dieser Nachfrage nicht beizukommen.


Du isst, was du bist!


Eine Umfrage hat ergeben: Für ein Drittel der Österreicher bestimmt ausschließlich der Preis die Produktwahl. 42 Prozent kaufen keine Bio-Produkte, weil sie ihnen zu teuer sind. Dabei müsste an so manchem Etikett ein Totenkopfsymbol prangern. Wer konventionelles Obst und Gemüse isst, nimmt nicht nur Nährstoffe zu sich, sondern auch Substanzen mit furchteinflößenden Namen wie Carbendazim, Tolylfluanid und Chlorpyrifos. Oft finden sich in Proben ganze Cocktails verschiedener Chemikalien, die sich in ihrer Wirkung gegenseitig verstärken können. Viele dieser Substanzen gelten als Krebs erzeugend, sowie erbgut- und fötusschädigend. Auch Allergien können bei Kontakt auftreten. Selbst wenn die Normen eingehalten werden: Bio garantiert keine nachhaltige Landwirtschaft. Man denke an Erdbeeren aus Israel, Zucchini aus der Türkei, Tomaten aus Marokko. Regionen wie Südspanien kämpfen mit Dürre. Ohne massive Bewässerung gibt es keine Ernte. Ist das noch nachhaltig? Die auf Leistung und Masse getrimmte Landwirtschaft erzeugt zudem in etwa so viel Treibhausgas wie der Straßenverkehr und treibt die Welt damit an ihre ökologischen Grenzen. Auch „regional“ muss nicht immer besser sein, denn ein österreichischer Apfel, der über den Winter in Kühlkammern gelagert wird, verbraucht in etwa so viel CO2 wie ein Apfel, der aus Neuseeland eingeflogen wurde.


Romantisierung der Landwirtschaft


Darum: realistisch bleiben. Viele stellen sich beim Thema Bio einen Almöhi vor, der seine Kühe beim Namen kennt. Ein Produkt mit Bildern von Kühen auf der Alm muss kein Bioprodukt, ja nicht einmal ein Produkt von der Alm sein. Da hilft nur: Genau auf die Siegel achten! Die AK beruhigt: „Bei den Bio-Zeichen haben Konsumenten weitgehende Sicherheit, es gibt gesetzliche Regeln.“ So müssen seit 2010 Bio-Produkte mit dem EU-Bio-Logo versehen sein. Doch wirksame Mittel gegen Fälschungen fehlen nach wie vor und die Rückverfolgung von Zutaten bleibt in vielen Fällen unmöglich. Zudem ist die europäische Bionorm nur ein Kompromiss, auf den sich die Mitgliedsstaaten einigen konnten. Artgerechte Haltung, Futter und Auslauf sind geregelt, allerdings mit großen Spielräumen. Die Standards sind starr und lückenhaft, was das knappe Gut Wasser, Klima und Bodenqualität betrifft. Neue Herausforderungen für die Biobranche. Wie kommt man raus aus dem Hamsterrad? Mit Alternativen zum Supermarkt wie Bauern- und Bioläden, oder einer Bio-Kistenzustellung, wie sie der Biohof Achleitner in Eferding anbietet. Jede Kaufentscheidung hat mit Gewissen zu tun. Und am Ende stehen wir alle in der Pflicht.