Esther Niederhammer

Freie Journalistin und Fotografin, Hann. Münden

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Den Wohnraum anpassen - für mehr Sicherheit und Lebensqualität

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Pflegebedürftige Menschen verbringen mehr Zeit zuhause als Gesunde. Der Wohnraum wird automatisch wichtiger und sollte daher an die veränderte Lebenssituation angepasst sein. In den meisten Fällen sind schon kleinere Veränderungen hilfreich, um das Alltagsleben zu erleichtern und ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Häufig werden aber keine oder zu wenig Maßnahmen ergriffen und die Lebensqualität von Pflegebedürftigen und deren Angehörigen leidet unnötig. Wir zeigen Ihnen, wie Sie Schwachstellen im Wohnraum identifizieren und auch gleich beheben können.

Sinn und Ziel einer Wohnraumanpassung

Eine Wohnraumanpassung ist dann sinnvoll, wenn sie ganz allgemein den Alltag erleichtert. Das gilt zunächst für den Betroffenen selbst, dann aber auch für alle, die mit einer Pflegesituation konfrontiert sind, also pflegende Angehörige oder Mitarbeiter eines Pflegedienstes. Ziele sind:

die Entlastung bei der Pflege die Sicherung oder Wiederherstellung von Fähigkeiten eines Pflegebedürftigen das Erkennen und Beseitigen von Sturzquellen und Sicherheitsrisiken die Vermeidung von Einsamkeit und unnötiger Abhängigkeit Analyse der Wohnsituation

Machen Sie sich bewusst: Ein nicht angepasster Wohnraum führt häufig zu einer Einschränkung von Beweglichkeit und damit von persönlicher Freiheit. Man geht seltener aus dem Haus, weil zum Beispiel Stufen zu überwinden sind. Man bewegt sich unsicher, weil es plötzlich Hindernisse gibt, die früher keine waren. In manchen Fällen werden Ernährung, Hygiene oder Körperpflege vernachlässigt, schlicht weil manche Geräte oder auch Verpackungen mit gewissen Bewegungseinschränkungen nicht mehr erreichbar sind oder die Bedienung schwerfällt.

Mit ein wenig Erfahrung erkennen Sie Schwachstellen im Wohnbereich immer schneller und auch ganz automatisch. Fragen Sie zu Beginn Ihren Angehörigen, den Pflegedienst und auch sich selbst, mit welchen Aufgaben sie sich schwer tun im Pflegealltag. Notieren Sie alles. Gehen Sie von Raum zu Raum und versuchen Sie alle vertrauten Möbel und Gegenstände mit fremden Augen zu betrachten. Was fällt Ihnen auf? Woran bleibt man leicht hängen? Was stört oder ist schwer zu erreichen? Was war schon immer lästig oder reparaturbedürftig, wurde aber stets vertagt?

Klassische Schwachpunkte

Lichtverhältnisse (Wo ist es zu dunkel? Wo blendet vielleicht auch eine Lampe?) Engstellen (z.B. Möbelstücke, die in Durchgängen stehen oder in sie hineinragen) Hindernisse/Stolperfallen (z.B. Türschwellen, lose Teppiche/Teppichkanten) Gefahren (z.B. wackelige Regale, lose laufende Kabel, unsicher stehende Wasserkocher) Ungenutzte Gegenstände, die man aus Gewohnheit kaum noch wahrnimmt Überfrachtete Ablagen/Garderoben, an denen man leicht hängenbleibt Zu volle Schränke, die es mühsam machen, einzelne Dinge zu entnehmen Umsetzung der Wohnraumanpassung

Bevor Sie nun die Ärmel hochkrempeln, beachten Sie: Veränderungen im Wohnraum eines Menschen bedeuten immer einen Eingriff in seine Privatsphäre. Hier ist sowohl bei der Vorbereitung als auch bei der Umsetzung von Maßnahmen viel Fingerspitzengefühl gefragt. Setzen Sie auf Kommunikation und finden Sie Kompromisse, wenn ein Vorschlag auf Widerstand stößt. Sonst kann die Aktion nicht gelingen.

Allgemein

Entfernen oder fixieren Sie alle lose über den Boden verlaufenden Kabel oder führen Sie die Kabel hinter Schränken entlang. Sorgen Sie überall für ausreichend Licht. Ist an bestimmten Stellen auch ein Bewegungsmelder sinnvoll (z.B. Eingangsbereich, Flur)? Fixieren Sie lose Teppichkanten oder Türschwellen; Entfernen Sie evtl. auch Teppiche an kritischen Stellen. Entfernen Sie Hindernisse an Engstellen. Werden Sie nicht mehr benötigte Gegenstände los, schaffen Sie neuen Raum. Räumen Sie Schränke so um, dass alle benötigten Dinge selbständig erreicht werden können. Passen Sie bei Bedarf die Einrichtung an (z.B. Höhenverstellbarer Sessel, Handläufe an Treppen, Pflegebett, Notruf, Rollator, Optische Klingel bei Schwerhörigkeit, größerer Tisch für Besuch). Zum Thema Hilfsmittel finden Sie in unserem Online-Magazin weitere Informationen. Bad

Sorgen Sie dafür, dass alle Toiletten- und Körperpflegemittel gut und sicher erreichbar sind. Montieren Sie bei Bedarf neue Abstellflächen. Montieren Sie Haltegriffe, wo sinnvoll (Dusche, Badewanne, Toilette). Beantragen Sie benötigte Hilfsmittel (z.B. erhöhten Toilettensitz, Wannenlift, Duschhocker). Füllen Sie Pflegeprodukte/Waschmittel um, falls Originalbehälter schwer zu öffnen sind. Besorgen Sie Anti-Rutschmatten für Dusche und Badewanne. Küche

Entfernen oder sichern Sie Gefahrenquellen (defekte Geräte, scharfe Messer). Achten Sie im Falle von sehbehinderten und demenzkranken Angehörigen darauf, dass gefährliche Utensilien nicht mit Lebensmitteln verwechselt und versehentlich verzehrt werden können (z.B. Putzmittel, Medikamente). Der richtige Zeitpunkt

Wohnraumanpassungen sind jederzeit sinnvoll. Größere Aktionen sind meist zu Beginn einer Pflegesituation angezeigt oder wenn sich die Gesundheitssituation Ihres Angehörigen verschlechtert. Kleinere Anpassungen werden Sie mit zunehmender Pflegeerfahrung laufend vornehmen.

Seien Sie aufmerksam im Alltag. Dann sehen Sie schnell, wo ein Bedarf sich verändert. Wie geht es Ihrem Angehörigen? Sieht er gut? Hört er gut? Wie bewegt er sich? Kann er/sie die Dinge, die er täglich benötigt, erreichen? Wenn Sie Einschränkungen wahrnehmen, die neu sind oder sich verstärkt haben, hilft manchmal schon ein Gespräch und Sie sind der Lösung nah. Fragen Sie bei Bedarf auch Ihren Pflegedienst um Rat oder werfen Sie einen Blick in einen Hilfsmittelkatalog.

Grenzen der Wohnraumanpassung

Es gibt Fälle, in denen die selbständige Wohnraumanpassung nicht zum Ziel führt, wie bei einer ungünstigen baulichen Situation (zu kleine Räume, enges Badezimmer, viele Treppenstufen). Oft lässt sich ein Umzug dennoch vermeiden, zum Beispiel durch den Einbau eines barrierefreien Bades oder eines Treppenlifters. Sprechen Sie in solchen Fällen mit Sachverständigen, etwa einem Pflegestützpunkt, der Pflegekasse, einem spezialisierten Handwerker. Nutzen Sie auch mobile Wohnberatungen auf kommunaler Ebene, die häufig kostenfrei sind.

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