Eric Hegmann

Chefredakteur, Paarberater, Hamburg

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6 Zeichen, dass Sie unter Bindungsangst leiden

Viele Singles leiden unter Bindungsangst, obwohl sie sich nach einem Partner sehnen

Beziehungsangst kann zahlreiche Ursachen haben. In der Beratung erlebe ich oft Singles, die sich so sehr nach Liebe sehnen, dass sie zunächst nicht glauben mögen, dass Bindungs- und Beziehungsangst Grund für ihr Alleinsein sein könnte. Häufig geht Bindungsangst mit diesen Warnsignalen einher.



1. Sie geraten immer an die „Falschen"

Kennen Sie das? Ihre Partner sind unverbindlich, beziehungsunfähig, stur, egoistisch, untreu oder wollen sie in eine Abhängigkeitsbeziehung drängen. Ihre Beziehungshistorie ist ein Kaleidoskop von wenig fürsorglichen Typen, die Ihnen eigentlich nicht gut tun. Dennoch investieren Sie alles in die Beziehung, was Sie haben, denn Sie haben die Hoffnung, dass es diesmal klappen könnte. Er wird sich schon ändern, wenn er sieht, welch liebenswürdiger Mensch Sie sind.

Vermutlich sind Sie ein passiver Beziehungsverweigerer. Das bedeutet: Sie wünschen sich einerseits Nähe, haben andererseits immense Angst davor. Deshalb wählen Sie Partner, die Sie erst gar nicht nahe genug heran lassen.


2. Sie wollen keine Beziehung mit denen, die Sie haben könnten

Erleben Sie öfter diese Situation? Er sagt: „Ich möchte eigentlich keine Beziehung". Sie versuchen es dennoch. Dies ist die häufigste Variante von „Ich gerate immer an die Falschen." Und deshalb einen eigenen Punkt wert. Ob die Partner verheiratet oder insgeheim auf der Suche nach etwas Besserem sind: glauben Sie Ihnen, was Sie ihnen sagen, denn sie werden dies, wenn Sie am Ende verzweifelt Ihr gebrochenes Herz flicken wollen, als Entschuldigung gegen Sie verwenden: „Ich hatte bereits zu Beginn gesagt...."

Aktive Beziehungsverweigerer sind zumindest ehrlich. Doch das weckt den Jagdinstinkt. Übrigens nicht nur den von Ihnen! Garantiert haben Sie Konkurrenten. Aktive Beziehungsverweigerer sind häufig extrem charmant und attraktiv und ziehen passive Beziehungsverweigerer an.


3. Nach einiger Zeit sehen Sie nur noch Fehler

Passiert Ihnen das immer wieder? Sie lieben das Gefühl des frisch verliebt seins. Euphorisiert tragen Ihre Schmetterlinge im Bauch Sie durch die ersten bier bis sechs Wochen der Beziehung. Bis es die Kleinigkeiten sind, die Sie nerven. Es scheint, als würde die Fassade bröckeln, die er aufgebaut hat und Sie verlieren das Vertrauen. Nach maximal drei Monaten ist die Rosa Brille abgesetzt und Sie suchen Ihr Glück woanders.

Es ist leider nicht so, dass Ihr Partner Ihnen etwas vorgemacht hat. Sie wollten nur nicht die Dinge sehen, die Sie sogar ahnten. Menschen mit Beziehungsangst sind sicher, dass wenn alles passt, irgendwas noch passieren wird. Entweder die sich selbst erfüllende Prophezeiung greift oder sie suchen so lange Fehlern und Macken bis sie diese finden.


4. Sie wollen nur den Partner, der Sie und Ihr Leben zu 100% so lässt, wie Sie sind

Erkennen Sie sich wieder? Tiefgreifende Veränderungen erschrecken Sie. Aus diesem Grund soll alles so bleiben wie es ist. Ganz besonders wenn es um Freiraum und Verpflichtung geht. Die neue Partnerin soll so perfekt dazu passen, das Kompromisse nicht nötig sind.

Mit Ihren Ansprüchen schützen Sie sich vor Nähe, denn mit einer Partnerschaft wird sich Ihr Leben verändern. Und: jede Partnerschaft ist Veränderungen von Innen und Außen ausgesetzt, auf die Sie als Paar reagieren müssen. Die Furcht vor Veränderung lässt sich ablegen, wenn Sie akzeptieren, dass jede Veränderung die Chance zu einer Verbresserung birgt.


5. Sie wollen ihre (n) Ex zurück

Passiert Ihnen das häufig? Sogar in einer neuen Beziehung vergleichen Sie gerne Ihre aktuelle Partnerin mit der Ex. Irgendwie passte das doch besser - abgesehen von den Gründen, die zur Trennung führten. Sie träumen heimlich vom Liebescomeback während Sie sich immer weiter aus Ihrer neuen Partnerschaft verabschieden.

Ex zurück ist ein häufiger Wunsch, doch nur die wenigsten Menschen finden wieder zusammen, die sich einmal getrennt haben. Gerade wenn Kinder gemeinsam betreut werden, ergibt sich nie so richtig die Möglichkeit loszulasen und abzuschließen. Für Menschen mit Beziehungsangst eine fatale Situation, denn sie idealisieren rasch die frühere Beziehung eben weil sie unerreichbar geworden ist.


6. Sie wurden in einer früheren Beziehung sehr verletzt und rechnen lieber mit dem Schlimmsten

Können Sie schmerzhafte Erfahrungen nicht vergessen? Wenn Sie jemanden kennen lernen, denken Sie immer wieder an die vielen Dinge, die Ihnen angetan wurden: Betrug, Untreue, Lügen, Gewalt oder eine schmerzhafte Trennung. Verlust bereitet psychisch und physisch Schmerzen. Das kann so traumatisch erlebt werden, dass jeder Blick auf die Zkunft von den Schatten der Vergangenheit verdunkelt wird.

Eine neue Partnerschaft benötigt einen Vertrauensvorschuss. Vertrauen, dass er ernst meint; dass sie sich nur mit dem Ex wegen des gemeinsamen Kindes trifft; dass nicht allein Sie in die Beziehung investieren... Ihre größte Befürchtung: Wenn Sie sich auf einen neuen Menschen nicht einzulassen wagen, wird sich dieser irgendwann abwenden und andere Wege gehen. Und genau das wird dann geschehen. Pessimisten küsst niemand gerne.


Vielleicht wurden Sie verletzt, vielleicht haben Sie grundsätzlich Angst vor Veränderungen, vielleicht erlebten Sie in ihrem engsten Umfeld negative Rollenvorbilder. Beziehungsangst, die aktive und die passive, lassen sich überwinden. Häufig genügt ein kleines Erfolgserlebnis, um wieder optmistisch und lebensbejahend auf neue Kontakte zugehen zu können. Lassen Sie sich helfen, wenn Sie nicht alleine dem Kreislauf aus erfolglosen Mustern und Strategien entkommen. Lassen Sie Liebe zu. Es gibt sie nicht ohne Schmerz. Aber sie lohnt sich. Wenn sie nicht sogar der eigentliche Sinn ist. 


PS: Weil sich Formulierungen wie Partner/in oder seine/ihrer usw. sperrig liest, sind die einzelnen Punkte Frauen oder Männern zugeordnet. Bindungssangst ist aber selbstverständlich nicht geschlechtsspezifisch.

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