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Warum weinen wir beim Zwiebelschneiden?

© Pantsjustneedpockets / Getty Images / iStock (Ausschnitt)

Zerkleinern wir eine Zwiebel, setzen wir damit eine chemische Reaktion in Gang. Mit jedem Schnitt zerstören wir Zellwände, so dass sich Inhaltsstoffe der Zwiebel begegnen, die sonst voneinander getrennt blieben. Die aufeinandertreffenden Stoffe bilden ein Gas, das uns in die Augen steigt und sie reizt, weshalb wir weinen müssen. Die Tränen, die wir dabei vergießen, sind ein schützender Reflex. Sie verdünnen den Reizstoff und spülen ihn aus unseren Augen, um (weiteren) Schaden abzuwenden. Aber wie funktioniert das genau?

Am 12. September 2013 stand der japanische Forscher Shinsuke Imai am Rednerpult der Harvard-Universität in Cambridge und winkte mit einer Zwiebel. »Das ist eine Zwiebel«, sagte er. »Zwiebeln können uns zum Weinen bringen.« Kurz darauf klebte sich der Wissenschaftler eine große blaue Träne unter sein linkes Auge.

Imais Auftritt war skurril. Die Entdeckung, die er gemeinsam mit seinen Kollegen gemacht hatte, und der Preis, den sie dafür verliehen bekamen, waren es ebenso – man zeichnete die Wissenschaftler mit dem Ig-Nobelpreis für Chemie aus. Der nicht ganz ernst gemeinte Nobelpreis (»ignoble« bedeutet so viel wie »unwürdig«) wird für scheinbar abstruse und überflüssige Forschungsarbeiten vergeben. Dabei hatten Imai und seine Kollegen doch etwas entdeckt, das alle anderen zuvor übersehen hatten: Der biochemische Prozess, mit dem uns Zwiebeln zum Weinen bringen, ist komplizierter als zunächst gedacht...

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