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Amnesty-Bericht: Wo die Todesstrafe noch Alltag ist

Demonstranten in berlin

Demonstranten in Berlin stellen im vergangenen Jahr eine Hinrichtung in Iran nach.

Fast 1000 Menschen wurden im vergangenen Jahr hingerichtet. Die Zahlen sinken zwar, Grund zur Entwarnung sehen Menschenrechtler aber nicht.


Die Zahl der Hinrichtungen und Todesurteile ist weltweit rückläufig. Dies geht aus dem aktuellen Bericht der Menschenrechtsorganisation Amnesty International hervor. Amnesty zählt für das vergangene Jahr 993 dokumentierte Hinrichtungen, ein leichter Rückgang von vier Prozent im Vergleich zu 2016.


Andrea Berg, Abteilungsleiterin Politik bei Amnesty International, sieht im Gespräch mit FAZ.NET noch weitere positive Entwicklungen in der aktuellen Statistik. „Im vergangenen Jahr haben zwei weitere Staaten - Guinea und die Mongolei - die Todesstrafe vollständig abgeschafft. Damit setzt sich ein positiver Trend weiter fort: Weltweit haben bereits zwei Drittel aller Staaten die Todesstrafe per Gesetz oder in der Praxis abgeschafft." 1987 hatten lediglich 69 Staaten die Todesstrafe abgeschafft, seit vergangenem Jahr sind es 142.

84 Prozent der weltweiten Hinrichtungen finden in nur vier Staaten statt: Iran (507 Hinrichtungen), Saudi-Arabien (146), Irak (125) und Pakistan (60). Auch die Anzahl an verhängten Todesurteilen war 2017 mit 2591 um etwa 17 Prozent geringer als im Vorjahr. Allerdings sind hier die Zahlen aus China nicht eingerechnet, weil die Volksrepublik per Gesetz untersagt, Informationen über die Todesstrafe zu veröffentlichen. Hier schätzt Berg, „dass dort weiterhin jährlich die Todesstrafe tausendfach verhängt und vollstreckt" wird, und damit so oft wie in keinem anderen Land.


Die Vereinigten Staaten und Japan sind die einzigen G-8-Staaten, welche 2017 Hinrichtungen durchgeführt haben. In den Vereinigten Staaten wurden 23 Menschen hingerichtet und 41 neue Todesurteile vollstreckt. Damit sitzen 2724 Menschen in amerikanischen Todestrakten. In Japan wurden vier Menschen hingerichtet und drei zum Tode verurteilt. Trotz rückläufiger Zahlen bemängelt die Nichtregierungsorganisation aber, dass nach wie vor mehr als 20.000 Menschen weltweit in Todestrakten sitzen und auf ihre Hinrichtung warten.


Der Bericht zur Todesstrafe erscheint jährlich. Amnesty gibt an, die Daten für die Statistik aus unterschiedlichen Quellen zu beziehen. Dazu zählen amtliche Angaben, Urteile, Medienberichte und Aussagen von Betroffenen oder ihren Angehörigen. Für Staaten, in denen Krieg oder staatliche Zensur herrscht, gibt es entweder gar keine Angaben oder nur Schätzungen. Deshalb geht Amnesty davon aus, dass die tatsächliche Anzahl an Todesurteilen und Hinrichtungen noch höher ist.

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