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Badische Zeitung: Der Biber kommt

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An weiten Teilen des Hochrheins, im Elsass und der Nordwestschweiz lebt der Nager bereits, nun könnte er von dort aus die Wiese besiedeln.

Dieser Tage sind am Rheinufer im grünenden Unterholz noch abgeknabberte Baumrinden, umgestürzte Bäume und viele Äste zu sehen, die das Wasser stauen. Oft ist das die Arbeit des Bibers. Im Winter ernährt sich der Nager von Holz. Und mit den kleineren Stämmen bauen die Tiere ihre Biberburgen. Sie sind das Zuhause, indem vier- bis sechsköpfige Familien leben. Doch sobald die Jungtiere geschlechtsreif sind, verlassen sie die Familie. Sie wandern und schwimmen bis zu 100 Kilometer - auf der Suche nach einem neuen Revier. Auf diesem Weg sind in den 90er-Jahren auch die ersten der mittlerweile gut 600 Biber wieder nach Baden-Württemberg gekommen, weiß Bettina Sättele, Biberbeauftragte des Regierungsbezirks Freiburg. Die Tiere lebten vorher vor allem in der Schweiz.

Dort begannen Zoologen in den 60er-Jahren, den Biber an Rheinzuflüssen anzusiedeln, zum Beispiel an der Aare. Doch die Bestände blieben zunächst klein und isoliert. Daher startete die Naturschutzorganisation Pro Natura Baselland das Projekt "Hallo Biber". Bei diesem wurden erneut Tiere in der Nordwestschweiz ausgesetzt. "2010 endete die Aktion erfolgreich, nachdem Biber das Birstal wieder besiedelt hatten", sagt Astrid Schönenberger, Biberverantwortliche Pro Natura Baselland. Seitdem habe sich die Anzahl der Tiere verdoppelt: Zwölf erwachsene Biber und zwölf Jungtiere leben heute in der Region Basel/Baselland.


Noch bietet die Region viel Platz. Konflikte mit der Landwirtschaft und Privatpersonen gibt es wenig, die Menschen nehmen die Biber an. Das liege auch an einer langen Öffentlichkeitsarbeit, die vor allem von Pro Natura ausgeht, berichtet Schönenberger. Es gebe einen positiven Informationsaustausch. "Daher ist es jetzt auch richtig, dass wir zusammen mit dem Kanton ein Konzept entwickeln, das mögliche Konflikte vorbeugen und lösen soll. So kann der Biber auch künftig gut bei uns leben", erklärt Schönenberger. Das heißt: Es soll keine Sperrzone für Biber geben: "Die Idee ist, dass wir von Fall zu Fall entscheiden, ob der Biber bleiben kann." Zum Konzept soll auch eine Biberfachstelle gehören, die noch im Laufe des Jahres eingerichtet werden könnte.


Die Entwicklung freut Schönenberger: "Auch wegen der guten Zusammenarbeit breiten sich die Biber an der Ergolz immer weiter aus." Aus dem Seitental des Rheins im Kanton Baselland kommen die Biber auch nach Deutschland. Eine sechsköpfige Familie lebt nun in Grenzach-Wyhlen. Ihre Biberburg liegt direkt am Rheinufer beim Chemieunternehmen BASF. "Dort mussten Bäume gefällt werden, die der Biber annagte", berichtet Herwig Eggers von BUND Grenzach-Wyhlen. Doch aktuell ist der Uferweg sowieso gesperrt - Roche baut dort. "Der Biber ist insofern kein großes Problem in Grenzach, auch die Bevölkerung liebt ihren Nachbarn", sagt Eggers. Ein Eindruck, den der Ruderclub Grenzach bestätigt: "Es hat noch nie Unfälle oder Bootsbeschädigungen wegen Biber gegeben. Wir nutzen das Tier, um zu werben und zu sagen, dass es hier beim Sport gesehen werden kann", sagt der Vorsitzende des Clubs, Paul Castle.


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