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Aggressive Abendlandretter

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Zahlreiche Neonazis marschieren bei der Pegida-Brandenburg mit (Screenshot)

Zum dritten Mal riefen die Organisatoren des Vereins „Die Freiheitliche Liga" (FL) mit ihrer Gruppe „Bramm" (Brandenburger für Meinungsfreiheit und Mitbestimmung) zu einem so genannten „Abendspaziergang" nach Strausberg (Brandenburg) auf.

Bereits auf dem Weg zum Parkplatz gegenüber der Post waren Gruppen von dunkel gekleideten Männern mit Bierflaschen zu sehen. Die Kundgebung eröffnete der Vereinsvorsitzende und ehemalige Landesvorsitzende der Republikaner, Heiko Müller. Dabei verlas er auch, dass das Mitführen von Glasflaschen und Alkoholkonsum verboten seien. Dennoch tranken auf der Kundgebung unter den Augen der eingesetzten Beamten Teilnehmer Bier aus Glasflaschen.


Kam die erste Rede von FL-Schatzmeister Michael Kintzel über die seit Anfang dieses Jahres eingeführte Gesundheitskarte für Asylsuchende beim rechten Gefolge noch gut an, so drohte die Stimmung beim zweiten Redner, Engelbert Merz aus Hoyerswerda, zu kippen. Merz sprach sich für direkte Demokratie aus, was besonders bei neonazistischen Teilnehmern nicht gut ankam. Diese waren aus dem Strausberger Umland, aber auch aus den Berliner Bezirken Lichtenberg und Marzahn-Hellersdorf gekommen. Mehr als eine Minute stritt sich Merz mit einem Demonstranten nach dessen Zwischenruf.


Der Bauleiter Merz wollte im Juni 2015 in Bautzen Oberbürgermeister werden, scheiterte aber deutlich. 2014 gründete der Schweizer mit anderen den Verein „Mündige Bürger e.V.". Der Verein will Volksabstimmungen nach Schweizer Modell in Deutschland einführen lassen. Die „Mündigen Bürger" sind regelmäßige Teilnehmer der Pegida-Demonstrationen in Dresden.


Beleidigungen und Blendattacken gegenüber Fotojournalisten

Waren die bisherigen „Bramm"-Abendspaziergänge in Strausberg friedlich verlaufen, so erhöhte sich dieses Mal nicht nur das Personenpotenzial, sondern auch die Aggressivität. Zu spüren bekamen dies vor allem Medienvertreter. Ein Fotojournalist, der aus einem Haus heraus Übersichtsaufnahmen anfertigte, wurde von Demonstranten mit Taschenlampen geblendet, sein Name sowie Beleidigungen gerufen. Ein Fotograf, der dies dokumentieren wollte, wurde dabei von eingesetzten Beamten gehindert. An der nächsten Ecke gab es erneute Beleidigungen und Blendattacken gegenüber einem Fotojournalisten. Eine Person versuchte gar, direkt den Fotografen anzugreifen, was ein Polizeibeamter mit der Ansage unterband, dass der Demonstrant sich nicht von dem Journalisten provozieren lassen solle.


Die Sprechchöre der Neonazis wurden von ihnen durchgehend skandiert, selten aber außerhalb ihrer Gruppe übernommen. Unter den tonangebenden Neonazis waren mit René Uttke und Patrick Krüger (Vize-Landeschef „Die Rechte" in Berlin) zwei der führenden Köpfe von Hetze gegen Aslysuchende im Berliner Osten. Beide Aktivisten veranstalteten über Monate hinweg Aufzüge gegen eine Notunterkunft in Berlin-Marzahn. René Uttke stammt aus Strausberg und gilt als Ziehvater des Berliner NPD-Vorsitzenden Sebastian Schmidtke. Neben Uttke und Krüger marschierten etwa ein Dutzend Neonazis aus Berlin-Marzahn in Strausberg mit.


Auch für die Zukunft hat „Bramm" Aufmärsche in Strausberg angekündigt. Der nächste soll am 1. Februar stattfinden.

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