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Aufmarsch in Oranienburg: Asylgegner demonstrierten mit Gewerkschaftsfahnen - Nachrichten aus Brandenburg und Berlin

von Sören Kohlhuber

Asylgegner greifen bei Abendspaziergang am Mittwoch Gegendemonstranten an. Sie schwenken außerdem Fahnen von Gewerkschaften, die sich aber von den Teilnehmern des Abendspaziergangs deutlich distanzieren.

Oranienburg - Für die rassistischen Abendspaziergänge in Oranienburg (Oberhavel) war es der erste Jahrestag. Doch an diesem Mittwochabend war die Stimmung aufgeheizt wie noch nie: Es kam zu Bedrohungen, gewalttätigen Übergriffen und am Rande zu einem Hitlergruß. An dem Aufzug beteiligten sich 170 Personen, unter ihnen NPD-Funktionäre aus der Region. Die Polizei schritt ein, als Demonstranten die Fahne der Gewerkschaft der Polizei (GdP) hochhielten. Beamte beschlagnahmten drei Fahnen. Auch die Fahne der IG Metall wurde gezeigt. Die Gewerkschaft distanzierte sich bereits auf Twitter von dem Träger und verwies auf die Gewerkschaftsposition: „Für eine solidarische Flüchtlingspolitik.“


Drohung: "Wir kriegen Euch alle"

Am Rande des Aufmarsches versuchte der Veltener NPD-Kader Robert Wolinski Gegner einzuschüchtern, andere Neonazis versuchten Schilder von Gegendemonstranten gewaltsam zu entwenden. Dabei kam es auch zu Rangeleien, ein Gegendemonstrant wurde leicht verletzt. Die Polizeikräfte mussten zudem Asylgegner von einem Angriff auf die Gegendemonstranten abhalten. Auch am Rande des Aufzuges gab es Angriffe auf die Gegendemonstranten. Beamte mussten dazwischen gehen und erteilten Platzverweise gegen die teils angetrunkenen Asylgegner. Nach Abschluss des Aufmarsches riefen Teilnehmer den Gegendemonstranten zu: „Wir kriegen Euch alle.“

Betroffen von den Attacken waren Vertreter des städtischen Forum gegen Rassismus und eine Stadtverordnete, die mit einem Transparent für die Unterstützung von Flüchtlingen warb. Bürgermeister Hans-Joachim Laesicke (SPD) äußerte sich besorgt. „Ich bin zutiefst beunruhigt darüber, dass von Teilnehmern der sogenannten Abendspaziergänge inzwischen auch offen aggressiv und mit Gewalt auf Menschen reagiert wird, die friedlich von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen“, sagte Laesicke. „ Diese neue Stufe der Auseinandersetzung hat offensichtlich zum Ziel, Andersdenkende durch Bedrohungen einzuschüchtern und mundtot zu machen.“ Das sei völlig inakzeptabel und müsse deutliche Konsequenzen nach sich ziehen. Der Oranienburger Landtagsabgeordneter Björn Lüttmann (SPD) sagte: Das Klima bei den Demonstrationen „selbst ernannter besorgter Bürger“ werde rauer. „Handgreiflichkeiten gegen Andersdenkende oder Journalisten scheinen bei den von NPD, Identitärer Bewegung, AFD oder freien Kräften aufgehetzten Demonstranten nicht mehr ausgeschlossen.“


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