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Digitale Ticketkontrolle im Bus in Weimar - Dranhalten statt Hochhalten

Markus Klugmann (links), Leiter Leiter Verkehrsplanung/EDV bei der Stadtwirtschaft in Weimar, hält bei Busfahrer Angelo Heimbürge sein elektronisches Ticket über ein Lesegerät. Foto: Sebastian Großert

Die ersten 1.000 der 2.500 Abo-Kunden des Weimarer Nahverkehrsbetriebs bekommen in diesen Wochen Post. Das ist nicht ungewöhnlich - wer bei der Stadtwirtschaft eine Dauerkarte für die innerstädtischen Buslinien abonniert hat, erhält bisher jeden Monat ein neues Papp-Ticket per Brief.


Damit ist es jetzt für die ersten Abo-Kunden vorbei: In dem aktuellen Brief steckt eine Plastikkarte, wie sie weltweit von vielen Verkehrsunternehmen eingesetzt wird. Die Karte ist solange gültig, bis Besitzerin oder Besitzer das Abo kündigen. "Eine solche Karte kostet uns 1,55 Euro", sagt Markus Klugmann, Leiter Verkehrsplanung/EDV beim Nahverkehrsbetrieb. Der spart sich damit den monatlichen Brief an seine treuesten Kunden - der Kostenvorteil für das Unternehmen liegt auf der Hand. Funktioniert alles wie geplant, sollen alle Abo-Kunden bis April mit Plastikkarten bedacht werden.


Chip speichert verschlüsselt Daten des Besitzers

Die Karte ist kein simples Stück Plastik: Im Inneren verbirgt sich ein Chip, auf dem die Daten des Karteninhabers gespeichert sind - verschlüsselt und datenschutzkonform. Für die Weimarer Abo-Kunden bedeutet das: Sie müssen ihre Dauerkarte nicht mehr beim Busfahrer vorzeigen, sondern beim Einsteigen an ein Lesegerät an Haltestangen an den Türen halten. Wenn alles stimmt, leuchtet das Display grün, wenn nicht, rot - und beim Busfahrer ertönt ein Warnsignal. Alle 38 Busse der Weimarer Stadtwirtschaft sind in den vergangenen Wochen mit dem System ausgerüstet worden.


Elektronische Ticket-Validierung nennen die Fachleute dieses "Dranhalten statt Hochhalten"-System der Gültigkeitsprüfung eines Fahrausweises. Die Abokunden sind nicht die einzigen Busnutzer, die sich umstellen müssen. Auch Fahrgäste mit App-Tickets des Verkehrsverbundes Mittelthüringen (VMT) oder der Deutschen Bahn müssen ihre digitale Fahrkarte von nun an oder unter das Lesegerät halten, statt es dem Fahrer oder der Fahrerin zu zeigen.


Nur für die Gelegenheitskunden mit den herkömmlichen Papiertickets bleibt vorerst alles beim Alten: Sie stempeln im Voraus gekaufte Fahrkarten wie gewohnt oder kaufen beim Busfahrer eine Fahrkarte, die sofort gültig ist und deswegen nicht mehr "validiert" werden muss.


"Dranhalten statt Hochhalten" soll im VMT Standard werden

Die Stadtwirtschaft in Weimar ist erst das dritte VMT-Mitgliedsunternehmen nach der EVAG in Erfurt und Jenah in Jena, das diese Art der Ticket-Einstiegskontrolle in Bussen einführt. Langfristig soll "Dranhalten statt Hochhalten" aber zum Standard werden: "Es ist das vereinbarte Ziel aller Mitgliedsunternehmen im VMT, dass die digitale Ticket-Validierung flächendeckend eingeführt wird", sagt Christoph Heuing, Geschäftsführer des VMT.


Bei der Stadtwirtschaft in Weimar ist die digitale Validierung nur ein Teil eines größeren Projekts mit Investitionen von 550.000 Euro: Das Unternehmen hat auch die Kassentechnik in den Bussen erneuert sowie bei den eigenen Verkaufsstellen und den Partner-Händlern. Die Fahrkarten kommen jetzt gänzlich aus dem Drucker, der Kunde kann VMT-weit Fahrausweise erwerben statt nur die lokalen Tickets.


Der Teufel steckt indes im Detail: Die Validatoren funktionieren nur an den Haltestellen - der Fahrer oder die Fahrerin muss also darauf achten, dass sich alle neuen Fahrgäste an den Lesegeräten quasi ausgewiesen haben. Und die "Thüringer Hochschul- und Studierendenwerkskarte" alias Thoska, mit der Studentinnen und Studenten in Thüringen auch den öffentlichen Nahverkehr nutzen können, ist noch nicht mit den Lesegeräten in den Weimarer Bussen kompatibel. Aber laut VMT wird bereits "intensiv daran gearbeitet", verbundweit elektronische Semestertickets auszugeben.

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