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Eine Frage des Berges

Leben wir in Prenzlauer Berg? Oder doch im, am, auf dem Prenzlauer Berg? Wir wollten diese Frage endlich klären. Aber es ist kompliziert.

Was sind die Prenzlauer Berger*innen doch für erstaunliche Menschen. Gemeint ist nicht ihre Fähigkeit, seit Jahren die öden Klischees über Bio-Schwaben und Globuli zu ertragen. Sondern ihre Bereitschaft, in einem Berg zu wohnen. Dabei, so dachten wir, können das eigentlich nur Zwerge oder Hobbits. Obwohl - Hobbits leben für gewöhnlich in einem Erdhügel. (Oder? Wir sind da keine Expertinnen.) 

Wie muss man sich das vorstellen, wenn man zum Beispiel den offenen Brief von Pankows Bürgermeister Sören Benn an Alexander Dobrindt aus dem Jahr 2018 wörtlich nimmt: „Ich lade Herrn Dobrindt bei freiem Geleit gern auf einen Latte Machiatto (sic!) in den Prenzlauer Berg ein (...)" Steigen die beiden Politiker dann in das Innere des Bergs hinab, zur unterirdischen Latte-Macchiato-Quelle...?

Mit Artikel oder ohne? Leben wir im, am oder gar auf dem Prenzlauer Berg? Der sprachliche Wildwuchs rund um den eigentlich harmlosen Namen unseres Ortsteils ist ebenso bemerkenswert wie verwirrend.

Manche kommen gut ohne Artikel zurecht

Für das Pankower Bezirksamt ist die Sache klar: Prenzlauer Berg hat, wie auch Kreuzberg, Schöneberg, Lichtenberg, Falkenberg, keinen Artikel. Das Bezirksamt schreibt auf seiner Webseite nüchtern: „Baumfällungen in Prenzlauer Berg." Oder: „Die größte gründerzeitliche Bebauung der Stadt findet man in Prenzlauer Berg." Doch viele lokale Politiker*innen hängen am Artikel. So heißt es in einem Antrag der Pankower CDU „mitten im Prenzlauer Berg". Stefan Liebich (Linke) schreibt bei Twitter von den „Menschen in meinem Wahlkreis, vor allem im Prenzlauer Berg".


(Auszug)

Original