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The White-Trousered Biker

Am Ortseingang von Budva, Montenegro, wartet Krsto Niklanovic. Immer. Auf jeden. Aus mehreren Metern Höhe blickt sein Bild auf jeden herab, der in die Stadt fährt. Er sitzt auf seiner Harley, die langen grauen Haare schauen unter dem Helm hervor. Mit dem Poster wirbt er für seinen Beer & Bike Club, eine Kneipe und Treffpunkt für Biker. Doch Biker ist er nur abends. Tagsüber ist er Geschäftsmann. Ihm gehört das riesige Restaurant, das direkt an den Bikerclub angrenzt.

Dort schlendert er im Polohemd, weißer Hose und seinen weißen Lederschuhen zwischen den über 700 Plätzen entlang. Er grüßt die Gäste und plaudert mit ihnen wie mit alten Bekannten. "Mich kennt jeder", erklärt Niklanovic. "Nicht nur in Budva, in Montenegro kennen die mich auch, die kennen mich in Österreich, in Serbien, in Kroatien. Die kennen mich überall." Abends setzt sich der Zwei-Meter Hüne dann in den Beer & Bike Club und trinkt Wasser aus einer Plastikflasche. "Ich trinke keinen Alkohol", sagt Niklanovic. "Vielleicht mal einen Cognac oder so, ansonsten bin ich kein Alkohol Fan."

Der Beer & Bike Club von Niklanovic ist kein dunkler, verrauchter Raum mit klebrigem Tresen; Keine Muskelprotze mit Schnauzbärten und Lederjacken die sich über Schraubenschlüssel unterhalten. Es ist stattdessen eine Art Wintergarten, der an ein großes Restaurant anschließt, mit höflichen Kellnern und einem bunt gemischten Publikum aus jungen Leuten, Familien und Rentnern. Auf dem Tisch steht eine Speisekarte in 21 Sprachen. An der Wand hängt ein Fernseher, auf dem stumm ein Michael Jackson Musikvideo läuft und in der Ecke steht eine Dekor-Zapfsäule mit einem aufgeklebten "No Smoking"-Schild. Zwei Männer auf Hockern spielen live Johnny Cash und "Take Me Home, Country Roads" auf ihren Gitarren.

Die passende Musik in seinem Club ist für Niklanovic sehr wichtig. "Die neuen Generationen sind jetzt an eine andere Art von Musik gewöhnt, eine, wie ich es sage, Zwei-Rhytmus Musik. Duk duk duk duk. Was anderes gibt es da nicht." Er selbst hört am liebsten die Eagles und die Kelly Family. Im Beer & Bike Club spielt seit Eröffnung immer die gleiche Band aus Budva, zwei Männer und ihre Gitarren, Country und Rock Klassiker. Ein Schlagzeug, meint Niklanovic, wäre zu laut.

Den Beer & Bike Club gibt es erst seit vier Jahren, das Restaurant besitzt er schon viel länger. Er hat es 1981 von seinen Eltern übernommen und leitet es zusammen mit seiner österreichischen Frau. Sein Sohn wird es wohl nach ihm übernehmen. Der ist Chirurg in Österreich, würde diesen Beruf aber wohl für das Restaurant aufgeben. Der heutige Beer & Bike Club war früher ein Teil des Restaurants, den Niklanovic dann umfunktioniert hat. Er dient jetzt als Treffpunkt für den Harley Davidson Klub Montenegro, von dem Niklanovic Präsident ist.

Unter den Bikern gibt es eine spielerische Konkurrenz zwischen Harley Fahrern und BMW Fahrern. "Die sagen immer, wir fahren diese Agrarmaschinen, keine Motorräder, und wir sagen dann, ihr fahrt ja Computer, keine Motorräder." Aber alles sei ein Spaß. "Hier ist nichts passiert mit Streiterein oder Drogen", sagt Niklanovic. "Es ist nicht so, wie oft gesagt wird, dass Biker Wilde seien." Stattdessen arbeiten die Klubs zusammen. An Neujahr verkleiden sich die Mitglieder verschiedener Klubs als Nikoläuse und fahren zusammen zu Kinderdörfern und bringen den Kindern Geschenke. Oder sie gehen alle zusammen zum Blutspenden. Biker seien sehr hilfsbereit, auch untereinander. "Bei uns gibt es eine alte Regel: Einer für alle, alle für einen."

Niklanovics erstes Motorrad war das Motorrad von seinem Vater, eine BMW R211, Baujahr 1952, mit Beiwagen. Vor drei Jahren hat er genau das gleiche Modell wieder gefunden und sofort gekauft und restauriert. Mittlerweile hat er sechs Motorräder, darunter mehrere Harleys. "Ich würde gerne noch mehr kaufen, aber meine Frau lässt mich nicht." In ganz Montenegro gebe es nur 15 oder 16 Harleys, sagt Niklanovic. Mit seinen Bikerfreunden geht er immer noch gelegentlich auf Roadtrips. "Ich war schon in ganz Europa unterwegs", sagt Niklanovic. "Und ich hoffe, wenn es mit meiner Gesundheit so weitergeht, dass ich noch ein paar Jahre weitermachen kann."

Schon zu Zeiten des Kommunismus' in Jugoslawien war Niklanovic in Europa unterwegs. Den Kommunismus hat er nicht negativ in Erinnerung. "Unser Kommunismus war ein ganz anderer als in der DDR, Tschechoslowakei oder Russland", erzählt er. Sie hätten immer zwischen den beiden Blocks gestanden. "Ein bisschen da, ein bisschen da." Damals sei der jugoslawische Reisepass der teuerste zu bekommen gewesen. Mit einem deutschen Pass sei man nur in den Westen gekommen. Mit dem jugoslawischen dagegen fast überall hin. Nur für die USA habe man ein Visum gebraucht.

Genau dorthin zieht es Krsto Niklanovic nun nochmal. Denn dort ist der heilige Gral eines jeden Bikers. "Mein Traum ist diese blöde Route 66", sagt Niklanovic. Jedes Jahr spreche er darüber mit ein paar Freunden, aber sie seien alle nicht mehr die jüngsten. "Immer fehlt jemandem was. Aber ich hoffe wir schaffen das noch in den nächsten zwei bis drei Jahren."

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