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Rabat und Salé: Zwei medias am Atlantik

Weit nach Mitternacht rollt der fast menschenleere Zug pünktlich im modernen Beton- und Glasbahnhof von Salé ein. Die Läden und Cafés in der Halle sind längst geschlossen. Die vierspurige Durchgangsstrasse vor dem Bahnhof liegt verlassen im fahlgelben Licht der Straßenlaternen.

Übers Handy lotst mich Gastgeberin Françoise entlang der Stadtmauer auf einen menschenleeren Platz. Ich höre nur das Klackern meiner Kofferrollen auf dem löchrigen Asphalt. Zum Glück holt Françoise mich ab. Ich hätte die rostrote kleine Tür in einer fensterlosen, dunkelgrauen Wand nie gefunden.

Durch einen kurzen schmalen Gang gelangen wir in ihr Reich. Marokkos Riyads sind von aussen kaum zu erkennen. Oft haben sie keine oder nur winzige Fenster zur Straße. Der abgewinkelte Gang schützt vor allem die Bewohnerinnen vor fremden Blicken. Drinnen gehen von einem mit bemalten Fliesen gekachelten Innenhof auf zwei Etagen die Zimmer ab. Licht bekommen sie vom Hof. Schliesst man die dunklen, schweren Holztüren, ist es dunkel.

Am nächsten Morgen blinzle ich in die Sonne, die auf meine Zimmertür scheint. Ich wohne ganz oben, über mir nur der leuchtend blaue marokkanische Himmel. Unten sitzen schon zwei junge Deutsche beim Frühstück. Sie starten gerade ihre Rundreise durch Marokko. Françoise tischt in Tontöpfchen ein Dutzend verschiedene Marmeladen auf. Sie schmecken nach Feige, Kastanien, Orangen. Dazu gibt es Baguette und frischen Kaffee.

Städte erschliesse ich mir langsam: erste vorsichtige Schritte vor die Haustür, Riechen, Hören, Sehen. Ich folge der Gasse vor der schweren Eisentür des Riyads vorbei an kleinen Läden und Werkstätten, in denen Männer auf Kundschaft hoffen. Die meisten tragen die traditionellen marokkanischen Djellabahs, eine Art Ganzkörper-Mantel oder Kaftan in Blau, Beige oder Braun, zumeist aus Wolle. Viele mustern mich mit neugierigen, manchmal auch misstrauischen Blicken. Meine Kamera halte ich eng am Körper. Mir scheint, dass sie lieber nicht fotografiert werden. Touristen finden selten den Weg hier her. Die Armut vieler Altstadtbewohner erschreckt mich. Sie verwarten die Tage in ihren Kaschemmen oder auf der Strasse. Bettler hoffen mit einem Pappbecher in der Hand auf eine Gabe.

Die Freiheit, ungehört zu bleiben

Marokkos Altstädte, die Medinas, sind wie hier in Salé eine Mischung aus Markt und Ladenstraßen. Alte Männer stehen an Karren, auf die sie Obst und Gemüse gestapelt haben: Orangen, Mandarinen, Minze, Gewürze. Nach zehn Minuten passiere ich ein Tor auf der anderen Seite der Medina. Vor einem Betonbau stehen Männer und Frauen singend in einem Kreis. Sie rufen Parolen auf Arabisch. „Ville de Salé“ steht über dem Eingang hinter ihnen. Es ist das Rathaus. Angestellte drängen sich an den Protestierenden vorbei, ohne sie zu beachten. Ich frage einige auf Französisch, worum es gehe. Die meisten sind einfache Leute, die mich nicht verstehen. Schließlich finde ich eine Frau in der Runde, die ihre Haare offen trägt. Sie erklärt mir, dass sie alle arbeitslos seien und von der Stadt Jobs verlangen. Aus dem Rathaus kommt keine Reaktion. Marokkos Bürokratie lässt die Leute demonstrieren - und ignoriert sie. Ähnliches erlebe ich wenige Tage später vor dem Parlament in Rabat, wo Journalisten gegen die Einschränkung der Meinungsfreiheit durch die Kommerzialisierung der Medien demonstrieren. Gesendet und gedruckt wird, was Geld bringt. Man lässt die Protestierenden stehen. Keine Polizei, keine Absperrungen. Niemand reagiert.

Hinter dem Rathaus gerate ich in eine verlassenen Mondlandschaft. Von der Jahrhunderte alten Stadtmauer aus getrocknetem Lehm erstreckt sich ein Meer aus Gräbern bis zum in der Sonne glitzernden Ozean. Etwas weiter südlich mündet der Bou Regreg in den Atlantik.

Ich folge dem Flusslauf in ein noch unbewohntes Neubaugebiet. Der Eagle Hills Konzern aus Abu Dhabi verkauft hier Luxuswohnungen am Wasser. „Quai des Créateurs“, Kai der Kreativen, steht in eisernen Buchstaben über der nagelneuen Uferpromenade.
Vereinzelt sitzen junge Leute auf den Stühlen, die erste Cafés auf die Strasse gestellt haben: Pioniere einer Zukunft, die der König seinem Land verordnet hat: das „neue Marokko“, modern, weltoffen, jung, wirtschaftlich erfolgreich und voller Zuversicht. In den neuen Apartmenthäusern haben „Kreative“ ihre Läden eröffnet: Möbel- und Mode-Designer, Galeristen. Ziyad Nourredine, ein freundlicher, feinsinniger Herr Anfang 60, gibt in seiner Galerie Malkurse. Eine ältere Dame arbeitet konzentriert an ihrem Landschaftsbild. Die vier, fünf Meter hohen, weißen Wände hängen voll mit bunten Gemälden. Werke, die dort keinen Platz mehr finden, stehen auf dem hellen Holz-Fussboden. Für ein Jahr hat der Maler, Künstler und Galerist den Laden gemietet. „Für die 3500 Franken muss ich jeden Monat fünf bis sechs Bilder verkaufen“, klagt er über die für marokkanische Verhältnisse horrenden Kosten. Trotz der teuren Mieten am Kai der Kreativen strahlt der Künstler Optimismus aus. Die Kunst fange allmählich an, sich in Marokko zu demokratisieren. „Der Markt ist klein, aber er wächst“.

Wenige Schritte vor Nourredines farbenfroher Insel der Zuversicht treibt der Wind leere Plastikflaschen und -tüten über den staubigen Streifen Brachland am Fluss. Zwischen Behausungen aus Folien, Holzresten, alten Decken und Müll führt ein Trampelpfad ans Ufer. Ein Junge in einem schmutzigen, dunklen Trainingsanzug beobachtet neugierig meine Schritte. Wahrscheinlich wohnt er in einer der Hütten. Leider versteht er meine Frage nach den Booten nicht, die Passanten ans andere Ufer bringen. So folge ich einem Mann, der kurz auf Arabisch mit einem der Bootsbesitzer spricht und auf eines der blau-weiß-grünen Holzboote steigt. Ein kräftiger Typ um die 50 winkt mich an Bord. Er stellt sich in die Mitte und rudert los.

Keine zehn Minuten dauert die Überfahrt in Marokkos Hauptstadt, eine der sieben Königsstädte des Landes. Vom nahen Ozean weht frische salzige Luft den Fluss herauf. Das Blau des Wassers, der Boote und des klaren Himmels leuchtet in der hellen Vormittagssonne. Wortlos legt der Ruderer drüben an und streckt mir seine Hand entgegen. Drei Dirham, rund 30 Rappen, kostet die Überfahrt, halb so viel wie eine Strassenbahn-Fahrkarte.

Am Steg sortieren Fischer ihre Netze. Unser Bootsmann fährt alleine zurück nach Salé. Keine Kundschaft. Mich lockt die Kasbah des Oudaias: ein Haufen weißer Häuser, der auf einem Hügel am Ende der neuen Promenade hinter einem zinnenbewehrten alten Stadttor thront. Ein paar versprengte Touristen, darunter marokkanische Familien mit ihren Kindern, flanieren durch die höchstens zwei Meter schmalen autofreien Gassen zwischen den blau und weiss gestrichenen andalusischen Häuschen.

An einer der Strassen hat sich ein alter Mann auf einer Matratze niedergelassen. Er spielt auf einer Art Laute und dreht dazu seinen Kopf, bis der blaue Bommel seiner bestickten Mütze im Rhythmus der Musik um sein Haupt kreist.

Außer mir interessiert sich niemand für dem Gnawa-Musiker. Seine mystischen Klänge stammen wie der dunkelhäutige Mann mit dem faltenzerfurchten Gesicht aus der Wüste im Süden Marokkos. Für die Münzen, die ich ihm in sein Körbchen lege bedankt er sich mit einem Lächeln, einer Zugabe und ein paar Extra-Runde seines Bommels.

Der Himmel beschenkt Rabat mit einem klaren Licht, das die Farben zum Leuchten bringt. Am Eingang zur Altstadt schimmert die alte Lehmmauer in einer Mischung aus Gold, Beige und Hellbraun in der Abendsonne.

Alle paar Minuten gleitet das 21. Jahrhundert an der archaischen Altstadt-Welt mit ihren Gemüseständen, Werkstätten, Mini-Läden, Bettlern, Händlern und anderen Überlebenskünstlern entlang: Von Nord nach Süd verbindet die silbrig glänzende neue Niederflurtram die vielen Welten der marokkanischen Hauptstadt: Die Altstadt, das in die Jahre gekommene Geschäftsviertel Hassan II, die vor gut 100 Jahren von den Franzosen als Vision der Moderne errichtete Neustadt mit ihren blütenweissen Art-Deco-Fassaden, dem schicken Neubauviertel Agdale, dem Königspalast und der tief religiösen Nachbarstadt Salé.

Vor dem Zentralmarkt am Altstadttor Bab Chellah warten junge Männer auf Kunden für ihre Sonnenbrillen, nachgemachten Markenklamotten und allerlei Tand, den sie auf dem Bürgersteig ausgebreitet haben. Andere verkaufen Obst, Gemüse oder marokkanisches Fastfood: Auf mobilen Grills gebratene Merguez-Würstchen, Fleischklopse mit Salat und einer undefinierbaren Soße. Den Imbiss werde ich in der kommenden Nacht noch bereuen. Bis weit in den nächsten Tag verfluche ich ihn für den Brechdurchfall, den ich mir vermutlich hier eingefangen habe. Dabei hatte ich auf das Grünzeug verzichtet und genau darauf geachtet, dass der Verkäufer die Würstchen gründlich durchgrillt. Ich will nur noch nach Hause.

Nicht nur solche Erfahrungen erinnern mich - bei allem Ärger über deutsche und Schweizer Wohlstands-Selbstgefälligkeit - daran, dass die meisten von uns in Mitteleuropa auf einer Insel der Glückseligen leben.

Ich denke an den jungen Mann in der Totenstadt Chellah, der sich auf jeden der wenigen Touristen stürzt, die Geschichte der Ruinen aus römischer und altislamischer Zeit referiert, den Weg zeigt und Besuchern gar nicht die Chance lässt, seine Dienste zurück zu weisen. Obwohl er fließend Französisch spricht, studiert habe und so viel weiss, schlägt er sich wie viele Marokkaner mit Gelegenheitsjobs und als „Faux Guide“, als falscher Touristenführer durch. Er spricht Ausländer an, zeigt ihnen den Ort, liefert Erklärungen und verlangt hinterher ein happiges Sümmchen Geld. Obwohl ich keine Lust auf seine Führung hatte, gebe ich ihm nachdem kurzen Rundgang 60 Dirham, rund sechs Franken und ernte seinen Zorn. Mindestens 100 seien für seine Dienste doch nicht zu viel verlangt, 10 Euro. Mit schlechtem Gewissen und einem unguten Gefühl über das rechte Mass bleibe ich hart, bis er schimpfend aufgibt und sich neue „Kundschaft“ sucht.

Auch in Salé bin ich an der Großen Moschee an einen solchen falschen Guide geraten. Ein älterer Herr, der mich in ein freundliches Gespräch verwickelt, anfängt, mir von der großen Moschee der Meriniden, der alten Koranschule aus dem 13. Jahrhundert und dem vielen Gräbern auf dem nahen Friedhof zu erzählen. Ich hätte doch nichts dagegen, dass er mich ein bisschen begleitet. Die Tour endet vor dem Eingang zur ehemaligen Medersa ebenso wie die in der Chellah.

Vor der original erhaltenen ehemaligen Koranschule hantiert ein stämmiger junger Mann Mitte 20 mit einer großen Kamera. Er filmt ein paar junge Kerle, die immer wieder die Gasse heraufkommen, bis die Szene endlich sitzt. Dazu tönt aus dem Ghettoblaster eine Rap-Ballade. Adrch’man ist Lehrer und betreibt mit seiner Ausrüstung eine kleine Produktionsfirma: „Werbeclips, Musikvideos“, erklärt er mir beiläufig, während er die letzten Aufnahmen auf seinem Laptop prüft. „Hier helfe ich meinen Freunden“.

Dris ist einer von ihnen, ein schlacksiger junge mit nach hinten gegeelten schwarzen Haaren. Dazu trägt er T-Shirt, löchrige Jeans und eine verspiegelte Sonnenbrille. Er hat das Lied geschrieben und spielt jetzt die Hauptrolle in dem Musikclip: „Ich sehe sie, sie sieht mich, ich verliebe mich“. Liebe auf den ersten Blick. In der letzten Szene wacht Driss auf. War es alles nur ein Traum?

Seine Angebetete heisst Melek, eine marokkanische Schönheit mit dunklen Augen. Ihr langes offenes Haar fällt über ihren blutroten Djellabah. Im Film spielt sie „la fille du quartier“, das Mädchen aus dem Viertel. Sie geht auf den Markt. „Da begegne ich ihm wieder. Ein Augenaufschlag ….“, erzählt die 18jährige.

Sie will nach der Schule „etwas mit Architektur und Dekoration machen, vielleicht auch „Model werden.“ Die junge Frau gibt sich zuversichtlich. Sie werde etwas finden.

Die Jungs sind skeptischer. „Wenn Du hier etwas werden willst, brauchst Du vor allem Beziehungen“, schimpft einer von ihnen. Er will nach Europa, Frankreich oder Deutschland, weil man „dort mehr Möglichkeiten hat“. Auch Nacim, der Wirtschaftsstudent, der Model werden möchte, träumt vom „besseren Leben“ in Europa. Sein Freund Wallid will bleiben. „In Marokko kannst Du so viel machen.“ Am Set kümmert er sich um das richtige Outfit für die jungen Darsteller. „Wenn Du in Europa als Stylist arbeiten willst, brauchst Du eine Ausbildung. Hier nicht“, weiss der 20jährige. „Ich bin zufrieden, Hamdullah, Gott sei Dank“. Als Stylist verdient er zu wenig, um davon zu leben. Deshalb verkauft der junge Mann nebenbei Uhren, Sonnenbrillen und andere Accessoires. Jedenfalls „kommt er klar, Insh’Allah“, so Gott es will.

Ein typisch marokkanischer Satz, den Wirtin Françoise besonders liebt. Geschichten hat sie reichlich auf Lager, zum Beispiel die des Installateurs, der wochenlang versucht hat, einen Wasserrohrbruch in ihrem Riyad zu beheben. Immer wieder kam er mit seinem Gehilfen, buddelte ein Loch, riss die Gasse vor dem Haus auf und verschwand. Er werde eine Lösung finden und wieder kommen, Insh’Allah, wenn Gott es wolle. Irgendwann hatte sie die Nase voll: „Ab jetzt gilt Insh’Françoise und die will, dass Du morgen wieder hier bist.“ Er kam tatsächlich und fand das Leck im Wasserrohr.

5 x 6 = 24

Mehr als zehn Jahre nachdem sie nach Marokko kam, „um ein neues Leben anzufangen“, verzweifelt sie an diesem Land, das sie gleichzeitig so fasziniert. Sie bewundert, „wie gelassen die Menschen hier dem Tod begegnen“, wie zufrieden so viele auf sie wirken und wie relativ die Zeit sei. „Die Europäer haben die Uhr, wir die Zeit“, heisst es auch in Marokko - was Françoise manchmal fast in den Wahnsinn treibt. Stunden verbrachte sie auf einer Amtsstube, weil sie ein paar Steuermarken vorlegen sollte. Die gab es erst nur beim Händler um die Ecke, der keine hatte, dann wieder auf dem Amt, wo niemand sie fand. Für fünf mal sechs Erklärungen brauche sie 24 Marken, beschied ihr die Beamtin. Als sie die 24 Aufkleber zusammen hatte, waren es natürlich zu wenig. Das Spiel begann von Neuem. Erst als Françoise sich weigerte, das Büro ohne die restlichen Marken zu verlassen, tauchten in einer Schublade plötzlich welche auf.

Kabarettreif erzählt die wortgewaltige Bretonin, wie sie auf einem Amt nach langer Wartezeit ein Formular bekam, dieses aber vor Ort nicht ausfüllen durfte. Zum Abgeben solle sie einen neuen Termin vereinbaren. Sie weigerte sich, blieb und setzte sich durch. „Das sind die die Leute hier nicht gewöhnt“, erzählt die resolute Gastgeberin, die ihre „Arbeit liebt“, obwohl so viele ihr das Leben mühsam machen. Die Korruption bestimme immer noch den Alltag. So habe jeder jeden in der Hand und keine traue sich, den Mund auf zu machen.

Salés große, reiche Schwester Rabat gibt sich weltstädtisch. Die Stadt will sich mit internationalen Festivals auf der touristischen Landkarte verankern, pflegt ihre vielen Parks und die Kultur. Das Museum für moderne Kunst Mohammed VI, ein 2014 im arabischen Stil errichteter Neubau mit hellen, klimatisierten Räumen habe ich an einem Donnerstag fast für mich alleine. Nur eine marokkanische Kleinfamilie, Frau und Tochter wohl verhüllt und bedeckt, erschliesst sich vorsichtig die Welt moderner Kunstwerke aus Afrika und Europa.

Nach einer Tour durch die Neustadt mit ihren Museen, blütenweißen Verwaltungsbauten aus der Kolonialzeit und den feinen Cafés am palmenbestandenen Boulevard Mohammed V zieht es mich wieder Richtung Altstadt. Mitten im Geschäftsviertel zwischen Medina und dem französischen Viertel wundere ich mich über mehrere Blocks lange Menschenschlangen in der Dunkelheit. Die Leute warten regungslos bestimmt eine Stunde lang, ohne dass sich etwas bewegt. Ich frage den Kellner, der mir gerade meinen Minztee bringt. Er zuckt mit den Schultern und meint „vielleicht warten sie auf ein Taxi oder den Bus“. Die Strasse ist allerdings so eng, dass kein Bus hier durch käme. Und Taxen sind weit und breit nicht zu sehen. Auch der Gemüsehändler, an dessen Karren ich mir ein paar Mandarinen kaufe, weiss keine Antwort auf meine Frage. Dafür gibt er mir den Glauben an das Gute wieder. Beim Bezahlen ist mir unbemerkt ein 50 Dirham-Schein aus der Tasche gefallen. Der Händler, ein alter Mann, dem das Gehen schwer fällt, kommt um seinen Karren geeilt, hebt den Schein auf und gibt ihn mir. Sprachlos schaue ich ihn an. Bevor mir ein Dankeswort einfällt erwidert er. „Ja Monsieur, das Vertrauen in die Menschen ist sehr wichtig, wichtiger als das Geld.“