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Feature

Belgrad: Spielwiese der Umbrüche

Spielwiese der Umbrüche:
Serbiens Hauptstadt Belgrad zwischen traumatischen Erinnerungen und dem Aufbruch in die Zukunft

von Robert B. Fishman

Belgrad, Beo-grad, die „Weisse Stadt“ trägt ihre Narben im Gesicht wie eine vom Leben gezeichnete stolze alte Frau. Die kaum verheilten Wunden der Kriege, Eroberungen und Zerstörungen liegen offen wie ein begehbares Geschichtsbuch. Umbrüche schaffen Freiräume für Ideen, bis der nächste Investor mit reichlich Geld und meist wenig Geschmack die Lücken wieder zubaut.

Mondäne Boulevards mit Art-Déco Bauten, unterbrochen von Bauhaus- und Betonfassaden des Brutalismus der Nachkriegszeit, zerbröselnde, pastellfarbene Jugendstil-Fronten zwischen geschwungen-leichten Bauten des sozialistischen Fortschrittsglaubens, ein von der NATO 1999 zerbombte Hochhaus, eine Kulturkneipe in einem Hinterhof oder eine versteckte Bucht an der Save: Hier wiegen sich Boote und Wasservögel in der untergehenden Sonne. Statt nach Abgasen duftet es plötzlich frisch nach Wasser und feuchtem Schilf. Belgrad ist voller Leben und voller Gegensätze.

Am gegenüberliegenden Ufer ragen graue Betonzähne in den Himmel, manche frisch geputzt, andere von der Zeit geschwärzt: Neu- Belgrad sollte sozialistische Musterstadt werden. Es wurde mit 450.000 Bewohnern vermutlich das größte Plattenbaugebiet Europas.

Kurz vor dem Ersten Weltkrieg entstand an der Sarajevska Strasse in Alt-Belgrad ein großzügiges Wohnhaus. Der Bau mit der verwitterten Fassade stand einige Zeit leer, bis junge Leute ihm neues Leben schenkten. In den hohen Räumen stehen ein paar dunkle, rohe Holztische auf dem Parkettboden. Die Wände nackt, die Tische nur mit dem nötigsten gedeckt: Teller, Besteck, Wasser- und Weingläser. „Ich möchte, dass sich unsere Gäste auf das Essen konzentrieren können“, erklärt Vanja.

Mit Freunden hat der 31jährige in der ehemaligen Wohnung ein Restaurant eröffnet: das IRIS - New Balkan Cuisine. Die schweren heimischen Gerichte - fetttriefende Fleischberge, Kohl, Gemüse, haben sie „modernisiert“: leicht, regional, gesund.

Vanja fährt aufs Land, um alte Frauen auf den Dörfern nach ihren Rezepten zu fragen, sucht Inspirationen in traditionellen Bauerngärten. Seine Lieferanten kennt er persönlich. Die meisten Zutaten in der Küche seien Bio, auch ohne Siegel. Die Siegel können die kleinen Bauern nicht bezahlen. Das Brot backt das Team des IRIS selbst. Zur Begrüßung servieren sie Rakij - serbischen Obstler, aus Pflaumen, Quitten oder Aprikosen.

Zum Essen erscheinen Gäste, die sich etwas Besonderes gönnen wollen. Zwischen 3.000 und 4.000 Dinar, gut 30 bis 40 Euro kostet das Menü, fast ein Zehntel des serbischen Durchschnittsgehalts. Die Nachfrage wächst.

Das IRIS liegt am Rande des einst türkischen Viertel Dorćol zwischen der mondänen Innenstadt und dem Donau-Ufer. In den von alten Bäumen gesäumten Straßen eröffnen ausgefallene Cafés, Bars und Restaurants: Kneipen wie die Kultbar Centrala, kleine Galerien, die selbstverwaltete, als Kollektiv geführte Kulturkneipe „Zadruga Oktobar" (LPG Oktober) oder das „Dorćol Platz“.

Fünf Gründer haben die Hallen einer ehemaligen Autowerkstatt zu Bars und Kneipen umgebaut: Eine Bühne, Theke, bunte Lichter über Biergartenbänken. An den weiss gekalkten Werkstattwänden hängt die Ausstellung einer Belgrader Fotografin. Am Wochenende veranstalten die Wirte Flohmärkte, Konzerte, Theateraufführungen und Filmabende.

Die Festung mit dem offenen Tor

An einem der Tische sitzt Dimi bei einem Kaffee. Der „bayerische Serbe“ sieht sich als echten Belgrader. Wie seine Eltern zogen in den 60er und 70er Jahren tausende „Jugos“ dort hin, wo es gut bezahlte Arbeit gab: nach Österreich und Deutschland. So wuchs er in München auf. Heute spricht der jugendliche Typ mit Stoppelbart Bayerisch, Deutsch, Englisch und Serbisch, was eigentlich Serbokroatisch ist und sich von der Sprache der „bösen Nachbarn“ kaum unterscheidet.

Warum sich die einstigen Jugoslawen vor gerade mal 20 Jahren gegeneinander in den Krieg hetzen ließen, versteht er wie viele hier nicht. Ihn zog es nach dem Studium an der Isar in die Heimat seiner Eltern. Er blieb, weil er „das Lebensgefühl hier mag“: Die Menschen leben im Heute, gehen aus und genießen, was sich ihnen bietet. Viele Kulturen haben sich hier an der Grenze zwischen Orient und Okzident vermischt und gegenseitig inspiriert. Sieben von zehn Belgradern sind Zuwanderer oder deren unmittelbare Nachfahren. „Unser Wappen“, ergänzt Dimi „ist eine Festung mit einem offenen Tor“.

Türken, Habsburger, Serben, Bosnier, Kroaten, Händler, Bettler, Künstler, Bohémiens der Zwischenkriegszeit, das Königreich, Nazi-Terror, Titos Selbsverwaltungs-Sozialismus - alle haben sie hier - an der Grenze zwischen Mitteleuropa und dem Balkan ihre Spuren hinterlassen.

Die Jahrhunderte lange türkische Fremdherrschaft hat zum Beispiel die zahlreichen Kafanas hinterlassen. So nennen Serben ihre Mischung aus Bistro, Kneipe, Restaurant und Kaffeehaus. Touristen landen oft im „Fragezeichen“, einer dunklen Gaststube aus dem 19. Jahrhundert an der ältesten Kirche der Stadt. Andere gehen lieber in die „goldene Opanke“ am Djeram- Markt. Benannt ist die 90 Jahre alte Kneipe nach den Schustern der serbischen Opanken (Bundschuhe), die sich früher hier trafen. Hier wie auch in der Teatroteka sitzen die Leute aus allen Schichten und Kreisen zusammen, reden und diskutieren über Politik, das Leben und die Welt, Bier- und Kaffeetrinken, manche vom frühen Vormittag bis tief in den Abend. Noch dürfen die Gäste hier und in anderen Kneipen rauchen, bis man sie im Qualm nicht mehr sehen kann.

Auch den Osmanen verdankt Belgrad Leckereien wie gefüllte Teigtaschen und klebrig-süße Bakhlava, die Bäckereien buchstäblich an jeder Straßenecke verkaufen.

Zu den Traditionen kommt ständig Neues.
Belgrad ist immer auf dem Sprung. Überall wird gebaut, saniert, umgestaltet, als bedeute Stillstand den Tod.
„Pop Up City“ nennen manche ihre Stadt. „Wenn Du in zwei Jahren wieder kommst, erkennst Du die Stadt kaum wieder“, verspricht Dimi.

Hinter dem Hauptbahnhof wächst gerade das größte Neubau-Projekt Südosteuropas in den Himmel: Bagger reissen die alten Fabrik- und Lagerhallen ab, in denen bis vor kurzen mehr als 1000 Flüchtlinge hausen mussten. Auf dem Weg über die Balkanroute waren sie in Serbien hängen geblieben. Inzwischen ließ sie die Regierung in Lager verfrachten. Zerschlissene Sessel, Sofas und Decken erinnern in den halb zerstörten Hallen an ihr Schicksal. Hinter den Trümmern ragen zwei halbfertige Betontürme in den wolkenlosen Himmel. „Belgrade Waterfront“ verkündet die Bautafel des Unternehmens Eagle Hills aus Abu Dhabi.

Belgrad im Wasser

Der Investor baut zusammen mit dem serbischen Staat auf 177 Hektar eine neue Wolkenkratzer-Stadt: 5700 Wohnungen, Büros, Vergnügungsmeile, Einkaufszentren, Uferpromenade und Luxus-Hotels. Wer dem Vorhaben nicht freiwillig wich, wurde geräumt. Medien berichteten, wie maskierte Männer Anwohner im April 2016 ohne Vorwarnung aus ihren zum Abriss bestimmten Häusern prügelten.

„Ertränkt Belgrad nicht“

Ein einziges Häuschen steht unversehrt hinter einem Mäuerchen inmitten der Brache. Sein Bewohner konnte anhand alter Grundbücher nachweisen, dass ihm das Grundstück gehört. Niemand weiss, wie lange er dem mehr drei Milliarden Euro teuren Glitzer-Quartier an der Save noch widerstehen wird.

Kritiker wie die Bürgerinitiative „Ertränkt Belgrad nicht“ vermuten Korruption hinter dem Grössenwahn. Nur wenige Einheimische werden sich die Wohnungen leisten können. Weil die Save oft über ihre Ufer tritt, werden sio manche Luxuskeller voll Wasser laufen.

„Küste haben wir keine, aber Strand“, erzählt Dimi und schlägt einen Ausflug ans Belgrader Meer vor. Am künstlichen See Ada Ciganlija hat die Stadt Sand aufgeschüttet. An der Promenade reiht sich ein Strandcafé ans andere.
Wenn es etwas zu feiern gibt, sind die meisten jungen Belgrader dabei. Legendär seien die - oft überteuerten - Partyboote, zu Clubs umgebaute Ausflugsdampfer und Restaurant-Schiffe wie das 20-44 und zahlreiche Nachtclubs.

Serbische Volkslieder zum Tanzen und Mitsingen

Touristen landen meist in den traditionellen Lokalen auf der kopfsteingepflasterten Ausgehmeile Skadarlija. Im „Dva Jelena“ dem „Zwei Hirschen“, servieren Kellner in einer Art Tracht deftige Balkankost. Unter bräunlichen Wandmalereien im Stil der 1920er Jahre schluckt dunkle Holzvertäfelung das spärliche Licht. Sechs mit Gitarren und Mandolinen gerüstete ältere Herren in Hemd, Anzughose und gross-karierter Weste fangen an, herzzerreissende serbische Weisen zu spielen. Auch viele junge Leute singen textsicher mit. Manchen stehen die Tränen in den Augen. Ein älteres Paar beginnt zu tanzen. Eines der Stücke erzählt von der Heimkehr eines Soldaten im Ersten Weltkrieg, der den langen Marsch zum Mittelmeer, die Evakuierung nach Nordafrika und die Rückkehr über den Balkan knapp überlebt hat.

Feiern im Hier und Jetzt

Bei aller Feierlaune lebt Serbien in und mit seiner Geschichte. In jahrelangem Kampf befreite sich das Land vor rund 150 Jahren von der türkischen Herrschaft. Dann kamen 1912/13 die Balkankriege, in denen allein 70.000 serbische Soldaten starben. Anschließend begann der Erste Weltkrieg in Sarajevo und Belgrad. Es folgte das Königreich Jugoslawien, ein Putsch, eine Diktatur bis 1941 Kroaten mit der Nazi-Wehrmacht einmarschierten. In den Konzentrationslagern starben Serben, Juden und so genannte Zigeuner. Tausende Widerstandskämpfer verloren im Partisanenkrieg ihr Leben.
Deren Anführer Josip Broz Tito, ein Kroate, regierte Jugoslawien bis zu seinem Tod 1980. Mit dem Ende des Ostblocks zerbrach das Land. Es folgten weitere Kriege, bis 1999 NATO-Flugzeuge Belgrad bombardierten. Der Westen hatte sich auf die Seite des nach Unabhängigkeit strebenden Kosovo geschlagen.

Die Beton gewordene Utopie einer besseren Welt

„Den meisten ging es in Jugoslawien besser“, vermutet Djordje Milic. Der 26jährige hat Soziologie studiert, findet wie viele junge Leute keine Arbeit in seinem Beruf. Nun fährt er als Fremdenführer bei Yugo-Tours Touristen in jugoslawischen Autos aus den 70er und 80er Jahren durch Belgrad. In einem blass-orangeroten Zastava 101, Baujahr 1979, ruckeln wir über die chronisch verstopfte Branko-Brücke. Im Sumpfland jenseits der Save ließen Tito und seine Sozialisten aus Stein und Beton ihre Utopie bauen: Novi-Beograd, Neu-Belgrad. Das Konzept: Licht und Grün für die Arbeiterklasse, breite Alleen, Parks und alle Einrichtungen des täglichen Bedarfs vom Kindergarten bis zum Kiosk vor der Haustür.

Bei jedem Einkuppeln muss Djordje Zwischen-Gas geben, bis der Motor aufheult. Die Lenkung geht schwerer als bei einem alten Lastwagen.

In den Jahren von Zerfall, Krieg und räuberischer Privatisierung der Wirtschaft wurde Jugoslawien zum nostalgisch verklärten Mythos. Djordje hat dafür eine Erklärung: Die Menschen hatten wenig, aber eine Perspektive. Freier als im Osten und gleicher als im Westen schufen sich viele ihr kleines Glück mit Fernseher, Kühlschrank, Auto und Datscha.

Gescheitert sei das Land am Egoismus der Eliten in den Bundesstaaten, die sich bei der Privatisierung der Wirtschaft die Taschen füllten. Die Opfer des großen Abkassierens lenkten sie mit nationalistischer Hetze gegen die Nachbarn von den wirklichen Problemen ab. Das hat auch schon früher funktioniert.

Wohnen im KZ

1941 richtete die deutsche Gestapo in den ehemaligen Messehallen auf der Neu-Belgrader Seite Europas einziges Konzentrationslager in einer Gross-Stadt ein. Jüdische Häftlinge, politische Gefangene, Roma, Sinti und viele andere pferchten sie in die Gebäude. Von der Festung in der Altstadt aus sahen die Belgrader ihre eingesperrten und gequälten Angehörigen. Helfen konnten sie ihnen nicht.

Nach der Befreiung verwilderte das Gelände. Heute leben in den halb verfallenen Bauten Flüchtlinge, die in den 90er Jahren aus Bosnien und anderen Kriegsgebieten gekommen waren.

Die Tür zum damals als Sendeturm errichteten Philipsturm steht offen. Drinnen liegen kreuz und quer alte Sessel, Sofas, Berge von Müll, dazwischen vergilbte Zeitungen und Magazine. Künstler nutzten die Räume als Ateliers. Zuletzt hatten Obdachlose hier Unterschlupf gefunden.

In einem Café vor dem Goethe-Institut an der mondänen Fussgängerzone Knez Mihaila erzählt Selman Trtovač eine typische Belgrader Zuwanderer-Geschichte: Seine Mutter stammt aus Dalmatien, der Vater ist muslmischer Serbe. Als Selman 1970 im heute kroatischen Zadar zur Welt kam, interessierten sich wenige für solche Details. Man war Jugoslawe. Aufgewachsen in Belgrad studierte Selman in Düsseldorf Kunst bei Beuys-Nachfolger Klaus Rinke. Obwohl er in Deutschland sein Auskommen hatte, wagte er 2011 den Sprung ins Ungewisse. „Eine harte Entscheidung“, begleitet von „Zweifeln und Existenzangst“, die er nicht bereut. „Mich interessieren existenzielle Fragen, zerfallende Systeme und die Momente, in denen sich Werte neu sortieren“, sinniert der nachdenkliche Mann. So kehrte er nach Belgrad zurück, obwohl man „hier von Kunst nicht leben kann. Es gibt dafür keinen Markt.“
Selman mag „die Wärme der Leute, das Schnelle, Spontane, die Empathie - und den Schuss Chaos.Die Menschen hören zu und helfen“. Selman fand eine Stelle in der Universitätsbibliothek und dann beim Goethe-Institut, wo man ihm hinter dem Schaufenster Platz für eine kleine Galerie schuf. „70.000 Passanten kommen hier täglich vorbei“, freut sich der Künstler.

Nach dieser und vielen anderen Belgrader Erfolgsgeschichten fallen mir die Worte von Vanja aus dem IRIS wieder ein. Wie so viele strandete er mit seinen Eltern während des Krieges in den 90er Jahren in Belgrad. Aufgewachsen ist er in Bosniens Hauptstadt Sarajevo, bis das Leben in der belagerten Stadt unerträglich wurde.
Der Koch und Restaurantgründer nennt die serbische Metropole „eine Spielwiese, auf der man viel Neues entwickeln kann“. Wie er haben sich hier viele mit ausgefallenen Ideen ihren Platz erkämpft.

Hinweis: Die Recherche zu diesem Beitrag wurde unterstützt von der Nationalen Tourismusorganisation Serbiens NOTS

Info:

Serbien Tourist Info: www.serbien.travel
Belgrad Tourist Info am Flughafen und Kneza Mihaila 5(Haupt-Fussgängerzone), http://www.tob.rs/

Top Tip: Zahlreiche Insider-Tips und Einblicke in die Alltagskultur der Einheimischen bieten die jungen Macher von „Use it“ in mehr als 40 europäischen Städten, darunter Belgrad. Für Serbiens Hauptstadt habe sie einen kostenlosen Stadtplan mit zahlreichen praktischen Tipps und Adressen im Programm: https://use-it.travel

anschauen:

Sehenswürdigkeiten im Netz: belgrad-stadtbesichtigung.com/

Festung Kalemegdan:
weitläufige Burganlage aus dem 15. Jahrhundert mit Blick über Save, Donau, Alt- und Neustadt, beliebter Aussichtspunkt vor allem wenn nach Sonnenuntergang die Lichter der Stadt angehen, www.beograd.rs/index.php?lang=cir&kat=beoinfo&sub=301327%3f

Weltstadt-Flair in der Fussgängerzone Knez Mihailova mit lokalen Läden zwischen Filialen der internationalen Ketten in Bauten aus drei Jahrhunderten.

Zemun: Einst Grenzstadt der österreichisch-ungarischen Monarchie, heute ein Stadtteil Belgrads, in dem sich die Häuschen aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Schatten einer der ältesten Kirchen des Landes an den Berg ducken, am Wochenende ein überlaufenes Ausflugsziel mit vielen Restaurants und Bootstouren-Angeboten an der Donau.

Skardarlija:
Obwohl bei Touristen beliebt eine gemütliche Ausgehmeile mit uralten, typisch serbischen Lokalen wie dem Dva Jelena (Zwei Hirschen), in denen einheimische Bands alte serbische Lieder (zum mittanzen und mitsingen) spielen.

Savamala:
In den letzten Jahren haben in dem Viertel zwischen Innenstadt und der Save zahlreiche Designläden und ausgefallene Kneipen eröffnet. Nach und nach werden die teilweise heruntergekommenen Altbauten saniert. mal schauen, was danach von ihrem Flair übrig bleibt.

Sankt Sava-Kirche:
weltweit zweitgrößte orthodoxe Kirche im byzantinischen Stil und Dauerbaustelle, die mit Geld des russischen Gazprom-Konzerns 2019 fertig werden soll.

Hotel und Café Moskva:
An einem Boulevard in bester Innenstadtlage liegt das 1908 innen und aussen im Stil der Russischen Secession eröffnete Luxus-Hotel und Café Moskva. Die Einrichtung ist weitgehend original erhalten oder so behutsam renoviert, dass man alt und neu nicht unterscheiden kann. Das Hotel gehört als einziges in Serbien zu den Historic Hotels Worldwide, Balkanska 1, www.hotelmoskva.rs

Guiding Architects Architektur-Führungen von Experten https://360beograd.com

Museen:
Nikola Tesla Museum
Die UNESCO hat das Archiv mit den Erfindungen des Wissenschaftlers in das Welterbe „Gedächtnis der Menschheit“ aufgenommen. Das Museum zeigt die Lebensgeschichte des Elektrotechnik-Pioniers. Es zischt und knackt laut, wenn die Gäste (unter Anleitung) Neonlampen mit elektrischen Hoch-Spannung in der Luft zum Leuchten bringen, Krunska 51, http://nikolateslamuseum.org, Di. - So. 10 - 20 Uhr

Jugoslawien-Museum
Rund um Titos Grab haben Staat und Stadt das Gelände seiner ehemaligen Residenz zum Museum der Geschichte Jugoslawiens umgebaut. In original aus den 60er Jahren erhaltenen Bauten präsentieren sie die vielen Geschenke, die Tito aus aller Welt erhalten hat und die zahlreichen kunstvoll gestalteten Stafetten mit Wünschen und Grüßen, die ihm die „Jugend Jugoslawiens“ jedes Jahr zum Geburtstag brachte. Schautafeln erzählen die Geschichte Jugoslawiens von seiner Gründung nach dem 1. Weltkrieg bis zum Ende in den 90er Jahren. Boticeva 6 (ca. 5 km südlich der Innenstadt, erreichbar mit Buslinie 40 und 41) http://mij.rs/en.html

Baden und Chillen
Seit der Kosovo weg ist hat Serbien kein Meer mehr. Strände gibt es trotzdem, zum Beispiel am künstlich angelegten Ada-See. In den langen, heißen Sommern trifft sich hier die halbe Stadt zum Abkühlen. Füße ins Wasser, Cocktail an einer der zahlreichen Strandbars in der Hand. Ein weiterer Strand, der Lido, findet sich auf der - heute ganz friedlichen- „Großen Kriegsinsel“. Mitten in der Stadt sagen sich hier Wald und Vögel „Gute Nacht“. Ein paar Kilometer die Save hoch liegen an die 300 Hausboote. Die Leute wohnen in Ruhe auf dem Wasser. Die Liegeplätze sind knapp und begehrt.

Velo-Touren und -Vermietung, Braće Krsmanović 5
www.ibikebelgrad.com

Yugotours: Die Geschichte des Landes präsentiert Yugotours auf Stadtrundfahrten mit alten jugoslawischen Autos aus den 70er Jahren. Es geht u.a. zu den Repräsentationsbauten Jugoslawiens und in die Wohngebiete des Stadtteils Neu-Belgrad, der mit rund 450.000 Einwohnern wahrscheinlich größten Plattenbausiedlung Europas, erbaut von Anfang der 50er bis Mitte der 80er Jahre, Braće Krsmanović 5, http://yugotour.com/

Streetart-Touren: http://streetartwalksbelgrade.com/

Essen, Trinken, Feiern:
Nach Jahren des Stillstands ist Belgrad zur Gründerstadt geworden. Überall eröffnen neue Bars, Clubs, Restaurants und Kneipen. Junge Leute richten ihre neuen Läden oft in für Außenstehende kaum auffindbaren Wohnungen ein:
Angesagt ist die neue Balkanküche New Balkan Cuisine: Wieder entdeckte regionale Spezialitäten modern und leicht aufbereitet:

Ambar Restaurant, Karadordeva 2-4, www.ambarrestaurant.com/home-page-belgrade,
Ganz auf vegane Küche setzt das Radost House ebenfalls in einer kaum veränderten alten Wohnung mit Biergarten, Pariska 3, https://www.facebook.com/RadostFinaKuhinjica

In einer mit rohen Holzmöbeln vor bewusst weiss gelassenen Wänden gestalteten Wohnung serviert das IRIS neue Balkanküche. Gründer Vanja Puskar (31) fährt selbst über die Dörfer, um alte Frauen nach ihren Rezepten zu fragen und zu den Kleinbauern, die ihm direkt frisches Gemüse, Obst, Fleisch und mehr liefern, Sarajevska 54, http://newbalkancuisine.com/en/

Stylisch in elementarem Ambiente in einer Altbauwohnung mit idyllischem Garten hinter dem Haus bietet das Radost vegetarische und vegane Gerichte aus regionalen Zutaten, Radost Fina Kuhinjica, Pariska 3, facebook.com/RadostFinaKuhinjica

Auch traditionelle Kafánas, eine Mischung aus Kaffeehaus, Restaurant und Kneipe sind wieder gefragt, zum Beispiel das Teatroteka mit seinem Biergarten unter alten Bäumen in einem Hinterhof, Gospodar Jevremova 19, http://teatroteka.rs

Eine der ältesten Belgrader Kafanas findet sich gegenüber der Hauptkirche in der Altstadt, die gerade komplett renoviert wird. Nachteil: Weil so viele Touristen kommen ist die original von 1825 erhaltene, denkmalgeschützte Stube oft voll. Das traditionelle serbische Essen ist nicht billig. ? (So heisst das Lokal), Kralja Petra 6, als Kafana Question Mark auf Tripadvisor

Unter der 1935 erbauten Branko-Brücke liegt in einem uralt-Bau im noch sehr ursprünglichen Stadtteil Savamala das Kulturzentrum KCGrad. In einem fabrikhallenartigen Raum mit Theke arbeiten junge Leute an Laptops. Im ersten Stock bietet das Grad Konzerte, Theateraufführungen und Diskussionsveranstaltungen. Auch politische Gruppen treffen sich dort. Unter bunten Lampen kann man im Innenhof draußen sitzen, Braće Krsmanović 4, http://www.gradbeograd.eu

Kulturzentrum Dorćol Platz: Kneipen, Ausstellungen, Konzerte, Theater und mehr, Dobračina 59b, http://dorcolplatz.rs/

Chillton: In einer Seitenstraße des sonst eher ruhigen und teureren Wohnviertels Vracar haben ein paar junge Leute ihr Hostel mit einem gemütlichen Club ergänzt: In den Zimmern einer ehemaligen Wohnung sitzen die Gäste auf alten Sofas und Stühlen. Die Holztüren und die pastellfarben gestrichenen Wände tauchen die Wohnung ins Ambiente einer Berliner WG der frühen 80er Jahre. An der Bar gibt es günstige Getränke, in einem Raum einen Billiardtisch, Katanićeva 7

Magazin für Nachtleben, Kultur und Feiern www.beogradnocu.com/en/ und https://belgradeatnight.com/

Shoppen:
In die Läden eines pleite gegangenen Einkaufszentrum aus den 70er Jahren sind zahlreiche junge Belgrader Designer gezogen: Sie verkaufen hier Schmuck, ausgefallene Mode, Deko und mehr.
http://belgradedesigndistrict.blogspot.de/

Lesen:
Online-Magazin für Nachleben, Design, Clubbing, Essen, Trinken, Musik, Kultur, Street Art, thematische Stadtführungen und mehr http://stillinbelgrade.com/

Online-Stadtführer: http://belgrademyway.com/
Apartments in Belgrad und Stadt-Infos: https://www.city-break.rs/en/

Geld:
Bezahlt wird mit serbischen Dinar (RSD). Für einen Euro bekommt man etwas mehr als 100 RSD. Wechselstuben haben normalerweise einen besseren Kurs als Banken. Geldautomaten spucken auch RSD aus. Man sollte aber die Summe in RSD und nicht in anderen Währungen eingeben, sonst wird es teuer. Das Leben in Serbien ist deutlich günstiger als in Mitteleuropa. Ein Kaffee in einer normalen Kneipe kostet höchstens einen Euro (oft weniger). Gut, reichlich und lecker essen kann man schon für umgerechnet 5 Euro. Lokale in der Innenstadt und in Touristengegenden sind etwas teurer.

Verkehr:
Belgrad ist chronisch verstopft, Busse und Trams vor allem zu Stosszeiten brechend voll. Fahrkarten gibt es nicht mehr. Stattdessen kauft man an einem Kiosk (gibt es in der Innenstadt an jeder Ecke) eine Plastikkarte und lässt sie aufladen. Eine Tram- oder Busfahrt kostet 89 RSD. Die Karte hält man zum bezahlen an das gelbe Lesegerät im Fahrzeug. Viele Waggons stammen aus den 70er und 80er Jahren.

Taxis sind relativ günstig (nachts knapp 1 EUR / km), aber viele fahren illegal und zocken Touristen ab. Sicher ist, wer ein offiziell registriertes Taxi ruft oder auf der Strasse anhält und darauf achtet, dass das Taxameter mitläuft. Es startet immer bei 170 RSD. In der Ankunftshalle des Flughafens kauft man am besten einen offiziellen Taxi-Gutschein und zahlt damit die Fahrt in die Stadt oder man nimmt den Bus (Linie A1, ca. 1 Stunde oder Stadtbus 72, noch langsamer, aber billiger).

Telefonieren:
Wie überall haben die meisten (jungen) Serben ständig ihr Handy am Ohr oder vor der Nase. Sim-Karten gibt es an den Kiosken und in den zahlreichen Handy-Läden ab 300 RSD. Günstig (Stand Okt. 2017): 7-Tage mit 4GB Internet und 50 Frei-Minuten in alle Netze von VIP für nochmal 300 RSD.

Film:
In den 70er Jahren baute Jugoslawien eine eigene Filmindustrie auf. Man lockte westliche Filmproduktionen ins Land, um Devisen einzunehmen und nutzte das Know How für die Produktion zahlreicher eigener Streifen. Ähnlich der Cinecittá in Rom entstand eine Filmstadt außerhalb von Belgrad. Filmfans kommen in der Kinoteka, einem der bestsortierten Filmarchive auf ihre Kosten. Dort laufen Kinofilme aus jugoslawischer und ausländischer Produktion (im Original mit serbischen Untertiteln) zu unschlagbaren Eintrittspreisen, Jugoslavenska Kinoteka und Museum, Kosovska 11, http://www.kinoteka.org.rs