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Der ewige Silvio kämpft weiter

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Silvio Berlusconi gibt nicht auf. Laut Medienberichten könnte der „Cavaliere“ in Estland kandidieren, um seine Immunität zu retten.

Silvio Berlusconi tut alles dafür, um seine Karriere zu retten. Sogar eine Kandidatur in Estland ist eine Option. Doch was macht das Phänomen Berlusconi eigentlich aus? Ein Erklärungsansatz - von Mafia bis Staubsaugern.

Ein rechtskräftig verurteilter Straftäter wird per Votum aus dem Senat ausgeschlossen. Das wäre für jeden Politiker das Aus - für jeden, außer Silvio Berlusconi. Der 76-Jährige wurde von der italienischen Senatskommission für Immunitätsfragen aus der Politik verbannt. Den "Cavaliere" lässt das kalt. "Ich werde immer an eurer Seite sein", verkündete Berlusconi per Videobotschaft. Und er könnte tatsächlich recht haben: Erst Mitte Oktober fällt das Senatsplenum den endgültigen Beschluss, ob der Mailänder sein Mandat abgeben muss. Und was macht Berlusconi selbst? Er überlegt nach Angaben italienischer Medien, als EU-Parlamentarier in Estland zu kandidieren, um sich so Immunität zu sichern.

Die Staubsaugervertreter-Theorie


Noch erstaunlicher als Berlusconis eiserner Wille ist seine anhaltende Beliebtheit in der Bevölkerung. "Er ist der Einzige, der Italien aus der Krise führen kann", sagt etwa Antonio. Der Kioskbesitzer aus Neapel meint das ernst. Berlusconi habe sich von ganz unten nach ganz oben gearbeitet. Dass er immer wieder vor Gericht stehe, liege nur am "linken Justizapparat". So wie Antonio denken viele Italiener. Und zumindest in Sachen Werdegang haben sie recht: Berlusconi hat tatsächlich aus dem Nichts ein Multimilliarden-Imperium aufgebaut. Seine ersten Gehaltszettel erarbeitete er sich noch als Staubsaugervertreter und Animateur. Vom Vertreter zum Milliardär - für viele Italiener ist das heute noch ein vorgelebter Traum.

An diese "Vorbildfunktion" glaubt Berlusconi steif und fest. Er vergleicht sich mit Superman, Napoleon und sogar Gott. Skandale wie die Affäre mit der minderjährigen Schülerin Noemi Letizia oder seine "Bunga Bunga"-Partys mit dem marokkanischen Partygirl Ruby seien da nur Randerscheinungen. Und selbst diplomatische Ausrutscher wie der Kommentar, US-Präsident Barack Obama sei "hübsch braun gebrannt", lassen seine Anhänger kalt.

20.000 Angestellte und noch mehr Fußball-Fans

Seine gesellschaftliche Macht ist ein weiterer Grund für Berlusconis Popularität. "Für ihn arbeiten 20.000 Menschen. Dazu kommen die Fans des AC Mailand (Berlusconi ist Präsident des Traditionsvereins, Anm.). Sie alle wählen ihren Silvio", erzählt Giuliana Gugliotti. Wenn es nach der neapolitanischen Journalistin geht, könnte der Hauptgrund für Berlusconis jüngste Wahlerfolge aber ein anderer sein: "Ich kann es nicht belegen. Ich bin mir aber sicher, dass sich Berlusconi Stimmen über seine Mafiakontakte erkauft hat." Für die Theorie spricht, dass der 76-Jährige bei den vergangenen Parlamentswahlen vor allem in Sizilien unerwartet stark abgeschnitten hat.

Die Organisiere Kriminalität soll bereits maßgeblich zu Berlusconis wirtschaftlichem Aufstieg beigetragen haben. Die lombardische Mafia hat laut Kritikern sein Imperium anfangs finanziert. Und als eine aufkommende Mittelinks-Strömung Italiens altbekanntes Vetternwirtschaftssystem 1993 zerschlagen wollte, kam Berlusconi überhaupt erst auf die Idee, in die Politik einzusteigen. Zuvor war er aber schon mal Teil der "Propaganda Due", einer rechtsgerichteten Organisation, der unter etwa der frühere Hitler-Kollaborateur Licio Gelli angehörte.

Berlusconi: "Mit mir kann sich keiner vergleichen"

Die Mischung macht's - wohl auch bei Berlusconi. Das meint zumindest Giuseppe Carioti. Der Neapolitaner arbeitete mehr als 30 Jahre lang an der hiesigen Universität. "Seine Wirtschaftsmacht, seine Verbindungen zur Mafia und seine durch und durch italienische Art. Das macht Berlusconi aus." Berlusconi selbst formuliert das freilich anders: "Mit mir kann sich keiner vergleichen - nicht in Europa und nicht in der Welt." Zumindest in diesem Punkt muss man ihm wohl auch außerhalb Italiens recht geben.

Ralf Hillebrand berichtet im Rahmen von eurotours 2013 aus Neapel. eurotours ist ein Projekt der Europapartnerschaft, finanziert aus Gemeinschaftsmitteln der Europäischen Union.

Dieser Artikel ist ebenso in der Printausgabe der "Salzburger Nachrichten" erschienen.

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