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Kommentar zum „Nuit-Debout"-Aktionstag: Nicht nur neidisch nach Paris schielen

Nuitdebout reuters 16052016

Foto: reuters

Die französische Protestbewegung wollte weltweit expandieren. In Deutschland kam kaum jemand. Woran scheitert „Nuit Debout"?


Ende März kamen in Paris zum ersten Mal junge Menschen zusammen, um gegen die geplante Änderung des Arbeitsrechts zu demonstrieren, und blieben über Nacht auf der Place de la République. Auch in den folgenden Nächten kamen sie wieder, wurden immer mehr - und besprachen ihre politische Ideen. Was seinen Anfang unter dem Namen „Nuit Debout" in Paris nahm, findet mittlerweile in allen größeren französischen Städten statt. Inzwischen wird die neue soziale Bewegung in ganz Europa interessiert beobachtet.

„Nuit Debout" erinnert an die euphorischen Anfangsmomente anderer jüngerer Protestbewegungen nach der letzten Finanzkrise wie Occupy Wall Street in New York, die Demonstrationen und Zelte auf dem Syntagmaplatz in Athen, die Gentrifizierungsgegner auf dem Rothschild Boulevard in Tel Aviv oder die Proteste auf dem Taksim Platz in Istanbul. Inhaltlich finden sich bei „Nuit Debout" Parallelen zum spanischen Movimiento 15-M, den sogenannten „Empörten", aus der mittlerweile die Partei Podemos hervorgegangen ist.

Am Pfingstsonntag sollte die Bewegung offiziell exportiert werden. Im Rahmen der„Global Nuit Debout" fanden in einigen europäischen Städten Versammlungen nach dem Pariser Vorbild statt. Dort sollte der Grundstein für eine europäische Vernetzung gelegt werden.

In Berlin hatte man sich den geschichtsträchtigen Mariannenplatz in Kreuzberg ausgesucht. Es kamen jedoch nur etwa 200 Menschen zusammen, darunter viele Exil-Franzosen. Allein am schlechten Wetter kann es nicht gelegen haben, in Paris scheint schließlich auch nicht immer die Sonne. Weshalb also können sich hierzulande offenbar so wenige Menschen für den Protest begeistern?


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