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Interview: Den Statusverlust abwehren

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Interview Zwei Sozialwissenschaftlerinnen erklären, was passiert, wenn die Frau zur Ernährerin der Familie wird


der Freitag: Frau Koppetsch, Frau Speck, Sie haben in Ihrer Studie untersucht, wie Beziehungsdynamiken sich verändern, wenn die Frau zur Familienernährerin wird. Warum ist das gerade jetzt interessant?


Cornelia Koppetsch: Es wird behauptet, dass wir aktuell eine Prekarisierung der Arbeitswelt erleben. Das stimmt aber nicht. Was wir heute unter Prekarisierung der männlichen Erwerbsarbeit verstehen, war für Frauen schon immer das normale Erwerbsmodell. Frauen arbeiten schon immer vermehrt in Teilzeitbeschäftigungen und ungesicherten Arbeitsverhältnissen. Wir wollten untersuchen, was passiert, wenn sich da das Geschlechterverhältnis umkehrt.


Wieso bietet sich die Milieuforschung für so eine Studie an?


Sarah Speck: Arbeit und Geschlecht werden in verschiedenen Milieus unterschiedlich gedeutet. Sinnkrisen fallen daher unterschiedlich stark aus, wenn die Arbeit wegfällt oder prekär wird.


Koppetsch: Im individualistischen Milieu gilt das Leben in Projekten zum Beispiel als erstrebenswert, während die Paare aus dem traditionellen Milieu ein Normalarbeitsverhältnis des Mannes anstreben. Die bewerten daher so eine Situation auch sehr unterschiedlich.


In der öffentlichen Wahrnehmung dominiert die Vorstellung, das individualistische Milieu wäre am ehesten in der Lage, eine gleichberechtigte Partnerschaft zu führen. Sie weisen nach, dass das gar nicht stimmt.


Speck: Diese Paare verwenden viel Energie darauf, so zu tun, als ob sie gleichberechtigt seien. Es wird gemeinsam kaschiert, dass die Frau mehr Geld verdient - und trotzdem mehr Sorgearbeit leistet als der Mann. Beide sind oft damit beschäftigt, seine Männlichkeit nicht zu beschädigen.


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