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Instagram-Foodporn war gestern: Beim Meokbang mästen sich Youtuber gegen Geld

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Screenshot: TV Diva | Youtube

Gegen Mitternacht schaltet BJUmmma die Kamera an. Auf seinem Tisch liegen zwölf Burger mit Pommes, fünf tiefe Teller scharfe Nudeln, oder drei Tabletts mit eingelegtem Fleisch mit Reis und Gemüse. Die Portionen, die im Durchschnitt für mindestens drei oder vier Personen reichen würden, verschlingt der trainierte Teenager alleine innerhalb von etwa einer dreiviertel Stunde. Restlos. Dabei schmatzt er, steht manchmal auf, um zu tanzen, hauptsächlich aber haut er so richtig rein. Manchmal fällt Salat aus einem Burger oder Soße läuft sein Kinn herunter, was er dann kurz kommentiert.

Für seine Festessen zieht sich der südkoreanische Youtuber schick an. Er isst zwar ohne Gesellschaft, doch online schauen dem sogenannten Broadcast Jockey (BJ) jedes Mal mehrere zehntausend Menschen dabei zu. Sein Burger-Video vom 11. November haben allein auf Youtube, wo er es nach der Live-Sendung hochlädt, bereits über 25.000 Leute angesehen.

Die Live-Zuschauer unterhalten sich mit ihm über ein Chatprogramm, über das er Fragen beantwortet oder Tipps zu Beziehungsproblemen gibt. Oft unterstützen die Zuschauer das Gelage mit kleinen „Geldballons", Geschenken in Form einer Online-Währung, die der Youtuber später in Bargeld eintauschen kann.

Meokbang, kurz für „Essens-Streaming", ist in Südkorea seit 2013 ein riesiger Trend. Mittlerweile gibt es viele Broadcasting Jockeys, die sich über den beliebten P2P-Streaming-Service AfreecaTV beim ausladenden Abendessen beobachten lassen und ihren gesamten Lebensunterhalt mit den Broadcasts verdienen. Ihr Erfolg lässt sich nicht an einem einzigen Faktor festmachen. Einige essen besonders genießerisch, andere schlecken besonders ordentlich auch die letzten Reste vom Teller. Ein BJ isst, so schnell er kann und schlägt sich, bevor er zu essen beginnt – es wirkt, als würde er sich sogleich einem Boxkampf stellen. Wieder andere antworten direkt und lustig auf die Fragen, die ihnen über das Chatprogramm gestellt werden oder gelten als besonders niedlich.

In einem Land, in dem gemeinsames Essen stark wertgeschätzt wird, in dem aber über 12 Millionen Menschen alleine leben, scheint Meokbang eine Möglichkeit zu sein, beim Essen mit anderen in Kontakt zu treten, statt sich die Nudeln alleine vor dem PC reinzuziehen.

Das genussvolle Hineinstopfen von vor Soße triefenden und fettigen Speisen, das honorierende Seufzen und Schmatzen ist aber sicher auch eine moderne Form des wörtlich genommenen Foodporns und bedient bestimmte Essens-Fetische. Die Broadcasting Jockeys selbst bemühen aber weniger den Voyeurismus, wenn sie erklären, warum ihre Shows so beliebt sind. Eine der bekanntesten Esserinnen, „TheDiva", erklärt gegnüber CNN: „Viele meiner Zuschauer sind auf Diät und erfahren durch mein Essen eine Art Ersatzbefriedigung." Doch auch Magersüchtige hätte sie mit ihrer Show schon geheilt, weil sie ihnen gezeigt hätte, wie schön es sein könne, zu essen, so die 34-Jährige.

Auch wenn das Meokbang in Deutschland zunächst eher mit Skepsis betrachtet wurde, fangen nun auch außerhalb Südkoreas Menschen mit dem Streamen ihrer Fressorgien an. Auch die mittlerweile in Südkorea wohnhafte Schweizerin Isabelle Palermo aka Venus Angelic, die sich auch als „menschliche Barbie" bezeichnet, macht neuerdings beim Meokbang mit und verdrückt Portionen bis zu drei Kilo. „Manchmal übe ich das Essen vor dem Spiegel", sagte sie gegenüber Blick am Abend.

Das genussvolle Essen vor der Kamera hat in Südkorea schon Tradition: Bevor die Meokbang-Reihen an Popularität gewannen, wurde der Schauspieler Jung Woo Ha gefeiert, der in Filmen besonders ansprechend und wohlklingend Nahrung zu sich nimmt. Seine Portionen waren jedoch stets etwas dezenter als die Teller der berühmten BJs.

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