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Néstor Pitana - der Schauspieler im WM-Finale

Der Argentinier Néstor Pitana pfeift das Finale der FIFA-WM 2018

Néstor Pitana ist eine imposante Erscheinung, nicht nur wegen seiner Respekt einflößenden 1,93 Meter Körpergröße. Der 43 Jahre alte Sportlehrer mit dem lichten Haupthaar wird im Internet für seine ausladende Gestik und ausdrucksstarke Mimik gefeiert. Seine Fans werden ihm am Sonntag im WM-Finale zwischen Frankreich und Kroatien zum fünften Mal bei diesem Turnier zusehen können. Assistiert wird er von seinen Landsleuten Hernan Maidana und Juan Belatti. Vierter Offizieller ist der Niederländer Björn Kuipers - der selbst als möglicher Final-Referee gehandelt wurde.


Dass sich so viele an ihn erinnern, dürfte Pitana wurmen. Denn seiner eigenen Definition nach hätte er dann keinen guten Job gemacht: "Aus Sicht des Schiedsrichters ist es am besten, wenn man nach dem Spiel gar nicht mehr weiß, wer gepfiffen hat. Das ist für uns das größte Kompliment." Das sah Pierluigi Collina, Vorsitzender der FIFA-Schiedsrichter-Kommission, offensichtlich anders, als er ihn für das WM-Finale nominierte. Collina hatte Pitana bereits für das Eröffnungsspiel angesetzt. "Der Referee wird im Blickpunkt stehen. Deshalb braucht es jemand mit Erfahrung", begründete er seine Entscheidung damals.


Für Pitana gehe ein Traum in Erfüllung. Dennoch nahm er diese Auszeichnung augenscheinlich relativ gelassen hin. Er fühle "Glück, Verantwortung, Stolz. Es ist das Ergebnis all der Opfer, die wir gebracht haben", sagte Pitana im FIFA-Interview. Auch als Schiedsrichter sei Fußball vor allem Teamsport: "Ich bin zwar das Gesicht, das alle heute sehen, aber es waren alle meine Freunde und Kollegen, die das möglich gemacht haben."


Pitana kennt beide Teams

Pitana war schon bei der WM 2014 dabei und leitete damals vier Spiele, unter anderem das Viertelfinale zwischen Deutschland und Frankreich. Doch die 0:1-Niederlage von damals ist nicht der einzige Grund, warum sich die Franzosen nicht gerne an den Schiedsrichter aus der nordargentinischen Stadt Corpus erinnern. Bei dieser WM hat Pitana die Franzosen bereits im Viertelfinale gegen Uruguay gepfiffen. Der Argentinier ließ beiden Mannschaften viel durchgehen und hatte anschließend alle Hände voll zu tun, die Spieler im Zaum zu halten.


Insbesondere Kilian Mbappé war von Pitanas kommunikativer Art genervt: "Während des gesamten Spiels hat er auf mich eingeredet", sagte der 19-jährige PSG-Stürmer der Zeitung "Le Figaro". "Hör auf, dies zu machen. Hör auf, das zu machen. Ich glaube, der hat irgendwas gegen mich." Grund des Disputs: Pitana ist zwar Hobby-Schauspieler und hat 1997 sogar in dem argentinischen Gefängnis-Drama "La Furia" einen Wärter gespielt, auf dem Fußball-Platz haben Schauspiel-Einlagen seiner Meinung nach jedoch nichts verloren.

Auch die Kroaten hat Pitana bei dieser WM bereits gepfiffen: im Viertelfinale gegen Dänemark. Er wirkte souverän und kam in 120 Minuten mit einer einzigen Gelben Karte aus. Die zeigte er Matthias Jörgensen, der Ante Rébic in der 116. Minute als letzter Mann gefoult hatte. Auch dabei lag er richtig, da "Notbremsen" seit der EM 2016 nicht mehr automatisch mit einer Roten Karte bestraft werden, wenn der Foulende eine realistische Chance hatte, den Ball zu spielen, und es ohnehin Elfmeter gibt - Stichwort: Dreifachbestrafung.


Keine gutes Omen für Frankreich

Pitana, der dem Mexikaner Jesus Gallardo bei der 0:3-Vorrunden-Niederlage gegen Schweden nach nur 15 Sekunden die schnellste Gelbe Karte der WM-Geschichte gezeigt hatte, ist übrigens erst der zweite Schiedsrichter, der sowohl das Eröffnungsspiel als auch das Finale pfeifen darf; der erste war der Argentinier Horacio Elizondo bei der FIFA-WM 2006. Die Franzosen werden alles daran setzen, dass es bei dieser historischen Parallele bleibt. Denn damals verlor Frankreich im WM-Finale erst Zinédine Zidane nach einem Kopfstoß gegen Marco Materazzi und anschließend das Spiel gegen gegen Italien.

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