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Simbabwes Diktator will Präsident Obama "heiraten"

Legalisierung in USA kritisiertHochburg der Homophobie


Kurioses: Robert Mugabe über Homo-Ehe in USA sauer

Harare/washington

Freitag, 03.07.2015 - 00:00 Uhr

"Ich bin zu dem Ent­schluss ge­kom­men, nach Was­hing­ton D.C. zu rei­sen, auf mei­ne Knie zu fal­len und um Oba­mas Hand an­zu­hal­ten, falls es denn un­be­dingt nö­t­ig ist." Nor­ma­ler­wei­se ist Robert Mu­ga­be eher für sei­ne Feu­er­re­den be­kannt, die Op­po­si­ti­on und Ak­ti­vis­ten schau­dern las­sen. Mit sei­nem Zy­nis­mus hat Sim­b­ab­wes Dik­ta­tor nun vie­le in dem süd­a­fri­ka­ni­schen Land über­rascht. Weil US-Präsident Barack Obama "Homosexualität befürwortet und dabei ein attraktives Ansehen genießt", erwäge er, diesem einen Antrag zu machen, sagte Mugabe begleitet von Gelächter im staatlichen Radiosender. Tatsächlich steckt hinter seinem Sarkasmus bittere Realität: In der Vergangenheit schickte der Langzeitregent Schwule und Lesben "in die Hölle".

Mugabes Ankündigung folgt dem Urteil des US-Höchstgerichts, das letzte Woche in allen Bundesstaaten die Homoehe legalisierte. Er verurteilte den Schritt zutiefst. "Ich verstehe nicht, wie diese Menschen es wagen können, sich der klaren Ordnung von Christus zu widersetzen. Unser Gott hat der Menschheit Unzucht verboten." Wie die Tageszeitung "New Zimbabwe" berichtet, schiebt Mugabe die Verantwortung für den Gerichtsentscheid Obamas Kabinett zu. Demnach sei die aktuelle US-Regierung von "verdrehten Teufelsanbetern" infiltriert und spotte der "großamerikanischen Nation". In Simbabwe steht Homosexualität unter Strafe. Als Tabu gilt es nicht nur, das gleiche Geschlecht zu lieben, sondern auch nur über gleichgeschlechtliche Partnerschaften zu sprechen.

Mugabe ist derzeit das älteste Staatsoberhaupt der Welt und regiert Simbabwe seit der Unabhängigkeit 1980 - zunächst als Premierminister und später als Präsident. Mit dem Homoverbot ist Simbabwe am Kontinent nicht allein. In mindestens 32 von Afrikas 54 Staaten stehen gleichgeschlechtliche Partnerschaften unter Strafe. In Uganda diskutierte das Parlament jüngst, die Todesstrafe für Homosexuelle einzuführen. Die ostafrikanische Nation gilt als Hochburg der Homophobie. Seit 2009 wurde eine Entscheidung über den "Anti Homosexuality Bill" regelmäßig vertagt, da das Regime um Präsident Yoweri Museveni fürchtete, wichtige Hilfsgelder zu verlieren. Letztes Jahr trat das Gesetz in Kraft, statt der Todesstrafe droht Homosexuellen jetzt lebenslange Haft.

Die Legalisierung der Homoehe in den USA stieß in Afrika größtenteils auf Kritik. Verfechter der Homosexuellen-Rechte setzen ihre Hoffnung auf US-Präsident Obama, der Ende Juli nach Kenia und Äthiopien reist. Zwar droht gleichgeschlechtlichen Paaren hier keine strafrechtliche Verfolgung wie in Simbabwe, doch ihre Rechte sind auch in diesen konservativen Gesellschaften stark eingeschränkt. Als liberalstes Land am Kontinent gilt Südafrika.

Markus Schönherr
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