1 subscription and 2 subscribers
Article

Ausstellung - Karikaturen über den Irrsinn des Kriegs in Syrien

Hussam Sara zeigt seine Karikaturen in der Bundeszentrale für politische Bildung.

Auf die Frage, warum er sich als junger Mann für den Beruf des Karikaturisten entschieden habe, zuckt Hussam Sara zunächst mit den Schultern.

"Das kann ich nicht erklären, das ist etwas Natürliches. Das habe ich nicht geplant", sagt er nach einer kurzen Pause. Auf die Atmosphäre in seinem Land habe er reagieren müssen, er habe da nicht neutral bleiben können, so der Syrer. Seit 2014 lebt er in der Nähe von Frankfurt. Einige seiner Werke sind noch bis Mitte Februar in der Bundeszentrale für politische Bildung (bpb) in Bonn ausgestellt.

Sara wurde 1973 in Syrien geboren, studierte am Adham Ismail Institut für Bildende Kunst in Damaskus und zeichnete im Anschluss viele Jahre für syrische und arabische Tageszeitungen. 2002 wird er inhaftiert, geht dann nach Bahrain und flieht, nachdem er für seine Arbeit beim unabhängigen Blatt Al-Waqt bedroht und angegriffen worden ist, über die Türkei nach Deutschland. Für ein im Juli erschienenes bpb-Magazin mit dem Schwerpunkt Flucht und Asyl konnte Sara bereits als Illustrator gewonnen werden. "Uns kam dann die Idee, eine ganze Ausstellung mit seinen Bildern zu gestalten", sagte Daniel Kraft, Leiter der Stabsstelle Kommunikation, bei der Vernissage.

Saras Karikaturen bezeichnete er als "den Blickwinkel der Betroffenen. Es sind Bilder, bei deren Anblick einem das Lachen im Hals stecken bleibt und die verdeutlichen, dass der Krieg immer die Falschen trifft". Kraft zitierte den polnischen Journalisten und Satiriker Gabriel Laub: "Es gibt gute politische, soziologische und psychologische Bücher, die auf 600 Seiten fast so viel sagen wie ein Witz." Das treffe auch auf Karikaturen zu, "die eine Spielart dieser Gattung sind".

Gleich drei Premieren wurden bei der Vernissage gefeiert: Die Eröffnung der ersten Ausstellung im neuen Medienzentrum der bpb, Hussam Saras erste Präsentation seiner Werke in Deutschland und das erste Mal Live-Musik in den Räumen an der Adenauerallee 86. Der 26-jährige Khater Dawa spielte auf einer Oud mehrere selbst geschriebene Stücke über die dramatischen Veränderungen in der arabischen Welt. Der Deutsche-Welle-Journalist Abbas al-Kashali gab eine Einschätzung zur aktuellen politischen Situation in Syrien.

Drei auf Staffeleien gestellte Karikaturen unterstrichen seine Worte. Iran und Russland in Besitz eines Videospiel-Controllers, der einen mit einer Fassbombe bewaffneten Assad lenkt. Mutter, Vater und Tochter, die sich zwar aus dem Land retten können, aber dort ihre Herzen hinterlassen. Und eine Zivilistin am Marterpfahl, getroffen von den spitzen Pfeilen derjenigen Mächte, die den IS zu bekämpfen versuchen. Der kleine Terrorist auf ihrem Kopf bleibt jedoch unversehrt. Sara bedankte sich sichtlich bewegt für die Gelegenheit, seine Botschaft ausdrücken zu dürfen und dafür, "dass Sie die Türen aufgemacht haben, für uns und unsere Kinder".

Die Ausstellung ist montags bis freitags von 9 bis 18 Uhr, zwischen den Feiertagen (28. bis 30. Dezember) von 9 bis 16 Uhr in der Bundeszentrale für politische Bildung, Adenauerallee 86, zu sehen. Der Eintritt ist frei. (Leonie Gubela)

Original