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Ein teures Abenteuer

Nicht Hogwarts, nicht Harry Potter - sondern Eton College und normale Schüler. Ein Jahr im Ausland kostet schnell mehrere Tausend Euro. (Foto: Christopher Furlong/Getty Images)

Einmal den Schulalltag im Ausland erleben - davon träumen viele Schüler. Doch ein Auslandsjahr kostet viel Geld und nicht jede Organisation ist vertrauenswürdig. Worauf bei Finanzierung und Bewerbung geachtet werden sollte.

Es ist der Traum Tausender Schüler: Ein Jahr im Ausland zu verbringen. Doch der anfänglichen Begeisterung folgt schnell die Ernüchterung. Denn ein Blick in den Fachkatalog wirkt wie eine kalte Dusche: Ein Jahr an einer High School in den USA, Australien oder in einem anderen Land kostet schnell mehr als 10 000 Euro. Nicht jede Familie kann sich das leisten. Umso wichtiger ist es, schon früh mit der finanziellen Planung zu beginnen und nicht vor den schieren Zahlen zurückzuschrecken. Denn auf den zweiten Blick haben die Eltern unterschiedliche Möglichkeiten, die immensen Kosten zu stemmen - und dem Kind eine Erfahrung fürs Leben zu ermöglichen.

Stipendien

Eine dieser Möglichkeiten sind Stipendien. Das Angebot ist breit gefächert: Manche Organisationen bieten eine Teilfinanzierung von oft mehreren Tausend Euro an, andere übernehmen sogar die gesamten Programmkosten. Chancen auf ein Stipendium haben nicht etwa nur Schüler, die gute Schulnoten haben und sich ehrenamtlich engagieren, sagt Claus Kunze vom Deutschen Fachverband High School e. V. (DFH). Auch die finanzielle Situation der Familien spiele eine große Rolle.

"Viele Stipendien haben das Ziel, Schüler aus Familien zu unterstützen, die sich eine solche Erfahrung sonst nicht leisten könnten", sagt er. Dennoch: die Konkurrenz ist groß. Mehr als 15 000 Schüler gehen Jahr für Jahr an eine Schule im Ausland. Allein bei den zwölf Stipendien, die der DFH vergibt, bewerben sich pro Jahr etwa 1400 Schüler. Kunze ermutigt trotzdem jeden, sich zu bewerben - "je früher, desto besser", empfiehlt er. Eine Übersicht bietet die Internetdatenbank Stipendienlotse.de vom Bildungsministerium. Hier werden alle deutschen Stipendien von seriösen Organisationen gelistet.

Auslands-Bafög

Unabhängig davon, ob man eines der privaten Stipendien ergattern konnte oder nicht, bleibt jedem noch die Möglichkeit, Auslands-Bafög zu beantragen. Wie hoch die staatliche Unterstützung ausfällt, hängt wie bei der herkömmlichen Bafög-Förderung zum größten Teil von dem Einkommen der Eltern ab. Das Besondere: Das Auslands-Bafög muss nicht zurückgezahlt werden. Bis zu 500 Euro können Jugendliche monatlich erhalten. Hinzu kommt für alle Bafög-Berechtigten eine einmalige Pauschale von 500 Euro für einen Aufenthalt innerhalb und 1000 Euro außerhalb Europas.

Wichtig ist, dass der Antrag mindestens ein halbes Jahr vor Abreise gestellt wird. Je nach Zielland müssen die Eltern den Antrag bei verschiedenen Bafög-Stellen einreichen, die in den meisten Fällen an den Studentenwerken der Universitäten angesiedelt sind. Eine Übersicht über die zuständigen Bafög-Stellen findet man auf der Webseite des Bundesministeriums für Bildung und Schule.

Sonstige Kosten

In den Programmkosten sind in den meisten Fällen neben den Schul- und Verwaltungsgebühren auch die Kosten für die Gastfamilie enthalten. Dennoch empfiehlt Kunze, die Angebote aufmerksam zu lesen und auf Details zu achten: "Man muss bei der Preisgestaltung sehr genau schauen, was enthalten ist", sagt er. Bei Angeboten, die ein Auslandsjahr in Kanada für 6000 Euro anbieten, müsse man etwa noch die Kosten für den Flug, die Unterbringung und die Versicherung selbst übernehmen.

"Keinesfalls sollte man sich auf Organisationen einlassen, die darauf drängen, einen Vertrag schnell abzuschließen und Schüler unbesehen aufnehmen", sagt Kunze. "Jede gute Organisation nimmt sich die Zeit für ein persönliches Kennenlerngespräch und macht im Anschluss gegebenenfalls ein Aufnahmeangebot mit exakten Preisangaben - bis hierhin alles kostenlos und unverbindlich."

Neben den Kosten für die Organisation müssten Eltern mit etwa 200 bis 300 Euro Taschengeld monatlich rechnen. Davon können sich die Jugendlichen das Mittagessen und Wochenendausflüge finanzieren. Zwar sind die laufenden Kosten wie das Taschengeld höher, je länger der Auslandsaufenthalt dauert.

Doch Kunze betont, dass die Programmkosten in den USA, dem beliebtesten Austauschland, bei den Organisationen in der Regel nur geringfügige Unterschiede zwischen einem halben und einem ganzen Jahr ausmachen, weil der Aufwand und die Verwaltungskosten ähnlich hoch seien. Anders sei das bei den übrigen Ländern: Hier steigen die Programmpreise, je länger der Schüler bleibt.

Doch für welche Aufenthaltsdauer sich der einzelne Schüler am Ende auch entscheidet, eine Bereicherung für die persönliche Entwicklung sei der Austausch auch schon bei wenigen Monaten.

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