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Column

Essay-Journal: VERSAGER

Versager enttäuschen Erwartungen. Seien es die Erwartungen anderer, seien es die eigenen. Niemand kann ein Versager sein, der nicht unter dem Druck von Erwartungen steht. Die Erwartungen sind das Problem, nicht die Versager. Erwartungen können leicht enttäuscht werden; denn die Zukunft ist naturgemäß unbekannt. Jede Vorfreude ist darum eine illusorische.

Als gäbe es nicht schon genug Grund zur Freude an Gegenwärtigem! Und als wäre ein Leben der Freude an Gegenwärtigem nicht auch schon die beste Lebensversicherung! Wozu investieren, wo man seiner Freude an Gegenwärtigem Ausdruck geben kann! Dort ist man doch schon am Ziel aller Wünsche. Was will man mehr erreichen, gewinnen, genießen? Ganz von selbst kann es dann so weiter gehen, solange es irgend geht. Steckt doch im Genuss des Augenblicks ganz nebenbei auch ein Optimum an Vorsorge. Man begegnet dem jetzigen Leben freundlich – und es schaut uns ebenso freundlich an.

Sonst herrscht der Notstand. Wo der Leichtigkeit des Seins Steine der Erwartung in den Weg gelegt sind, ist menschliches Versagen bereits vollendete Tatsache. Das ist ein Problem, das ich nur dadurch lösen zu können glaube, dass ich mich von ihm löse und hiermit diesen Artikel abschließe.

(ABC-Bild: Tim Reckmann / pixelio.de)