2 subscriptions and 1 subscriber
Column

Eine praktische Beziehung: Tun und Machen

Die Tätigkeitswörter "tun" und "machen" bedeuten beinahe dasselbe, aber nicht ganz dasselbe. Nicht alles Getane scheint gemacht zu sein, sonst könnten wir die "Tu"-Wörter bedenkenlos auch die "Mach"-Wörter nennen. Aber wer weiß! Am Ende könnte sich zeigen, dass mehr gemacht als getan wird. Wenngleich das dann auch daran liegen könnte, dass wir es uns umgangssprachlich bequem machen und auch dort "machen" sagen, wo wir mit diesem Wort zumindest einen Stilbruch begehen – etwa wenn im leichtfertigen Sprachgebrauch etwas Sinn "macht" statt Sinn (er)gibt oder einfach Sinn hat beziehungsweise sinnvoll ist. In Zeiten des Englischen als der faktischen Weltsprache bleibt das Deutsche freilich nicht von Anglizismen verschont, so dass etwa "to make sense" nurmehr nachlässig in unsere Sprache übertragen zu werden pflegt.

Im Unterschied zum eher selbstgenügsamen Tun ist das Machen stärker ergebnisorientiert. Ein unproduktives Tun kann oft vorkommen, ein unproduktives Machen kaum, obwohl man ganz viel falsch machen kann. Den Macher können wir meist erst an seinen Früchten erkennen, den Täter bereits vorher, so dass er von vornherein als Untäter zu charakterisieren ist. Das Machen kann öfter eine zeitlich ausgedehntere Aktivität sein, das Tun öfter ein einzelner Akt, eine einzelne Tat. Was nicht ausschließt, dass es viel zu tun gibt, um eine solche Tat vorzubereiten, was dann im erfüllteren Sinne ein Machen ist.

Wortgeschichtlich gesprochen, hat, wer etwas macht, eine Masse (von griechisch "mássein" = kneten) vor sich, die es zu bearbeiten gibt, ursprünglich einen Teig. Entgegen dem Anschein handelt es sich bei einer Massage (wohl von arabisch "massa" = betasten) um kein derart knetendes Machen. Im erweiterten Sinn ist somit das Machen, wie schon angedeutet, ein Bereiten. So dass außer Handfestem es auch zum Beispiel Sorgen oder Zugeständnisse sein können, die man (sich selbst oder anderen) macht, also bereitet. Beim Tun liegt hingegen etymologisch die Betonung auf dem Anfangen, sei es irgendein Setzen, Stellen oder Legen, wodurch etwas in Gang gebracht werden kann oder in sich bereits eine vollendete Tatsache ist. Wie etwa der Tormann, solange er kein mitspielender ist, durch die gelegentliche Tat des Abschlags die übrigen Beteiligten lediglich veranlasst, das ganze weitere Spiel mit dem Ball zu machen.

HINWEIS
DUDEN 7. Das Herkunftswörterbuch
KLUGE. Etymologisches Wörterbuch