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Apostile

Runter vom Sofa - Kiesbett

Gestern fand ich einen Mann. Lang ausgestreckt lag er auf einem Boden, nämlich einer frischen Beetanlage, neben ihm ein Fahrrad. Ich eilte hin und frug, ob Hilfe man ihm leisten könne. Doch „nein“, lupfte er die portable HiFi-Anlage vom Ohr, „ich ruhe mich nur aus.“ Ich war’s zufrieden, ließ ihn ruhen und hätt mich gerne selbst dazu gelegt, denn müde war auch ich und nicht umsonst heißt es wohl „Kiesbett“. Deren gibt es immer mehr im ganzen Stadtgebiet, denn wann immer es eine Fläche neu zu dingsen gibt und zu gestalten, wird ein Kiesbett eingebastelt. Das ist schön, und niemals hat jemand behauptet „Freiraum“ habe unbedingt mit Umwelt, Natur und Grün zu tun, da kann der Plan noch so „Master“ heißen, der wahre Meister wird’s schon wissen. Besser jedenfalls als all die Nörgler. Denn Stein ist schön, da kann die wunderbare Webseite „Gärten des Grauens“ sagen was sie will, und hier durch die Seiten geblättert lässt es sich vorzüglich zu neuen Wohltaten für die Noris inspirieren. Weil 1. wärmt sich so ein Stein schön auf in der Sonne, nicht wie böses Gras, das kühlt und feuchtelt, das weiß man doch, wenn man mal unten abends in den Auen war, so ein Bett kann niemand wollen. Und dann 2. wächst durch den Stein durch nur die Pflanze, die wir wirklich wollen, höchstens vielleicht schafft sich mal ein Löwenzähnchen an die Luft nach oben durchzubeißen, ansonsten bleibt es da schön ordentlich, bloß nicht dieses Wildwuchs, von dem die Nörgler reden, schon gar nicht vor der eigenen Haustür, es reicht doch, wenn ein Rasengleis ein bisschen wuchern darf. Außerdem ist der einst’ge schwarze Prinz und Sohn der Stadt neuerdings ein Grüner, soll er sich doch um Insekten kümmern, wir hier bleiben Rot, und wenn’s nur auf der Landeshitzekarte ist. Dann 3. lässt sich so ein Kiesbett gleich wieder besser sauberhalten, denn anstatt nur lästig händisch mit dem Rechen rumzukratzen, trompetet man einmal per Blasgerät kräftig hinein und holt mit dem Laub auch sogleich den ganzen Unrat, pardon: Zierrat hinaus und tut dann einfach neuen rein. Das ist vielleicht ein bisschen doof und teuer eh, aber so ähnlich übt man’s auf der Insel Schütt seit Jahren erfolgreich en grosso. Und 4. ist der Kies sehr wohl gut für Tiere, zumal nämlich Hunde, denn so ein Malheur ist schnell passiert, und das kompakte Defäkat kommt aus dem Kies doch gleich viel besser raus anstatt im Rasen zu verfangen, es sei denn, das arme Vieh hat am Vorabend was falsches gege… naja. Und dem natürlichen Bedürfnis „Scharren nach Geschäftsverrichtung“ wird auch gleich viel besser stattgegeben, das ist so wie ähm kennt ihr offene Katzenklos und dann die Streu überall und so? Genau. Kiesbettklo, Kiesbettklo, ja das macht die Hunde froh! Naja. Wir haben ja aber grad auch wirklich wichtigere Probleme. Zum Beispiel: „Leben am Limit – Ist eine Existenz ohne Gelben Sack möglich?“ oder „Zu wenig Platz für zu viel Müll – Der Schredderaufsatz für die Gelbe Tonne“.