1 subscription and 3 subscribers
Apostile

Runter vom Sofa - Packerlwahn

Beschwerdeanruf vergangene Woche: Es sei doch, hat es laut aus dem automobilen Dröhnsprecher getost, erstaunlich, womit man sich an so einem vermeintlich ruhigen Rententag herumschlagen müsse, sprach der Erbmassenverwalter, nur um den Willen meiner Person zu erfüllen. Ewigkeiten habe man gesucht, polterte es weiter, und dann in Erwägung gezogen, eine Exceltabelle zur ordnungsgemäßen Darstellung und ergo fortfolgend erleichterten Arbeit zu kreieren, schließlich habe man noch einige Wochen vor sich und könne nicht täglich derart viel Energie in Suche investieren, und überhaupt sei es wirklich erstaunlich, dass eine Person mit einer solch umfassend hohen Bildung und fortgeschrittenen Lebensreife wie ich immer noch nicht in der Lage sei, in Übereinklang mit den weitestgehend global akzeptierten Standards der Mathematik im Zahlraum 1 bis 50 zu agieren und dementsprechend korrekt zu zählen. Auf gut Deutsch: „Wieso muss man denn in einem Adventskalender die Tage so durcheinandermischen, Kind?“ – „Tja, Väterchen“, hab ich salomonisch gesprochen, „damit du jeden Tag genug Zeit hast, an mich zu denken“, und mich zufrieden zurückgelehnt. Das war nicht immer so. Spulen wir zwei Wochen zurück. „DU GOTTVERDAMMTES RINDVIECH!“ hat mich da jemand angefreundlicht, und man hätt gern einfach kerzengrad eine Faust geantwortet, nur leider hätt ich dann erstens einen Spiegel zertrümmert und zweitens auch nichts geändert. „Machst du halt auch einmal einen Adventskalender“, hatte ich gedacht habt, „dieser ganze kommerziell überhöhte Pärchenbullshit geht mir zwar mords auf den Senkel, aber so eine kleine Aufmerksamkeit kann nicht schaden“, außerdem gab’s eine, naja, Bringschuld gegenüber einzelnen Personen. Also einer. Person. Dann ist ein Größenwahn passiert, weil wenn du dann eh schon dabei bist, bist du ja eh schon dabei und außerdem musst du Füllsachen besorgen und 24x das gleiche ist doof aber hernach hast du 24 offene Packungen vom zuckrigen Irgendwas und speist alles selbst, dann lieber verteilen. An den besten Freund, der ist eh immer so ungeliebt. Ach und an die Brüder, da freuen die sich auch einmal, wenn die große Schwester … Ja und dann wegen der Gerechtigkeit auch an den Vater und an die Mutter ebenso, bei der ist eh gut wenn die einmal ein schlechtes Gewissen kriegt weil sie mir schließlich nie … Naja, gesagt getan, und ein paar Stunden später hab ich mit verholzter Haltung inmitten eines Packerlwahnsinns mich wiedergefunden. Im Zahlenraum über 50 bin ich unsicher, aber 6x24 ist eh viel. Und dann musst du wegen der Gerechtigkeit überall das selbe eintüten und dann aber auch noch nicht den Überblick verlieren und dann Sehnenscheidenentzündung wegen Packerlbinden und Heulkrampf und Chaos und dann noch 6x24 Packerl an eine Schnur und dann noch mit einem durcheinanderen Suchspaß, also Knoten bis zum Gichtanfall und Rindvieh. Aber schau, sie geben einem so viel zurück. Siehe Anruf oben.