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Auf.Nachbars.Sofa

Hundert Stühle in einer mittelgroßen Saal mit Fliesenboden – hm, Wohnzimmersofaatmosphäre sieht eigentlich irgendwie anders aus. Immerhin: Nachbarschaft hat’s allemal, zumindest machen einige der gut 50 neugierigen Besucherinnen und Besucher den Eindruck, als wären sie auf dem Abendspaziergang hier her geschlendert, ins Freizeitzentrum des Bildungszentrum für Blinde und Sehbehinderte, an einem Ort ganz hinten außen innen drinnen in Langwasser, der als Ausflugsziel wohl eher seltenen dienen dürfte. Doch hierin lang schon das Konzept des „Wohnzimmer zur Mitte“, liegt es jetzt bei der Weiterentwicklung „Auf.Nachbars.Sofa“, das in Kooperation mit WZM, Staatstheater Nürnberg und dem Stadtteilentwicklungsprojekt #LNGWSSR Begegnungsstätten schaffen, Menschen verbinden, Orte öffnen will. Und aus der Not des derzeit wegen Umbau geschlossenen Gemeinschaftshauses eine Tugend zu machen: Wenn wir da grad nichts bespielen können, bespielen wir halt den Rest des Viertels. So also zum Auftakt das Blindenzentrum, in dem Künstlernde des Staatstheaters mit „Türkisch für Anfänger“ einen von vier kooperativen Programmpunkten der Formate „Auf.Nachbars.Sofa“ und dem Streetart-Projekt „Betonliebe“ aufzaubern. Um den Erfolg des Abends zu garantieren, besticht man gleich zu Beginn das Publikum mit landestypischen Spezereien: Baklava, Börek und Pide machen Gästebäuche glücklich und aktivieren scheint’s auch das Gehirn soweit, dass sich im Anschluss vorzüglich und tatsächlich türkisch lernen lässt. Am besten geht das mit Eselsbrücken und Musik, und so improvisiersingerzählreimen sich Schauspielerin Süheyla Ünlü und Kostia Rapoport, Leiter der Bühnenmusik Schauspiel, einmal quer durchs Anfängersminar, lehren Hallo und Güle Güle, performieren Tarkan Şımarıks Bussisong und ersinnen wahnwitzige Eselsbrücken zum Memorieren der Wochentage, bei denen es um Basartische und Schaumbäder geht und Per mit Champagner, erklären, dass Türken „Sei keine Petersilie!“ sagen wenn sie „Misch dich nicht ein!“ meinen und machen sofort ein Lied daraus, damit alle mitsingen und es sich auch ja merken. Interaktiv, witzig, spontan, reichlich improvisiert und gelegentlich schräg akteuren sich die Staatstheatler durch den Abend, der funktioniert, weil die Leute Lust haben, mitzumachen, zu lernen und vorhandenes Wissen sorgfältig einzuflechten: „Eşek heißt Esel! … Ach, das kennt ihr schon alle!“ Ein verbindendes Konzept allemal, von dem es mindestens 2019 noch mehr geben soll: Neben zwei Betonliebe-Abenden in der Streetart-Zentrale Ratiborstraße (24.10. + 29.11., 19 Uhr) kommt das Staatstheater am 21.11. nochmal auf Nachbars Sofa zu Besuch. In wessen Wohnzimmer das stehen wird, ist noch nicht klar – willige Gastgeber dürfen sich jederzeit gerne melden.

www.nuernberg.de/internet/kuf_kultur/sonderprojekt_lngwssr_auf_nachbars_sofa.html