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Slammen in Kuschelatmosphäre: Felix Kaden

Das Lampenfieber strahlt wie ein Scheinwerfer von der Bühne. Auf der steht eine junge Dame mit einem Blatt Papier, auf dem hat sie einen Text niedergeschrieben, der ihr etwas bedeutet. Vor ihr sitzen 50 Fremde – ob denen der Text etwas bedeuten wird, das weiß die Dame nicht, wird es vielleicht nie erfahren, wird vielleicht am Ende einen Wettbewerb gewinnen, den Felix Kaden behutsam ausrichtet und von dem er sagt, er sei „nur eine Show, um Literatur interessant zu umrahmen“, ein Schutzmechanismus, bei dem es „jede Rolle geben muss: Verlierer und Sieger und Sieger der Herzen.“ Felix Kaden weiß das, denn seit zehn Jahren gehört er zu den Gesichtern des hiesigen Poetry Slams – als Dichter, der eigene Texte zum Besten gibt, als DJ, der fremden Texten die passende musikalische Einbettung bereitet, und als Moderator, der pro Monat durch fünf Formate führt. Eins davon der „Südslam“, Nürnbergs einziger offener, also Jedermann-Slam und damit „Poetry Slam im Urzustand“, sagt Felix Kaden und meint damit, dass hier „jeder eine Chance kriegt der eine Chance möchte.“ Denn, sagt der 29-Jährige, der einst aus dem sächsischen Radeburg nach Erlangen zog, „ich weiß selbst, wie schwer es am Anfang war.“ 
Dabei klingt die Geschichte an sich leicht: Nach dem Abitur verließ Felix Kaden die Heimat, in die er nicht recht zu passen schien, gen Süden, um dort an der Technikakademie Kraftwerkbau zu erlernen – und ein neues Leben anzufangen. Mit im Gepäck des alten Lebens waren Texte, „ohne jegliches künstlerisches Selbstbewusstsein“ geschrieben für die Schulpopband. Die trug er zu etwas, das Google ihm als „Dichterwettstreit“ ausspie, sich „Poetry Slam“ nannte und als in höchstem Maße passend herausstellte. „Ein Neuanfang“, sagt Kaden und erzählt vom Wohlfühlformat, der Hilfsbereitschaft, dem Zusammenhalt und wie er sich durch Franken slammte – erst lustig, „dann vor allem nachdenklich“, denn es sind nicht zuletzt politische Themen, die ihn beschäftigen: soziale Ungleichheiten, Klimaschutz, oder auch mal Luthers Thesen, die Kaden neu formuliert, „weil die alten einfach überholt sind.“ Als Dichter, sagt Felix Kaden, sehe er sich in der Verantwortung, „Geschichten zu Diamanten zu verdichten, zu Kunstwerken zu machen, um damit anderen Menschen zu helfen, mit der Welt klarzukommen.“ 
Nach drei Jahren als Slammer tritt Kaden gleichzeitig einen Schritt zurück und in den Vordergrund, übernimmt die Moderation des Forchheimer Slams – und entdeckt neue Freuden.  „Ich liebe das und brenne dafür“, erklärt Kaden, warum er sich engagiert für die, die erste Gehversuche machen auf der Bühne, und dabei, ja, durchaus auch stolpern – der „Kuschelslam“, wie’s bei der Dachgesellschaft Kulturschock e. V. heißt: „Vielleicht kommt jemand nur bei einer einzigen Person gut an – aber diese eine Person ist dann super happy mit dem Text.“ Das, sagt Kaden, das treibt ihn an, die Verantwortung, alle gleich zu behandeln, „die Stimmung hochzuhalten“ und denjenigen Mut zu machen, die den kleinen Schubs noch brauchen. „Ich will, dass die Bühne guttut und nicht kaputt macht“, sagt Kaden. Und: „Wer bin ich, zu richten?“
Er selbst läuft längst ganz von alleine – und das kreuz und quer durch die Republik, sogar darüber hinaus, erhielt er doch für sein Engagement im Salzburger „Slamlabor“ 2017 den Kulturpreis der Stadt. Denn seit 2010 rundet Kaden Slams auch musikalisch ab, sucht als DJ während des Auftritts die zum Text passende Musik für den Abgang raus, „damit das das perfekte runde kleine Wunder“ ist. Kleine Wunder sind auch die Bücher, die Felix Kaden mit Laura Wedra als tinx-Verlag herausgibt, „die Bühne ins Buch holt“ und damit das nue2025-Bewerbungsbüro so überzeugt, dass gemeinsam an einem Kinderbewerbungsbuch gearbeitet wird, „verrückt, bunt und außergewöhnlich“, sagt Kaden, dessen Bücher vorlesen können und dreidimensional werden, die mit besonderem Papier spielen und besonderer Technik. Als Moderator versucht er, den Abend im Gleichgewicht zu halten, als Slammer, „ihn zu komplettieren“, zu beobachten, was die anderen Künstler machen, vielleicht darauf zu reagieren, vielleicht dagegenzuhalten, nicht der Beste zu sein, sondern „wieder gebucht zu werden“, das sei der wahre Sieg, ein Kompliment der schönste Preis, sagt Kaden, der Wissen deutschlandweit in Workshops vermittelt, die Nachwuchsförderung aber eigentlich lieber „in der feien Wildbahn der Kunst“ betreibt. Die hat Felix Kaden 2017 um eine weitere Insel bereichert: Song-Slams in Erlangen nämlich, bei denen explizit nur Singer-Songwriter auftreten, Profis, die so gut funktionieren, dass das Format mittlerweile siebenmal in Bayern stattfindet und Ende 2019 erstmalig im Gründungsort E-Werk die „1. Bayerische Songslam-Meisterschaft“ ausgetragen wird. 

Felixkaden.de