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Quellkollektiv präsentiert die Sommerkollektion 2014

Sie haben "wie die Verrückten gearbeitet", im Gegensatz zum letzten Jahr "kein Konzept aus einer Hand" und sind gerade darum viel näher dran an dem, "was es ist": Das Quellkollektiv e. V. veranstaltet mit der "Sommerkollektion 2014" eine Werkschau hoch über den Dächern der Stadt und ist dabei bunt, frei, kreativ — und ein bisschen chaotisch. Aber das soll so sein.

„Es gibt keinen richtigen Plan. Man muss sich einfach drauf einlassen“, sagt Hannes Hümmer, einer von rund 30 Mitgliedern des Vereins. Ungefähr ebenso viele Künstler verschiedenster Genres haben im vierten Stock des vielbesprochenen Gebäudes aufgebaut, installiert, Wände bemalt und ihre Werke teils wie zufällig auf der riesigen Fläche verteilt.

Im Gegensatz zum letzten Jahr, „in dem alles noch recht neu war“, hat sich das Kollektiv mehr Zeit genommen. Die Ausstellung, die aufgrund der Sicherheitsbestimmungen bis kurz vor der Eröffnung auf tönernen Füßen stand, funktioniert zum Teil als „work in progress“, wird umgebastelt und neu geformt, es gibt die Installation als Performance wie die „FlyerSkulptur“ aus unzähligen bunten Informationsblättern, die eine Gruppe baut, während auf der Dachterrasse ausgefallene Mode über einen roten Teppich getragen wird.

„Es soll aufgezeigt werden, welche Möglichkeiten sich durch den Zusammenschluss in Vereinen, Genossenschaften und ähnlichen Organisationsformen ergeben. Und man soll sehen, wie schön die Blumen blühen, links und rechts der ausgetretenen Pfade des Kulturbetriebes.“ In der Ausstellungshalle, auf dem Quelle-Dach sowie im vereinseigenen Konzeptraum „Heute:“ zeigt eine Vielzahl an Künstlern ihr Werk, ohne dabei Kunstmesselangeweile aufkommen zu lassen. Quelle-Kunst ist vielfältig und überraschend.

Da sind plötzlich lautlos zuckende Lichtblitze oder meditativ-sphärische Klangformen, die wie andere sensorisch präsente Werke in verschiedenen Räumen versteckt liegen — bis hin zur guten alten Tischtennisplatte, fast schon Markenzeichen des Kollektivs und Begleiter durch die Aktionen. Sie fügt sich gut ein in großformatige Fotografien und kleine Zeichnungen, bunte Fußspuren auf dem Boden, klassische Malerei und individuellen Siebdruck, eindringliche Porträts und fröhliche Aquarelle, Studio-Glaskunst und Tuscheskizzen – das Ergebnis dessen, was passiert, „wenn das Kollektiv einen Monat ohne Plan arbeitet“, so Hümmer.

Während innen Kunst weitgehend lautlos passiert, ist die Geräuschkulisse auf der wie gewohnt liebevoll bis eigensinnig gestalteten Dachterrasse wesentlich höher. An jedem Tag der Ausstellung für Besucher geöffnet, bietet ein breites Programm vornehmlich in der Quelle angesiedelter Musiker Einblick ins Repertoire „von Punk über Alleinunterhalter und Singer/ Songwriter bis zu interaktiven Soundinstallationen“, verrät Philipp Schwarzkopf vom „AK Sommerkollektion“.

Schachspielen mit überdimensionierten Figuren, ein Bad im Wasserfass, während DJs auflegen und Menschen auf Skateboards angebraust kommen, das alles mit sensationellem Blick über Nürnberg — geht gut hier, auf der Quelle. Was auch gut geht: Auf dem Weg nach draußen an einer Art Riesenmobile stehenzubleiben und angesichts der dranhängenden Zettel zu schmunzeln. „Wir kaufen die Quelle. Du auch!“ ist darauf zu lesen.

Nein, sagt Kai Kopka, das sei weder Kunst noch ein Witz. „Das Quellkollektiv plant, die Quelle per Crowdfunding zu kaufen.“ Für uns, für Nürnberg, für alle, so der Künstler. Man darf gespannt sein — und das vielleicht als Anlass nehmen, sich den Pfeilen folgend zum Aufzug zu begeben, von Sofas und Gitarren in Empfang nehmen und nach oben bringen zu lassen, um sich auf Entdeckungsreise zu begeben. Einblick mit Ausblick eben.


http://sommerkollektion.tumblr.com/
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