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Ausstellung "Para"- Neben diesem hier existieren

Es scheint vieles unklar für die Anwohner, Ladenbesitzer und Passanten rund um den Aufseßplatz dieser Tage: Was passiert hier, was wird aus dem Schocken, wie geht es denn jetzt eigentlich weiter? Seit einigen Tagen gesellt sich zu diesen Fragen eine weitere. Nämlich: Was ist das da in den Schaufenstern? Hinweis auf ein neues Ladenkonzept? Vorboten einer weiteren, womöglich künstlerischen Zwischennutzung, die da in großen, bunten Plakaten weithin sichtbar die Fensterfronten dominieren? Die Antwort lautet: weder noch. Und: Para.  So nämlich der Titel derjenigen Kunstausstellung, mit der Monika Gropper (33) und Martin Karl Kufieta (24)derzeit besagte Schaufenster bespielen. Schön mit Doppeleffekt, zeigt nämlich ein Blick zu den Glasscheiben nicht nur, das was sich dahinter befindet, sondern auch das davor. Gleichsam einem Spiegel bildet „Para“ also sowohl künstlerisch als auch ganz zufällig denjenigen Ort ab, der seit der Schließung des Kaufhauses vor sich hin darbt. „Para“, erklärt Monika Gropper, Studentin der Fotografie an der Akademie der Bildenden Künste, „bedeutet einerseits ein ‚neben diesem hier existieren‘. Andererseits wird das Wort in der Jugendkultur- und Hiphop-Sprache als ‚Geld‘ verwendet.“ Ohne weitere Vorgaben hatte der Z-Bau, der bis Ende Januar die Flächen bespielt, Gropper und Kufieta, Grafikstudent an der AdBK, um eine Ausstellung gebeten. Den Platz, die Leute dort wollte man mit einbeziehen, mit der „Schaufensterästhetik“ spielen, etwas finden, das die Menschen wiedererkennen. Und so sind es 13 Stillleben geworden, den klassischen Vorgaben des nach der dem goldenen Schnitt folgenden Anordnung unbelebter Gegenstände, die sich in allen Epochen findet. Nur sind es nicht Äpfel und Trauben, die die 140x110 und 110x85 Zentimeter großen Bilder zeigen, sondern Dinge, die die Vielfalt des Platzes widergeben. Genauer: die der umliegenden Läden und Geschäfte. „Die Südstadt und damit auch der Aufseßplatz bieten eine spannende Mischung klassisch-fränkischer Mittelstandsunternehmen und solcher, die die Interkulturalität der Bewohner verkörpern.“ All diese Läden haben Monika Gropper und Martin Karl Kufieta besucht, das Projekt erklärt – und von den meisten bereitwillig Gegenstände zur Verfügung gestellt bekommen. Die gefällig arrangiert, in Szene gesetzt wurden vor Hintergründen, die sich allesamt am Platz wiederfinden – auch wenn man manchmal vielleicht einen Schritt zurückgehen muss, um sie zu erkennen. Ein Teddy mit Wurst, Lottoschein und Likörchen – man kann nur raten, woher die Dinge stammen. Eiscafé und Tattooladen sind vertreten, Bäcker und Frisöre, insgesamt elf Geschäfte haben von der überdimensionalen Waffel bis zur gläsernen Hasselblatt zum Projekt beigetragen. Doch auch Menschen kommen nicht zu kurz, tragen die doch „zur Diversität des Platzes bei“, deren Rollentypen ebenfalls aus den Schaufenstern auf den Platz schauen, der steht und fällt mit dem Besucherstrom, der ausbleibt, seitdem das Kaufhaus aufgegeben wurde. „Das leerstehende Gebäude“, sagt Monika Gropper, „lastet schwer auf den Leuten“, die warten, dass etwas passiert, neugierig sind, Fragen haben. Antworten bietet „Para“ wohl leider nicht. Aber vielleicht einen Grund, ein bisschen gemächlicher über den Aufseßplatz zu eilen.  Ausstellung „Para“, bis 25.1. in den Schaufenstern des ehemaligen Kaufhofs am Aufseßplatz