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Grüninsel - 40 Jahre Stadtparkkiosk

Die Gattung „Kiosk“ ist eine aussterbende. Diese typischen Häuschen in Parks, rote Plastikstühle außenrum und in der Mitte eine Luke, aus der heraus Eis am Stil, Kaffee und Erfrischungsgetränke gereicht werden, zum dableiben oder hinfortspazieren. Einer der wenigen verbliebenen typischen Vertreter hält sich wacker im Stadtpark – und weil er hier schon seit 40 Jahren Jung und Alt mit allem versorgt, was so ein Parknachmittag erfordert, wird am kommenden Sonntag sauber eins aufgefeiert. 

„Mit super Wetter“, sind sich Cornelia und Thomas Meusel sicher und wünschen sich, „dass auch mal andere Leute angelockt werden als die, die uns eh schon kennen.“ Davon gibt es freilich reichlich. Seitdem 1976 Vater Roman Meusel (76) dasjenige Objekt übernommen hat, was einst ein „Milchhäusle“ war, ist der Kiosk nach und nach gewachsen, und mit ihm (Stamm-)Gäste wie Familie. Die schmeißt den Kiosk seither im Meusel’schen Familienbetrieb, bewirtet mit großer Lebensfreude knapp 170 Sitzplätze und die bunte Laufkundschaft dazu und weiß: ein Kiosk, da ist halt alles ein bisschen einfacher. Überschaubare Karte, Selbstbedienung, da hat man’s heute, wo die Konkurrenz aus Gastronomien und stadtweiten Veranstaltungen groß ist, schwerer als am Anfang, erzählt Roman Meusel. Und dass man aber inzwischen „fast den ganzen Park kennt“, ergänzt Sohn Thomas (47), der den zweiten Kiosk im Stadtpark bewirtete, bis der 2001 dem neuen Ärztehaus weichen musste. Seit 2008 ist die ganze Familie mit Schwester Petra (50) und Gattin Cornelia (40) jetzt im heute einzigen Kiosk vereint, kennt die Vorlieben der Gäste, schätzt das gemischte Publikum von Schulklasse über Damenkränzchen bis Kartelrunde und würde sich sehr freuen, wenn auch „die Jüngeren“ mehr den Ort zwischen Neptunbrunnen und Straße der Kinderrechte für sich entdecken würden. Warum auch nicht? Vom vermeintlichen „Schmuddel“ keine Spur, sitzt man hier so vergnüglich wie beschaulich inmitten von Grün, und freut sich über etwas, das so einen Kiosk eben auch auszeichnet: günstige Preise.  Und „Steckerlas-Eis“ in großer Auswahl, betont Thomas Meusel, der viel zu erzählen hat von brennenden Sonnenschirmen, von aufs Dach geworfenen Stühlen und geklauter Bepflanzung, „aber von den Randalierern lassen wir uns nicht abschrecken!“ Ganz im Gegenteil. Ein Fest jetzt also. Was soll das heißen? „Wir machen Party!“ lacht das Ehepaar Meusel. Das habe man zwar vorher schon gemacht, in dem Ausmaß aber noch nicht. Ausmaß, das bedeutet: eine zusätzliche Ladung Biergarnituren, ein Extragrill, auf den pfundweise Steaks und Würstchen geschmissen werden, zusätzlich zu den reichlichen Standardgetränken Fassbier und Musik. Bernd Hack verspricht „Livemusik zum Feiern, Mitsingen und Zuhören“ und ein „breit gefächertes Programm mit Highlights aus sieben Jahrzehnten“. Was mutmaßlich als gutes Omen für den Fortbestand des Stadtparkkiosks zu sehen ist. Vor allem, wenn „mal andere Leute kommen“.


40 Jahre Stadtparkkiosk (Am Stadtpark 70), Sonntag 17. Juli, 10-22 Uhr (Live-Musik ab 16 Uhr),  Tischreservierung möglich unter 0911/358354, facebook.com/Stadtparkkiosk