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Digitales Lernzentrum: Bei Future Legends designen Mädchen ihre eigene App

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Bei Future Legends wird auch digitale Teamarbeit geübt (Symbolbild). Foto: picture alliance / Rolf Vennenbe

Ein Mädchen steckt einen Plastikdinosaurier in eine Box, ein anderes holt ihn wieder heraus - nun trägt der Dino ein Kleid. Die anderen zehn Mädchen im Raum lachen. Gemeinsam mit ihren Müttern nehmen die Sechs- und Siebenjährigen an einem englischsprachigen Kurs der Organisation Future Legends teil, der den Titel trägt: „Intro to computer programming and computational thinking".

Mit Zaubertricks, Rätseln und Apps lernen die Mädchen ganz spielerisch, wie ein Computer funktioniert. Der Dino, den das Mädchen in die Box gibt, ist der Input, der herauskommende Dino im Kleid ist der Output, erklärt Cassandra Melvin den Mädchen auf Englisch und zu den Frauen sagt sie: „Diese Art des Denkens ist sehr wichtig für die Zukunft."

Demnächst auf Deutsch

Melvin ist die Gründerin und Geschäftsführerin der Organisation Future Legends, die es erst seit November vergangenen Jahres gibt; gerade ist sie noch dabei, Future Legends als Verein anzumelden. Es ist eine wichtige Initiative, die Mädchen fit und stark macht für die digitale Welt. Kooperationen bestehen bereits mit mehreren Unternehmen, darunter Zalando, Facebook und der Softwarehersteller SAP.

Im März fand der erste Workshop in Kooperation mit dem FemTech-Startup Clue statt, bei dem Mädchen ihre eigene interaktive App designen konnten. Als Lehrerinnen hat Melvin Datenspezialistinnen und Tech-Expertinnen engagiert. Die Kurse richten sich an verschiedene Altersklassen und sollen bald auch auf Deutsch gehalten werden.

Hoch oben in einem verglasten Gebäude, das sich hinter dem Sony Center am Potsdamer Platz befindet, hat das digitale Lernzentrum von Facebook seinen Sitz. Die ersten beiden Coding-Kurse von Future Legends finden in den Räumen des Lernzentrums statt. Die Töchter und Mütter sitzen an Gruppentischen. Plakate hängen an der Wand. „Be the nerd", steht auf einem und auf einem anderen: „Even busy bees stop & smell the roses." Melvin leitet die Coding-Kurse gemeinsam mit Elena Petrova. Für die Datenwissenschaftlerin ist es ein besonderer Tag: Sie unterrichtet zum ersten Mal Kinder.

Mit Hilfe von Suchbildern lässt Petrova die Mädchen herausfinden, welche unterschiedlichen Computer es gibt. Die Mädchen entdecken ein Smartphone, eine Kamera, das GPS-System im Auto, später auch die Schiebetür, den Bankautomaten und die Waschmaschine. Neben Input und Output werden auch andere Vokabeln und Vorgänge geklärt: Was sind Daten? Was ist ein User? Und wie können wir mit einem Computer sprechen?

Ohne die Unterstützung des digitalen Lernzentrums wären die Kurse in dieser Form nicht möglich. Denn neben den Räumlichkeiten stellt es auch die Tablets zur Verfügung. Die beiden Frauen sind für diesen Support sehr dankbar. Auf den Tablets spielen die Mädchen die kostenlose App Lightbot. Mit einfachen Befehlen - wie vorwärtsgehen, hüpfen und nach links oder rechts abbiegen - navigieren sie einen Roboter über ein Feld aus Kacheln. Per Drag-and-Drop müssen sie die Befehle in die richtige Reihenfolge bringen, wodurch sie ganz nebenbei die Prinzipien des Codings lernen.

„Die Eltern müssen sich endlich mal nicht schlecht fühlen, wenn sie ihre Kinder mit dem Tablet spielen lassen", sagt Cassandra Melvin. Am Ende des Kurses, nach sechs Terminen à zwei Stunden, sollen die Mädchen fähig sein, ihren eigenen Namen am Computer zu schreiben - nicht mit einem Textverarbeitungsprogramm wie Word, sondern mit Hilfe der Programmiersprache Python.

Cassandra Melvin arbeitet ehrenamtlich für Future Legends - im Hauptberuf ist sie Produktmanagerin, daneben engagiert sich bereits als Gruppenleiterin bei Girl Scouts, einem Pfadfinderverein aus den USA für Mädchen. Die meisten Teilnehmerinnen kommen von dort. Melvins persönliche Motivation ist ihre eigene Tochter, die auch am Kurs teilnimmt. „Es gibt einfach noch zu wenig Angebote im IT-Bereich für Mädchen", findet Melvin.

Als sie die Mädchen fragt, worin sie gut sind und was sie am meisten an sich mögen, kommen ganz unterschiedliche Antworten: „Ich bin gut in Mathe", sagt eines, ein anderes findet, sie sei gut im Reiten. Ein Mädchen liebt es zu lesen, ein anderes, mit Lego zu spielen. Ein Mädchen mag an sich, dass es so mutig ist.

Künftig auch zusammen mit Jungs

Der Kurs mit rein weiblichen Teilnehmenden soll den Mädchen einen Schutzraum gewähren, ihnen Selbstbewusstsein und Fähigkeiten im technischen Bereich geben - Melvin nennt die Stichworte „Empowerment" und „21st century skills", also die Fähigkeiten, um im 21. Jahrhundert zu bestehen, und die Ertüchtigung zu r Selbstbestimmung. Es reiche aber nicht, wenn nur Mädchen die notwendigen Skills erlangen, gibt sie zu bedenken. Jungs müssten zudem von klein auf lernen, mit Mädchen gemeinsam und gleichgestellt im Team zu arbeiten. Deswegen will sie in Zukunft auch Kurse anbieten, bei denen die Teilnehmenden zu 50 Prozent aus Jungen bestehen und auch Väter willkommen sind.

Wie schwierig es manchmal ist, im Team zu arbeiten, zeigt sich, als die Mädchen einen Turm aus Plastikbechern bauen sollen. Zwei Mädchen verstehen sich am Anfang überhaupt nicht gut. Das eine fängt an, alleine zu bauen, das andere fühlt sich ausgeschlossen und fängt an zu weinen.

Die Mütter ermutigen sie, miteinander zu reden und siehe da: Nach fünf Minuten stehen sie beide lachend auf dem Tisch. Sie haben den höchsten Turm der gesamten Gruppe gebaut.


Infobox:

Zwei Kurse gibt es bei Future Legends - einen für 6- und 7-jährige, einen für 8 bis 10-jährige. Sie finden sonntags statt das (15. April das nächste Mal) und dauern zwei Stunden. Fünf Termine kosten 50 Euro.

Mehr Infos zu Future Legends und dem Kursprogramm sind auf Facebook zu finden: @futurelegendsberlin. Betreiberin Melvin weiß, dass Facebook erzeit wegen Datenmissbrauchs stark in der Kritik steht.

Kunden müssten keine Sorge haben, versichert Melvin: Anmeldung und Organisation laufe komplett über Future Legends, Facebook erhalte daher keine persönlichen Daten der Teilnehmenden.

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