1 subscription and 2 subscribers
Article

Mord ohne Leiche: Viele Indizien führen zur Verurteilung

1690502 1 socialmedia der eingang zum sitzungssaal 1 im landgericht in frankenthal foto uwe anspach archiv

Der Eingang zum Sitzungssaal 1 im Landgericht in Frankenthal. Foto: Uwe Anspach/Archiv - dpa

Ein 65-Jähriger hat einen Mann aus seinem Bekanntenkreis ermordet, um an dessen Tresor zu kommen. So urteilt das Landgericht Frankenthal. Wie und wo der 74-Jährige gestorben ist, bleibt aber unklar. Von der Leiche fehlt bis heute jede Spur.

Von Julian Weber (dpa)

Lebenslang oder Freispruch? Am Ende bestand für das Gericht kein Zweifel: Der Angeklagte hat einen 74 Jahre alten Mann ermordet, um an dessen Tresor und Wertsachen zu kommen. Diese Auffassung setzt sich aus vielen Indizien zusammen, die das Landgericht Frankenthal während der Verhandlung gegen ihn sammelte. Deshalb wurde er am Mittwoch wegen Mordes und Diebstahls zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Die Richter waren davon überzeugt, dass der Angeklagte den 74-Jährigen am Abend des 2. März 2016 getötet hatte. Bei ihm habe er erhebliche Ersparnisse vermutet. In der Wohnung des Getöteten konnte er die Schlüssel für dessen Tresor jedoch nicht finden.

Mord aus Geldgier?

Aus diesem Grund begann er einen befremdlichen SMS-Wechsel: Vom Handy des Toten versendete er - als vermeintlicher Vater - eine SMS an die Tochter des Opfers. So wollte der Mann aus Philippsburg an die Tresorschlüssel gelangen, was aber missglückte. Danach stahl er den Tresor ohne Schlüssel aus der Wohnung des Opfers.

Während Richterin Alexandra Ulrich ihr Urteil verlas, saß der kleingewachsene Mann mit den grauen Haaren zusammengesunken auf der Anklagebank. Immer wieder schlug er die Hände vor dem Gesicht zusammen. Während der Verhandlung hatte er seine Unschuld beteuert, er verstrickte sich aber immer wieder in Widersprüche. So behauptete er zum Beispiel, er sei von Unbekannten gezwungen worden, die SMS zu schreiben.

Außerdem sprachen viele Indizien gegen die Version des Angeklagten. Zum Beispiel entdeckten die Ermittler in seiner Werkstatt das Teil einer Brille, an dem das Blut des Opfers gefunden wurde. Außerdem ergab die Untersuchung von Funkzellen, dass sich das Handy des Opfers immer in unmittelbarer Nähe von Speyer und Philippsburg - in der Nähe des Angeklagten - befunden hat.

Von der Leiche fehlt bis heute jede Spur

Das größte Puzzlestück fehlt aber auch nach dem Prozess noch: Die Leiche des Opfers. In der Nähe von Philippsburg ist nur der Teil eines Fußes entdeckt worden, der per DNA-Abgleich dem 74-Jährigen zugeordnet werden konnte. Wie und wo der Mann getötet wurde, ist auch nach dem Prozess noch unklar.

"Obwohl diese Fragen offen bleiben mussten, bestehen keine Zweifel an der Schuld des Angeklagten", sagte die Vorsitzende Richterin Ulrich in ihrer Urteilsbegründung. Das Motiv des Angeklagten sei Gewinnstreben um jeden Preis gewesen.

Mit dem Urteil schloss sich das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft und der Nebenklage an. Oberstaatsanwältin Doris Brehmeier-Metz zeigte sich nach dem Prozess aber zurückhaltend: "Man kann bei so einem Urteil nicht wirklich zufrieden sein, am Ende ist immer noch jemand gestorben."

Den beiden Nebenklägern - Tochter und Sohn des Opfers - war die Erleichterung jedoch anzusehen. Viele Angehörige waren gekommen, um den Ausgang des Prozesses zu beobachten. Nach der Urteilsverkündung lagen sie sich in den Armen. "Ich glaube, dieses Urteil ist ein Akt der Gerechtigkeit", sagte ihr Anwalt.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Zu einer möglichen Revision wollte sich die Verteidigung jedoch noch nicht äußern.

Original