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„Der nasse Fisch": Volker Kutschers erfolgreicher Krimi erscheint nun als Graphic Novel

Ein Kölner Kommissar in den Berliner Wirren des Jahres 1929: Chauffeure kutschieren Fahrgäste mit ihren Automobilen durch die Straßen, die Männer gehen noch im „Zigarrenhaus" einkaufen, und die Damen aus großbürgerlichen Kreisen, aufgehübscht mit Fingerwellen-Frisur, genießen Champagner auf edlen Abendveranstaltungen - die Weltwirtschaftskrise ist auf Dinnerpartys noch nicht zu erahnen. Dieses Bild der späten 1920er Jahre zeichnet nun Arne Jysch in seiner Graphic Novel „Der nasse Fisch" nach dem gleichnamigen Roman des Kölner Autors Volker Kutscher.

Kommissar Rath im Berliner Großstadtdschungel

Darin muss sich Kommissar Gereon Rath nicht nur an die Großstadt gewöhnen, sondern auch an seine neuen Kollegen und ihre Befindlichkeiten. Rath, der zunächst bei der Sittenpolizei eingesetzt wird, weil er sich zu Hause in der Kölner Provinz den einen oder anderen Fehltritt erlaubt hat, will schnell zurück zur Mordkommission. Dieser Weg ist jedoch mit vielen Widrigkeiten gepflastert - bald steht sogar er selbst im Fokus von Ermittlungen. Raths persönliche Entwicklung und sein Engagement in der Aufklärung des Mordes an der Möckernbrücke können nun nicht mehr nur in Volker Kutschers Roman aus dem Jahr 2008 nachgelesen werden. Der war im Übrigen der erste von mittlerweile sechs Kutscher-Krimis, die Regisseur Tom Tykwer gerade als 16-teilige, 40 Millionen Euro teure Serie für Sky und die ARD ins Bild setzt.

Jysch illustriert das Berlin der späten 1920er Jahre ansprechend in Schwarz-Weiß, die Gesichtszüge der Charaktere wirken dadurch besonders eindringlich. Die mitreißende Story um Rath und dessen Suche nach Ruhm und einem Goldschatz unterstützt der 43-Jährige durch präzisen Strich und viele Details. So entwickelt, passend zur Geschichte des Kommissars, eine düstere Grundstimmung.

Der in Bremen geborene Jysch zeichnet in der Regel Storyboards und hat etwa an den Neuverfilmungen der Winnetou-Reihe mitgearbeitet. Er hat Animation an der Filmhochschule in Berlin studiert und sich kurzzeitig auch mal im Filmgeschäft versucht: „Weil ich aber mit meinen Filmprojekten nicht vorangekommen bin, habe ich mich auf meine zeichnerischen Wurzeln besonnen", sagt Jysch im Gespräch mit dem „Kölner Stadt-Anzeiger". So entstanden sein Debüt-Comic „Wave and Smile" (2012) über den Afghanistan-Krieg und nun „Der nasse Fisch".

Zeichner und Autor arbeiten Hand in Hand

Auf mehr als 200 Seiten erzählt der Zeichner von Raths ersten Schritten in Berlin. Kutschers Vorlage hat er um einiges kürzen müssen. „Im Prinzip habe ich mich auf meine Lieblingsszenen konzentriert", sagt Jysch. Ihm sei jedoch wichtig gewesen, dass Kutscher seine Version „absegnet". Deshalb hat Jysch ihm sowohl die erste Fassung des Szenarios, als auch die Layoutfassung vorgelegt. „Die Adaption gefällt mir sehr gut", bestätigt Kutscher auf Nachfrage. „Kürzen gehört zum täglichen Brot - sowohl im Journalismus als auch beim Romanschreiben. Die Hauptsache ist, dass die Geschichte funktioniert." So liegt nun Jyschs Sicht auf „Der nasse Fisch" vor. Der Zeichner legt darin noch mehr Wert auf Action als der Kölner Autor. „Kommissar Rath wird selbst noch mehr in die Mangel genommen", sagt Jysch. „Und ich habe auch die Beziehung zur Vermieterin Behnke ausgebaut."

Spätestens mit seinem zweiten Comic beweist Jysch nun, dass er diese Kunst beherrscht. Mit seinen rasanten Zeichnungen und schnellen Dialogen sorgt er für Spannung und drängt den Leser von Bild zu Bild. Dass diese detaillierten Zeichnungen in nur in einem Jahr entstanden sind, ist dabei kaum zu glauben. Zwar hat sich Jysch bereits kurz nach der Romanveröffentlichung mit Kutscher ausgetauscht und über die Idee eines Comics gesprochen, gezeichnet hat Jysch die Bilder aber erst 2016. Rund drei Jahre hat er gebraucht, um den Roman „auseinanderzunehmen", wie er es formuliert. Die Zeit war notwendig, um zu entscheiden, welcher Handlungsstrang im Fokus stehen sollte. Aufwendig war zudem die Recherche zu den „Goldenen Zwanzigern" und der damaligen Polizeiarbeit. „Eigentlich wollte ich schon länger einen Krimi-Stoff über das Berlin der 1920er Jahre bearbeiten", sagt Jysch, „aber ich hatte eher einen Film im Hinterkopf." Zum Glück hat er sich dann für die Graphic Novel entschieden.

Arne Jysch und Volker Kutscher: „Der nasse Fisch", Carlsen, 216 Seiten, 17,99 Euro. E-Book: 9,99 Euro. Im Kölner Literaturhaus (Großer Griechenmarkt 39) stellen Jysch und Kutscher den neuen Band am 5. April, 19.30 Uhr, vor. Eintritt: 9 Euro (erm. 7 Euro).

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