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Wer hat Trude (†20) ermordet? | Dieser Skandinavien-Krimi ist ECHT!

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Oslo - Seit 20 Jahren erschüttert dieser Fall Norwegen: Eine junge Frau verschwand spurlos von einem Felsen, auf dem sie saß und ein Buch las. Elf Tage später fand man sie nur wenige Meter weiter unter Steinen und Geröll versteckt. Jetzt rollt die norwegische Polizei den Fall wieder auf - und das Phantombild eines mutmaßlichen Deutschen spielt eine zentrale Rolle ...

Der Täter hatte Trude vergewaltigt und ermordet. Die Nachforschungen entwickelten sich zu den vielleicht größten in der norwegischen Kriminalgeschichte: 3062 Personen in 37 Ländern wurden befragt, 15 000 Urlaubsfotos überprüft. Doch der Mörder ist noch immer auf freien Fuß.

Die heißeste Spur ist nun die Phantomzeichnung (siehe oben). Ein offenbar deutsch sprechender Mann, der damals nahe des Tatorts beobachtet wurde! Er hatte sich verdächtig verhalten. In neuen Zeugenaufrufen, unter anderem im TV, fragt die Polizei jetzt: Wer kennt diesen Mann?

Trude Espås - das nette Mädchen von nebenan Geiranger gehört mit seiner wunderschönen Landschaft zu den berühmtesten Touristen-Hotspots Norwegens. Eigentlich leben hier nur 280 Menschen - aber im Sommer kommen täglich bis zu 8000 Besucher. Trude Espås (†20) lebte in Orkanger und reiste im Sommer 1996 nach Geiranger, um dort im Hotel Union einen Sommerjob anzunehmen. Sie galt als das „typische nette Mädchen von nebenan". In Geiranger war sie erst wenige Tage, als sie am 8. August zum ersten Mal frei hatte.

Trude nahm ein Buch, wanderte an der Küste des Fjords entlang - und setzte sich auf einem großen Felsen in die Sonne. Mehreren Passanten und Autofahrern fiel die junge Frau auf, die dort an diesem für Norwegen ungewöhnlich warmen Spätsommertag in der Sonne saß und las.

Sie verbrachte mehrere Stunden auf diesem Felsen. Dann - nach 17 Uhr - war sie auf einmal verschwunden. Nur ihr Buch und ihre Handtasche lagen noch auf dem Stein.

Als Trude nicht mehr im Hotel erschien, wurden sofort Nachforschungen eingeleitet. Die Polizei fand die Tasche und das Buch und war sich sofort sicher: Es muss etwas Schlimmes passiert sein. Elf Tage dauerte die verzweifelte Suche nach der jungen Frau. Dann fand man ihre Leiche unter einem Felsen, versteckt unter Geröll und Gebüsch.

Der Fundort war nur ca. 100 Meter von dem Felsen entfernt, auf dem man sie zuletzt gesehen hatte. Sie war vergewaltigt und grausam getötet worden. DNS-Spuren gab es allerdings nicht. Die Polizei hat bis heute nicht bekanntgegeben, wie Trude eigentlich gestorben ist. Weltweite Nachforschungen Die Nachforschungen stellten die Polizei vor ein besonderes Problem: Die meisten Touristen bleiben nur ein bis zwei Tage in Geiranger. Als man die Leiche fand, waren bereits ganz andere Menschen in der Stadt, als an jenem Tag, an dem Trude verschwunden war.

Der Polizei gelang es trotzdem, 3000 von den ca. 5000 Personen zu finden, die am 8. August 1996 Geiranger besucht hatten. Außerdem wurden natürlich alle Anwohner und alle Langzeit-Touristen vernommen. Dabei wurden in 37 Ländern auch 15 000 Fotos eingesammelt, die von Touristen an diesem Tag gemacht wurden.

Alle wurden digitalisiert und analysiert. Auf einem Panorama-Foto ist Trude ganz schwach in der Ferne auf dem Felsen zu erkennen. Allerdings ist sie so weit weg, dass die Identifizierung nicht hundertprozentig sicher ist. Der verdächtige Deutsche Sehr bald wurde klar, dass ein wahrscheinlich deutscher Tourist für die Polizei von besonderem Interesse ist. Mehrere Zeugen haben ihn beobachtet. Und er hat sich sehr merkwürdig verhalten.

Die norwegische Crime-Sendung „Åsted Norge" (Tatort Norwegen), vergleichbar mit der deutschen Sendung „Aktenzeichen XY", hat mit diesen Zeugen gesprochen und jetzt erstmals diese Aussagen veröffentlicht. Bisher galten sie als anonym.

Eine der wichtigsten Zeuginnen ist Gry Isaksen Vangsnes aus Geiranger. Sie ging an diesem Tag ebenfalls am Fjord entlang - und sah Trude auf dem Felsen sitzen. Ungefähr 500 Meter weiter setzte sie sich selbst am Fjord in die Sonne. Auf einmal wurde sie von hinten von einem Mann auf Deutsch angesprochen.

„Wie viel Uhr ist es?", fragte er. Gry Isaksen erschrak, verstand jedoch Deutsch und antwortete: „17.10 Uhr". Dann ging der Mann weiter. Gry hatte ihn sehr nah gesehen und konnte eine sehr gute Beschreibung abliefern. Was ihn jedoch als Verdächtigen in den Mittelpunkt des Interesses rückte, war eine weitere Beobachtung. Ein schwedisches Ehepaar hatte den Mann nämlich kurz darauf ebenfalls gesehen. Die wichtigsten Zeugen Die Journalisten von „Tatort Norwegen" haben das Paar in Uppsala aufgespürt. Kriminalkommissar Asbjörn Hansen, der 1996 die Nachforschungen geleitet hat, traf sich für die TV-Sendung noch einmal mit Ronie und Birgitta Löv (heute beide 80).

Die beiden waren am 8. August 1996 auf dem gleichen Weg spaziert, an dem später die Leiche gefunden wurde. Diesen Weg muss Trude gegangen sein, als sie sich von ihrem Felsen zu dem Ort bewegte, an dem sie ermordet und verscharrt wurde.

„Erst sahen wir das Mädchen auf dem Felsen. Es las ein Buch. Nach einiger Zeit drehten wir um - und das Mädchen war weg. Wir sprachen sogar darüber." Dann musste Ronie auf einmal pinkeln. Er ging zur Seite ins Gebüsch, auch Birgitta ging etwas abseits. Da hörten sie jemanden schreien. Ronie ging hoch zum Weg, blickte nach rechts und sah einen Mann, der sich über jemanden beugte.

„Ich dachte, es ist ein Kind, das am Boden liegt, und dass ein Vater hier mit seinem Kind spielt. Der Mann fuhr hoch und starrte mich an. Ich sah seine Augen." Dass hier kein Kind lag, konnte er nicht sehen - dafür war die Entfernung zu groß. Ronie und Birgitta sind sich sicher: Der Mann auf dem Phantombild, der mysteriöse „Deutsche", ist derjenige, der ihn damals anblickte. „Es waren genau diese Augen." Ronie drehte um und ging zurück ins Gebüsch, aber als er und seine Frau nach wenigen Minuten auf den Weg zurückkehrten, waren der Mann und die Person am Boden verschwunden. Der Albtraum des Kommissars Kommissar Hansen arbeitet als Kriminalbeamter in der höchsten norwegischen Kripo-Instanz, vergleichbar mit dem Bundeskriminalamt. Er war damals der Soko-Chef, und ihn belastet der Fall bis heute. „Es ist ein Albtraum."

Immer wieder kamen Verdächtige ins Fadenkreuz. Als 2006 der deutsche LKW-Fahrer und Serienmörder Volker Eckard überführt wurde, fühlte man sich der Lösung schon ganz nahe. Er hat zwischen 2001 und 2007 auf seinen Fahrten sieben Frauen ermordet.

Er erhängte sich jedoch, noch bevor ihm der Prozess gemacht wurde. War er es? Trude passt nicht in das Opferschema. Alle Frauen, die Eckard getötet hat, waren Prostituierte. Außerdem mordete er ausschließlich in Südeuropa und Frankreich. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass er im August 1996 in Norwegen gewesen sein könnte.

Kommissar Hansen gegenüber BILD: „Dieses Phantombild wurde noch nie in Deutschland gezeigt. Ich wäre sehr froh, wenn sich die Nachforschungen auf Deutschland ausweiten könnten. Wir wissen mit Sicherheit, dass der Mann Deutsch sprach, aber natürlich könnte er auch aus Österreich gekommen sein. Ich hoffe immer noch, dass endlich sachdienliche Hinweise eingehen, damit wir den Täter überführen und den Fall abschließen können." Der „Deutsche" war 1996 zwischen 30 und 40 Jahre alt. Er ist sehr groß, die Zeugin hat ihn auf 1,80 Meter geschätzt. Er müsste heute zwischen 50 und 60 Jahre alt sein.

★★★

► Wer kennt den Mann auf der Phantomzeichnung und/oder kann Angaben zu seinem Aufenthaltsort machen?

► Wer hat die Tat beobachtet?

► Sachdienliche Hinweise nimmt „Tatort Norwegen" unter der E-Mail-Adresse „astednorge@tv2.no" entgegen - auch auf deutsch.

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