5 subscriptions and 5 subscribers
Article

Filmspot Südtirol: Das Tal der Filme

Hollywood, Bollywood – Schnalsywood? Die Filmbranche entdeckt das Schnalstal als
großartige Alpenkulisse. Es reicht von Apfelgärten bis zu den Gletschern des
Alpenhauptkamms, hat viele Klimastufen und noch mehr Facetten. Obendrein uralte
Höfe, fotogene Gipfel wie Einheimische – sowie Touren in alle Himmelsrichtungen.

Text Franziska Horn

Film ab: Dorfleben im Schnalstal. Kinder laufen lachend
um Holzhütten, ein Mann hackt Holz. Ein zweiter zieht
meckernde Ziegen am Strick hinterher. Fahles Tageslicht
fällt durch die Tür einer Hütte, die von einem offenen Feuer erhellt
wird. Eine Frau sitzt am Webstuhl. Szenen, wie sie bis vor
Kurzem noch in den Bergen zu finden waren, denn die bäuerliche
Lebensweise hat sich in den abgelegenen Dörfern lange erhalten.
Nur: Dies hier sind Spielfilmszenen. Die Menschen tragen Ziegenfell,
Lederleggins, Pfeil und Bogen. Es sind Anfangssequenzen aus
dem neuen Film „Der Mann aus dem Eis“ mit Schauspielstar Jürgen
Vogel. Sie beschreiben das Leben der Jungsteinzeit und rollen
das Schicksal der berühmtesten Gletscherleiche der Welt auf: Ötzi.

„Do, schaut’s mal, da stimmt was net! Die Ziegen tragen ja gelbe
Marken im Ohr. Wie unsere heute!“ Doris Wolf kann keiner
was vormachen. Mit Adleraugen hat Doris den winzigen Fehler in
den Filmszenen entdeckt. Die Schnalstaler Kleinbäuerin schickt
jährlich im Rahmen der UNESCO-geschützten Transhumanz
eigene Schafe über das Hochjoch zum Rofenberg. Eine Tradition,
die lebt wie vor tausenden Jahren. Wie damals bei Ötzi. Ihr Mann
Alexander Rainer wurde hier auf dem heimischen Brugghof geboren
und ist als Sohn von Bergbauern aufgewachsen. So ein ganz
kleines bisschen sieht sich Alexander als legitimer Nachfahre von
Ötzi. Mit ihren beiden Kindern Hannah und Jakob sitzen wir alle
zusammen im ultramodernen Wohnzimmer vor dem Fernseher
und schauen den ersten Spielfilm, der je über Ötzi gedreht wurde.
Ende November läuft er in deutschen Kinos an. Hier vom Brugghof
bis zum Fundort der Gletscherleiche am Hauslabjoch sind es
höchstens acht Kilometer.
(...)


Original