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Sie lassen sich nicht behindern

Bildrechte: Eva Steinlein

Junge Frauen kämpfen in der Ukraine für die Inklusion: Sie schaffen neue Vorbilder.

Von Eva Steinlein, Kiew / Saporischschja

Mit Daria Korschawina die Kiewer Prachtstraße Kreschtschatik zum Maidan entlangzuspazieren ist gar nicht so einfach: Immer wieder gehen Leute viel zu knapp an ihr vorbei, rempeln sie fast an, obwohl sie als einzige Person mit Blindenstock im Gedränge durchaus auffällt. „Es ist ein Teufelskreis", sagt die 27-Jährige, die seit ihrem zweiten Lebensjahr nicht mehr sehen kann: „Menschen mit Behinderung sind für die Gesellschaft unsichtbar, weil sie meist für sich bleiben. Sie sitzen zu Hause und haben Angst vor der Gesellschaft. Und die Gesellschaft hat Angst vor ihnen, weil sie sie nicht sieht und mit ihnen nicht umzugehen weiß."


Die Vorstellung, dass alle Menschen in der Ukraine von Natur aus gesund und stark sind, stammt noch aus der Zeit der Sowjetunion. Menschen mit Behinderung wurden damals ein Leben lang in Heime gesperrt und durften nicht am Alltagsleben teilnehmen. Das von Körperkult geprägte Menschenbild ist noch heute präsent: Eine Behinderung sehen die meisten als Defizit, dessen die Betroffenen sich schämen sollten und das ein eigenständiges Leben unmöglich macht.



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