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Kuscheln mit Kälbchen

Für Vicky Kahle ist es eine Leidenschaft, mit Gummistiefeln und Latzhose im Stall zu stehen. Denn die 25-jährige Oderwitzerin ist bereits seit ihren Kindheitstagen mit Kühen, dem Stall und der Landwirtschaft eng verbunden. Auch aus diesem Grund hat sie sich vor drei Jahren entschlossen, eine Ausbildung in einem der sogenannten „Grünen Berufe“ anzufangen. Doch, wie die Auszubildende berichtet, war das zunächst nicht ihr berufliches Ziel. „Nach der Schule habe ich zunächst eine Ausbildung zur Friseurin begonnen“, sagt Frau Kahle. „Aber es hat mich nicht so erfüllt wie erwartet, deshalb bin ich letztendlich doch umgestiegen.“


Nach Auffassung des Vorstandsvorsitzenden der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf, Harald Weickelt, die richtige Entscheidung. Denn im derzeitigen dritten Ausbildungsjahr gibt es nur 38 Auszubildende im Landkreis Görlitz. Betriebe in der Umgebung suchen immer wieder nach neuen Mitarbeitern. „Der Rückgang in den Ausbildungszahlen macht sich schon bemerkbar“, berichtet Weickelt. „Besonders der Tierwirt wird immer mehr gesucht und gebraucht.“ Doch finanziell kann der Beruf nicht überzeugen, das gibt der Vorsitzende zu. Erforderlich seien ein hohes Interesse und Spaß am Job. „Es hat sich gezeigt, dass die besten Mitarbeiter bereits seit der Kindheit am Feldrand stehen und somit bereits Erfahrungen besitzen.“


Vicky Kahle hat sich anfangs schwergetan, bis sie den Beruf Landwirtin für sich entdeckt hat. Ihren Schwerpunkt legte die Auszubildende beim Beginn dann aber auf die Rinderhaltung, die auch in der Region sehr gefragt sei. „Darunter zählen nicht nur die Aufzucht und Milchproduktion, sondern auch die Fütterung und Versorgung, damit es den Tieren gesundheitlich gut geht“, erklärt sie. Während ihrer dualen Ausbildung konnte die 25-jährige theoretische Grundlagen in der Schule, aber auch alle praktischen Abläufe in der Agrargenossenschaft Bertsdorf-Olbersdorf bereits kennenlernen.

Am vergangenen Donnerstag konnte sie ihr Wissen dann auch direkt unter Beweis stellen. Nach der Anfang Juni geschriebenen Prüfung, kam nun der praktische Test. In diesem spielten unter anderem die Milchgewinnung mit der richtigen Technik eine wichtige Rolle, aber auch die Kontrolle der Qualität und die Überprüfung der Hygienebestimmungen. „Außerdem geht es um den betrieblichen Ablauf und praktische Fähigkeiten im Stall“, so Axel Schröter. Er ist mit René Hesse aus Rosenhain einer der Prüfer an diesem Vormittag gewesen und kommt von der Miku Agrarprodukte GmbH aus Oberseifersdorf. Überzeugt von Vicky Kahle ist er allemal: „Ihre praktischen Fähigkeiten sind sehr gut, und hervorragende Kenntnisse besitzt Frau Kahle auch im betrieblichen Ablauf.“


Zufrieden ist auch Vicky Kahle, doch „besser könnte es immer sein“. Die 25-Jährige freut sich auf die kommende Arbeit und will auch weiterhin der Region treu bleiben. Wie die Oderwitzerin sagt, soll nun erst einmal ein Jahr Praxis im Agrarbetrieb folgen. Aufstiegsmöglichkeiten werde sie danach aber auch verfolgen: „Später kann ich mir sicher vorstellen, eine Weiterbildung zur Wirtschafterin zu belegen.“ Ein weiterer Aufstieg ist auch noch bis zum Meister möglich, erklärt der Vorstandsvorsitzende Harald Weickelt. Doch bis dahin hat die junge Frau noch Zeit. Denn erst am 21. September, zur offiziellen Freisprechungserklärung in Löbau, bekommt sie dann die offizielle Bestätigung zur absolvierten Ausbildung als Tierwirtin.

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