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Dating-Regeln: Dating-Regeln, die du vergessen kannst! - FIT FOR FUN

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Dating-Regeln damals und heute


Wie wurde in diesen Zeiten eigentlich geflirtet - und vor allem: Was davon gilt noch? Wie hat man sich damals eigentlich verabredet? Man musste tatsächlich persönlich oder am Festnetztelefon (an dem ein Kabel hing) miteinander sprechen. Handys hatten nur Banker oder Makler, alle anderen sparten aufs Schnurlostelefon. Privatgespräche waren schwierig, denn die Eltern oder die WG-Mitbewohner hörten mit. Besonders nervenzehrend allerdings: Man musste ganze Abende zu Hause bleiben, um diesen einen Anruf nicht zu ver­passen. Der vielleicht größte Unterschied zu heute: Man musste mutig sein und die Gelegenheit nutzen, wenn der Schwarm zufällig in der Nähe war, und tatsächlich den Mund aufmachen, um zu flirten.


Heute hingegen reicht online ein schlichtes „Hi" oder ein beiläufiges Like, um Kontakt aufzunehmen.


Wer ist nur dieser süße Typ mit den struppigen Haaren? Selbst wenn wir irgendwann den Namen kannten, konnten wir herrlich viel in einen Flirt hineinprojizieren. Heute brauchst du nur wenige Klicks, um eine Person zu durch­leuchten. Das birgt weniger Spannung, ist allerdings effektiver. Dass du deine Zeit mit dem Falschen oder einem Blender vergeudest, ist viel unwahrscheinlicher geworden. „Komme 15 Minuten später" als SMS, das ging eben nicht. Dein Date war entweder weg, sauer oder besonders duldsam. Heute kannst du eine Verspätung aus wichtigen Gründen (Stau, Krankheit, Unfall) mitteilen, jedoch nicht öfter als einmal. „Wer Dates ständig verschiebt, signalisiert, dass man sich keine Mühe gibt und letztlich kein Interesse hat", urteilt der Paarberater und Buch­autor Eric Hegmann.


Ungeschriebene Dating-Gesetze


60 Prozent der Männer finden es gut, wenn sie sich rar macht. Und Frauen überlassen gern ihm die Initiative. So das Ergebnis einer Studie der Online-Partnervermittlung ElitePartner.de unter 7.000 Teilnehmern. Das förderte die Umfrage außerdem zu Tage:

Nur knapp jede dritte Frau traut sich, einen Mann um eine Verabredung zu bitten. Dabei finden es 93 Prozent der Singlemänner gut, wenn Frau fragt. So macht SIE es richtig: „Männer schätzen es zwar, wenn Frauen die Initiative ergreifen", erklärt Diplom-Psychologin Lisa Fischbach von ElitePartner.de. „Trotzdem verunsichert sie weibliche Dominanz relativ schnell. Seien Sie also nicht zu forsch! Lassen Sie ihm Spielraum für Aktivität: Fragen Sie nach einem Date, aber lassen Sie ihn einen Ort vorschlagen."


Sie macht sich rar

60 Prozent der Männer finden es gut, wenn sie um eine Frau kämpfen müssen. Umgekehrt macht sich jede Zweite beim Kennenlernen rar, damit er sich mehr bemüht. Tipp der Expertin: „Wir begehren das, was wir nicht haben können. Deshalb ist der alte Ratschlag ‚rar machen' gar nicht verkehrt, um Interesse anzustacheln." Wichtig sei aber die Balance: „Zeigen Sie keine kalte Schulter, aber reden Sie auch nicht gleich von Heirat. Das richtige Maß an Zuwendung und Erobern lassen macht das Kennenlernen auch ohne Machtspielchen spannend", so Fischbach.


  Er ruft als Erster an


80 Prozent der Männer rufen bei Interesse nach dem ersten Date schnell an. Drei Viertel der Frauen warten ab, bis er sich meldet. Tipp: „Männer sind meist wenig zurückhaltend, wenn ihnen eine Frau gefällt", so Fischbach. „Doch natürlich kann auch frau den ersten Schritt tun. Wenn er wirklich interessiert ist, freut er sich!"


  Retro-Regeln, die (leider) noch gelesen werden


Das Buch „The Rules" der US-Autorinnen Ellen Fein und Sherrie Schneider wurde für Millionen Frauen zur Bibel. Dabei schafften die „Rules" das Kunststück, schon im Erscheinungsjahr (1995) absolut retro zu wirken, wie ein Rückgriff auf die 1950er-Jahre. Kostprobe: „Beenden Sie alle Telefongespräche nach zehn Minuten, rufen Sie einen Mann nie an, und rufen Sie nicht zurück." Alle Dates soll die Frau beenden, der Mann soll trotzdem zahlen. Und: „Nehmen Sie nach Mittwoch nie eine Einladung für Samstag an. So wirken Sie beschäftigt." Probier das mal heute mit einem Tinder-Flirt, nicht ein einziges Date würde jemals zustande kommen. Oder doch? Hegmann über „Rules": „Ein schlimmes Buch. Es wird ein Beziehungsmodell gemalt, in dem die Frau Gunst gewährt und der Mann sich Mühe gibt, diese zu gewinnen. Auf Augenhöhe sind die Partner dort von Anfang an nicht."


Aber: Vorsicht, Männer, das Buch wird bis heute gelesen!


  Romantik in Zeiten von Tinder und Co.?


Ist das Flirten dank Dating-Apps heute weniger spannend? Single-Coach Eric Hegmann findet: „Wir flirten anspruchsvoller, denn unsere Wünsche an eine Beziehung sind höher als vor zwanzig Jahren. Weil Liebe als höchstes Gut gilt, fürchten wir uns vor der falschen Entscheidung. Das mag wie Unverbindlichkeit wirken, ist vor allem aber Angst, nicht richtig zu wählen. Partnersuche ist so romantisch wie immer, aber stärker von Verlust- und Bindungsangst geprägt." Die Zeiten des Wartens auf DEN Anruf sind also vorbei? „Ich fürchte nein. Heute ist es zwar eher die Textnachricht als der Anruf, aber das Hoffen und Bangen, das Interpretieren, das Ausharren wider besseren Wissens - all das ist heute so aufregend, anstrengend und euphorisierend wie jeher." Und das sollten wir als gute Nachricht betrachten.

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