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Assekuranz (ver)wandelt sich

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Die Assekuranz befindet sich im Umbruch. Digitale Transformation verändert die Spielregeln der Branche und zwingt Versicherer zum Umdenken. Es ist die tägliche Verwandlung der Versicherer.


(db finanzwelt) Impulse aufwerfen und sich von alten Denkmustern lösen stand im Mittelpunkt der ersten Ausgabe des Innovationslabors CREATE! von Simon-Kucher & Partners, das vergangene Woche in den Kreativräumen des „New Yorker" in Köln stattfand.


In kreativen Workshops und Diskussionen beschäftigten sich die Teilnehmer und Simon-Kucher Experten mit dem Thema „Zukunft pro-aktiv gestaltet: Versicherungen aus Perspektive des modernen Kunden". Neue interaktive Methoden der Teamarbeit trugen dazu bei, dass bestehende Denkmuster gelöst werden konnten. Vieles wurde in den Häusern der Assekuranz im Zuge der digitalen Transformation bereits angestoßen. Nun folgt die Phase der Konkretisierung und des Realismus.


„Die Unsicherheit in der Branche ist groß, denn die meisten digitalen Aktivitäten haben noch nicht zu Wachstum geführt. Viele fragen sich, wie die nächsten Schritte aussehen müssen", so Dr. Dirk Schmidt-Gallas, Senior Partner bei Simon-Kucher und Leiter der globalen Insurance Practice.


Assekuranz, Menschen und Maschinen

Einen Überblick über den Einsatz künstlicher Intelligenz (KI) entlang der Wertschöpfungskette, insbesondere im Verkauf, gab Frank Gehrig, Partner bei Simon-Kucher, in seinem Impulsvortrag.


Beispiele aus anderen Branchen, wie als Lösung der Unterhaltungsindustrie, zeigen den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in Form von automatischer Nutzerdaten-Auswertung und Erstellung von persönlichen Empfehlungen durch Algorithmen. Auch in der Assekuranz steigern Personalisierung, individuell-passende Produktvoreinstellungen, Argumentation und Visualisierungen die Kaufwahrscheinlichkeit. Datengetriebene Konzepte sind deshalb sofort umzusetzen. Ein KI-Feuerwerk braucht dafür aber nicht gezündet zu werden.


„Wir haben keine 6.000 Filme und Serien im Schrank stehen", so Gehrig.


Vielmehr sollten einige dringende Hausaufgaben erledigt werden.


„Wenn selbst beste Leads, wie die gerade erwachsenen Kinder von Eltern mit drei Verträgen nicht angesprochen werden, wenn Apps gebaut werden, die kaum runtergeladen und noch weniger genutzt werden, wenn Spartensilos auf Kundenrealität treffen, dann sind das riesige, tiefsitzende Probleme."


Laut Gehrig hilft hier keine KI, sondern es bedarf zunächst klarer Richtungsentscheidungen.


„Dann kann geprüft und umgesetzt werden, in welcher Form zum Beispiel vereinzelt automatisierte Prozesse sinnvoll eingesetzt werden können", so Experte Gehrig zur künftigen Kooperation zwischen Mensch und Maschine in der Assekuranz.


Dr. Moritz Finkelnburg von der Goethe Business School gab spannende Einblicke in die Welt der neuen Player in der digitalen Assekuranz und deren Interessen.


„InsurTech, Akzelerator und Influencer sind endgültig keine Nischenthemen mehr und in der allgemeinen Diskussion zur Zukunft der Branche angekommen. Jedes Versicherungshaus, auch kleine, regionale Versicherer, sollten sich damit beschäftigen, wie sie ihre Wertschöpfungskette konsequent digital durchorganisieren können", so Experte Finkelnburg.


„Versicherer müssen die Chancen der Digitalisierung nutzen, um ihre Kunden aktiv - und durchaus auch spielerisch - in den Verkaufsprozess einzubinden, um damit das Produkt ‚Versicherung' erlebbar machen", so Expertin Stefanie zur Horst.


Wie persönlicher Verkauf im Zeitalter der Digitalisierung erfolgreich gelebt werden kann, zeigte Stefanie zur Horst, Director bei Simon-Kucher & Partners, anhand von praktischen Beispielen aus aktuellen Projekten.


Verwandlung der Versicherer

Umdenken und sich von alten Denkmustern lösen bedeutet auch, einmal über den Tellerrand hinauszuschauen - und von anderen Branchen zu lernen. Dass es bei der Produktentwicklung - unabhängig von der Branche - immer entscheidend ist, den Kunden mit seinen Bedürfnissen an den Anfang des Prozesses zu stellen, erläuterte Dr. Martin Gehring, Partner bei Simon-Kucher, am Beispiel der Automobilindustrie.


„Viele Unternehmen machen den Fehler und entwickeln Produkte aus rein unternehmensinterner Sicht. Für eine erfolgreiche Positionierung am Markt müssen sich Unternehmen jedoch frühzeitig damit beschäftigen, was ihre Kunden wirklich wollen und was sie bereit sind, dafür zu zahlen", so Gehring.


„Viele digitale Initiativen sind in der Assekuranz bereits angestoßen worden. Nun gilt es sicherzustellen, dass sich die digitalen Bemühungen endlich auch angemessen im Umsatz und Ertrag widerspiegeln. Hier gilt: frühzeitig den Mehrwert von Initiativen abwiegen, denn oft verschlingt punktueller Aktionismus enorme Ressourcen", warnte Schmidt-Gallas abschließend.


Täglicher Wandel der Assekuranz

Es sei an der Zeit das Modewort „Digitalisierung" durch Praxis in der Assekuranz umzusetzen. Das ist nicht nur die Aussage dieser Tagung, sondern die Anwendung und Transformation von Finanz- und Geldwissen in den Alltag der Assekuranz. Es gilt: Einfach machen durch einfach machen.


Dietmar Braun (db)


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