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20.000 Euro im Bus entdeckt - aber noch kein Finderlohn

Es war nur ein kurzer Blick, vom Fenster hinüber auf den Platz neben ihr. Sophie Dorison saß hinten im HVV-Bus der Linie 35 in Eppendorf, drehte sich etwas und wollte eben ihre Handtasche ablegen – da entdeckte sie eine bunte Plastiktüte. Darin ein weißes Blatt Papier ohne Aufschrift und ein dunkler Beutel, etwas geöffnet, voll mit aufgerollten 500-Euro-Scheinen. 20.000 in bar insgesamt. "Das ist im ersten Moment wie ein Film", sagt Sophie Dorison.

Ihr Fund vom 2. August ist für die 45-Jährige noch immer aufregend. Sie dachte zunächst, das Geld würde bald vermisst werden. "Bis zum Eppendorfer Marktplatz saß eine Dame neben mir, fein gekleidet, mittleren Alters. Vielleicht war es ihr Geld", sagt Dorison. 

Doch die Frau meldete sich bislang nicht, auch niemand anderes, dem die große Barsumme gehören könnte. "Die ganze Verpackung sah aus, als wäre das als großes Geschenk für jemanden gedacht." Auch deshalb war für Sophie Dorison schnell klar, dass sie das Geld zur Polizei bringen sollte, "damit ich niemanden sehr traurig mache".

Die Finderin dachte allerdings auch, dass sie für ihre Ehrlichkeit zumindest den regulären gesetzlichen Finderlohn von drei Prozent erhalten würde, in diesem Fall 600 Euro. Ein Irrtum. Der Paragraf 978 des Bürgerlichen Gesetzesbuchs (BGB) gibt bei Funden in Behörden und dem öffentlichen Nahverkehr besondere Regeln vor: Die Finder bekommen nur 1,5 Prozent Finderlohn und haben keinen Anspruch auf Geld oder Wert­sachen, wenn sich der eigentliche Eigentümer nicht meldet. 

Bis Sophie Dorison davon erfuhr, tingelte sie einige Tage durch Informations- und Beschwerdestellen. "Ich habe das Gefühl, als ehrliche Finderin auch ein bisschen die Dumme zu sein", sagt die 45-Jährige. Juristen der Hochbahn und des zuständigen Bezirksamts Altona mussten sich selbst erst durch den Gesetzestext kämpfen: "Das BGB stammt bekanntlich aus dem 19. Jahrhundert. Den genauen Grund für diesen speziellen Paragrafen kennen auch wir nicht", sagt ein Sprecher. Klar ist inzwischen nur, dass das Geld nach sechs Monaten Frist an die Stadt gehen würde.

Ob Dorison dann ihren Finderlohn erhalten würde, ist unklar. Das Fundrecht sieht dafür teilweise auch Dreijahresfristen vor. Sophie Dorison hofft, dass sich der oder die Eigentümerin bald meldet, "ich wünsche es ihm oder ihr von Herzen, dass sie oder er ihr eigenes Geld zurückerhält." Ansonsten, sagt sie, bliebe bei ihrem Megafund ein Beigeschmack: "Ich könnte mich sonst auch nicht sehr über einen Finderlohn freuen – egal, wie hoch er genau ist." 

(crh)
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