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Düsseldorf: Weihnachten in der Arche

Birgit Boussaida und ihre 13-jährige Tochter Assiya nutzen regelmäßig die Angebote der Hilfseinrichtung in Wersten. Besonders zu Weihnachten bedeutet ihnen die Unterstützung viel.

Der Trubel vor der geschlossenen Bürotür ebbt langsam ab. Gerade noch haben die Kinder nebenan im Aufenthaltsraum das Törchen am Adventskalender geöffnet. Vor dem Fenster wird es allmählich dunkel. Jetzt herrscht Stille im Büro der Arche im Werstener Feld. Birgit Boussaida hat es sich auf einem Bürostuhl gemütlich gemacht. Neben ihr sitzt Heiko Metz, Leiter der Arche. Sie unterhalten sich - über die vergangenen Ferienfreizeiten, die Veranstaltung am Nikolaustag und die Weihnachtsfeier. Beide sind per du, schließlich kennen sie sich schon seit zweieinhalb Jahren.

Die Boussaidas sind eine von vielen Werstener Familien, denen die Freizeiteinrichtung und die dazugehörige Kita eine Unterstützung ist. Vom Freizeit- und Ferienprogramm, über Hausaufgabenbetreuung bis hin zur Einzelförderung reicht das Angebot des christlichen Kinder- und Jugendwerks. "Viele sind dankbar für die Unterstützung hier", sagt auch Birgit Boussaida.

Sie spricht aus Erfahrung. Ihre Tochter Assiya nimmt regelmäßig am Freizeitprogramm der Arche teil, ihre Enkelin hat einen Platz in der Kita. Vor zweieinhalb Jahren war die Familie noch auf sich allein gestellt. "Da ich bin sehr viel arbeiten gegangen", erinnert sich Birgit Boussaida. Wenn sie spätabends vom Schichtdienst kam, war ihre Tochter meist schon eingeschlafen. Den Tag verbrachte Assiya da noch in der Betreuung der Schule, abends wartete ihr Zimmer. "Wenn ich ihr vorgeschlagen habe, rauszugehen, hatte sie dazu keine Lust", sagt Birgit Boussaida. "Assiya hat damals bestimmt auch nächtelang geweint." Einen weiteren Einschnitt in das Familienleben brachte dann die Schwangerschaft von Assiyas großer Schwester. "Da bin ich dann in Großelternzeit gegangen, um mich um beide Kinder zu kümmern", sagt die 47-Jährige. Mittlerweile bekommt sie Hartz IV.

Geldsorgen sind in der Arche ein gängiges Thema. Das kostenlose Mittagessen für ihre Kinder nehmen viele Eltern daher gerne an. "Wir verteilen auch regelmäßig Lebensmittelpakete", sagt Heiko Metz. Die Vorweihnachtszeit ist für viele besonders schlimm. Denn die Wünsche der Kinder können viele Eltern nicht erfüllen. "Die Kleine wünscht sich jetzt ein gebrauchtes iPhone", erzählt Boussaida. "Ich hoffe, ich krieg das noch auf die Reihe." Sie schüttelt den Kopf, bevor sie nachsetzt: "Ich weiß nur nicht wie."

Trotz der finanziellen Krisen hat die Familie dank der Arche wieder zueinander gefunden. Besonders der 13-jährige Assiya tut das Freizeitprogramm gut. Sie erinnert sich an ihren ersten Tag in der Arche: "Eine Freundin hat mich mit hierhin gebracht. An dem Tag war hier aber nicht viel los." Trotzdem fand das Mädchen schnell Anschluss, auch wegen seiner Begeisterung für Musik, Tanz und vor allem Schauspiel. Bei den Musicals der Arche ist Assiya daher immer dabei. Diese Leidenschaft macht sich auch zu Hause bemerkbar. "Assiya ist jetzt viel offener und selbstbewusster geworden", sagt ihre Mutter. "Sie kommt jeden Tag nach Hause und erzählt mir ganz begeistert, was ihr passiert ist."

Im vergangenen Jahr kam die große Überraschung: Gemeinsam mit anderen Kindern stand Assiya im Capitol-Theater für den "Geist der Weihnacht" auf der Bühne. "Da erinnere ich mich zu dieser Zeit immer wieder dran. Das war wunderschön", so Birgit Boussaida. "Assiya hat auch am häufigsten gespielt. Bei ihr steckt da noch viel mehr hinter", sagt Heiko Metz. "Gerade wenn Kinder Zuhause oder in der Schule Probleme haben, ist es wichtig, dass sie Sachen finden, wo sie denken, da kann ich ja doch was."

Dank der Unterstützung freuen sich Mutter und Tochter jetzt gemeinsam auf das Weihnachtsfest. "Schade nur, dass wir im nächsten Jahr aus Wersten wegziehen", sagt Birgit mit traurigem Blick. Die allerletzte Weihnachtsfeier im Kreise ihrer Freunde von der Arche war deshalb für die beiden ein besonderer Höhepunkt. "Es ist hier wie eine große Familie", sagt Birgit Boussaida.

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