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Uni führt Jodeln als Studiengang ein

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Volksmusik hat eine lange Tradition in der Schweiz. Ein Abschluss im Jodeln ist aber selbst dort einzigartig. An der Hochschule Luzern gibt es ab Herbst einen Studiengang, der das Singen ohne Text lehrt. Der traditionelle Jodelverband ist dennoch nicht begeistert.

Nadja Räss gehört zu den großen Stars in der Schweiz. Regelmäßig steht die Musikerin im Trachtenkleid auf der Bühne - und jodelt. Sie hat schon mehrere Preise gewonnen und komponiert auch selbst neue Jodellieder. Im September wechselt die studierte Sängerin in den Hörsaal: An der Hochschule Luzern wird sie ab dem kommenden Studienjahr die erste Jodeldozentin des Landes.

Für die Hochschule ist Nadja Räss ein Glücksfall. Sie ist "saugut", sagt der Leiter des Musikbereichs Michael Kaufmann. Jodeln anzubieten, das habe die Hochschule schon seit Jahren vorgehabt. Doch bisher hätten gut ausgebildete Gesangspädagogen gefehlt. Denn nicht nur der "Jodel" müsse gut beherrscht werden, sagt Räss, sondern die Pädagogen müssten auch die verschiedenen Stile und Klangfarben kennen.

Genug Erfahrung hat Räss - vor neun Jahren gründete sie ihre eigene Jodel-Akademie. Eine Herausforderung wird das neue Lehramt trotzdem für sie, immerhin übernimmt sie zusätzlich auch die Leitung des kompletten Volksmusik-Bereichs an der Luzerner Hochschule. Volksmusik als Studiengang gibt es sonst nirgendwo in der Schweiz. Das Fach wird schon seit 2010 gelehrt.

Wird das Jodeln "akademisiert"?

Um in der Szene Fuß zu fassen, ist ein professionelles Volksmusikstudium jedenfalls nicht falsch: Alle 25 Absolventen des Studiengangs hätten sich zu Jungstars in der Schweiz entwickelt, sagt Kaufmann. Ob das die Jodelabsolventen auch schaffen werden, bleibt abzuwarten.

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Aber nicht jeder darf das Jodel-Fach belegen. Wie bei jedem Musikstudium gibt es auch in Luzern eine ganz normale Aufnahmeprüfung. Zum Hauptfach Jodeln in dem Bachelor-Studium kommen dann noch Kurse wie Musiktheorie und Musikgeschichte - und Unterricht auf typischen Volksmusikinstrumenten wie Akkordeon oder Hackbrett.

Obwohl Volksmusik in der Schweiz einen hohen Stellenwert hat, sind nicht alle begeistert von dem neuen Studienangebot. Der Eidgenössische Jodlerverband hat Sorge, dass das traditionelle Jodeln damit "akademisiert" wird. Die Idee sei noch nicht ausgereift, sagte Vizepräsident Richard Huwiler der Luzerner Zeitung, außerdem biete der Jodlerverband selbst schon Kurse an.

Quelle: n-tv.de

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