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HASHTAG FESTIVAL Coachella Festival: Wilkommen am Festival des Konsumwahnsinns und der Selbstinszenierung

Fransentaschen, Glittershorts und Netzstrümpfe wohin das Auge reicht. Mit Musik hat das amerikanische Coachella-Festival schon lange nichts mehr zu tun.


Das Coachella-Festival war einmal ein cooles Festival mitten in der kalifornischen Wüste. Heute ist es der feuchte Traum aller Instagrammer und derjenigen, die mit ihnen kooperieren wollen. Was sie aber vergessen haben: Niemand nimmt ihnen das „Festivalfeeling“ tatsächlich ab.


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Stattdessen fühlt es sich eher an, als hätte man eine Horde von Bloggern in mehrere Flugzeuge verfrachtet und nach Kalifornien gekarrt, um sie dort für Social Media wirksame Kooperationen auszuschlachten. Keine der deutschen Bloggerinnen auf dem Festival, denen ich dieser Tage auf Instagram folge, ist nicht von irgendeiner „hippen“ Firma gesponsert. Bloggerin A , sie hat knapp 700 Tausend Follower, ist beispielweise mit einer Frisurenmarke vor Ort. 18 (!) Instagram-Postings in vier Tagen zeugen von einer sehr lukrativen Kooperation. Das man im normalen Leben jemals so auf ein Festival geht, nehme ich ihr nicht ab.
Bloggerin B, sie hat über eine Mio. Instagram-Follower, schafft es sogar mit 20 (!!) Coachella-Postings in meinen Feed. Ihr Festival-Look besteht aus einem Oberteil von Dior, einer Fendi-Tasche und einer Sonnenbrille von MiuMiu. Sie posiert mit Nicole Richie und Chiara Ferragni auf hippen Privat-Partys, die abseits des Coachella stattfinden. In keinem der 20 Postings finde ich einen Hinweis auf Künstler oder die Musik des Festivals. Stattdessen aber ganz viele Kaktus- und Blumenemojis und noch mehr Markennamen.

Die beiden stehen stellvertretend für einen Konsumwahnsinn, der die Bloggerbranche - zumindest am Coachella-Festival - voll im Griff zu haben scheint. Statt authentischen Bildern, sehe ich nur noch perfekt inszenierte und professionell fotografierte Posts, die mit Festival (und vor allem Musik!) nur noch wenig zu tun haben.

Auffallen um jeden Preis

... heißt es nicht nur bei den Bloggerin, sondern besonders bei den Stars, die sich ebenfalls in Scharen am Coachella tummeln und in den nächsten Wochen kräftig die "Festival-Style"-Rubriken diverser Magazine füllen werden. 

Damit auch wirklich jeder mitbekommt, dass man da war, scheint fast jedes Mittel recht, um aufzufallen. Sängerin Rihanna schlüpft für das Coachella in einen Glitzer-Morphsuit, der an geschmackliche Grenzen stößt, Insta-Starlet Kylie Jenner versucht es stattdessen mit neonfarbenen Haaren.


Ein typischer Festival-Look eben.


Es geht auch anders

Zum Glück gibt es auch Bloggerinnen wie Masha Sedgwick, die dem Coachella-Wahnsinn mittlerweile den Rücken gekehrt haben. In fünf Punkten beschreibt die Berlinerin auf ihrem Blog, warum sie sich das Festival dieses Jahr nicht mehr antun wird. "Ich will dahin, weil ich dort echten Spass habe und ihn nicht für meine Auftraggeber spielen muss und eigentlich total gestresst bin, weil ich gezwungen werde, 100 Fotos hochzuladen mit noch mehr Hashtags, bis meine Follower mir entfolgen, weil sie genervt sind. Wo ist da noch der Nutzen?", schreibt Sedgwick.

Ihr Blog-Artikel ging viral - und hatte vermutlich mehr Aufrufe als alle Postings über das Coachella ihrer Blogger-Kolleginnen zusammen. Und zeigt, dass eigentlich die Bloggerinnen am Coachella die einzigen sind, die überhaupt noch Interesse an dem haben, was sie posten. Die meisten ihrer AbonnentInnen sind mittlerweile einfach nur noch genervt.

 

Bloggerinnen wurden lange Zeit dafür gefeiert, "authentisch" und "echt" zu sein. Was an einer Horde von jungen Frauen, die professionell gestylt, fotografiert und gesponsert werden, authentisch sein soll, ist allerdings fraglich.

In den letzten Tagen habe ich jedenfalls viel über „tolle“ Marken, perfektes Styling und „glückliche“ Menschen gelernt – welche KünstlerInnen auf dem Coachella aufgetreten sind, weiß ich allerdings bis jetzt nicht.


[veröffentlicht auf wienerin.at // http://wienerin.at/home/leben/reisen/5203203/Hashtag-Festival_Coachella-Festival_Wilkommen-am-Festiv...]