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30 Frauen: Sportmoderatorin Kristina Inhof: "Ich habe gelernt, mich durchzusetzen"

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30 Jahre Wienerin - 30 Frauen im Porträt: Anlässlich des WIENERIN-Jubiläums widmen wir uns ein Jahr lang 30 starken Frauen, die uns beeindrucken. Heute im Interview: Sport-Journalistin Kristina Inhof. Frauen in männerdominierten Jobs haben es auch heute nicht immer leicht. Schon gar nicht, wenn die Männerdomäne Fußball heißt. Da fährt der Zug drüber, da heißt es dann "Schluss mit lustig". Das hat erst kürzlich die deutsche Kommentatorin Claudia Neumann miterleben müssen. Sie wurde nach ihrer EM-Kommentation in den sozialen Medien zum Teil wüst beschmipft. "Frauen sollen wieder lieber an den Herd zurück", war noch einer der harmloseren Kommentare. Da scheint es fast verwunderlich, dass die Sportjournalistin und Moderatorin Kristina Inhof, bisher keine schlechten Erfahrungen mit derartigen Hasskommentaren gemacht hat. Im Gegenteil - sie ist auch unter eingefleischten Fußball-Fans äußerst beliebt. Kaum ein schlechtes Wort, dass in Foren oder Facebook-Kommentaren über sie verloren wird. Das war aber auch nicht immer so. Auch Inhof kennt das Business und Sexismus war auch während ihren Anfängen als Sportmoderatorin bei Puls4 ein Thema ("Blondine im Sport"). Damals war sie blond, mittlerweile hat sie aus beruflichen Gründen die Haarfarbe gewechselt. Was eigentlich ein belangloses, äußerliches Faktum ist, hat aber durchaus ernste Hintergründe: "So banal es klingt, aber im Sport können erst gar nicht blöde Sprüche über die blonde Haarfarbe aufkommen, wenn man sie gar nicht erst hat". Durchaus bedauerlich, dass die Haarfarbe im Sportjournalismus heute noch eine so große Rolle spielt. Nur, weil man blond ist, weniger ernst genommen werden? Bei Männern schwer vorstellbar... Der Sport hat, wie nur wenige andere Branchen, noch sehr stark mit dem Thema Sexismus zu kämpfen. Da hilft es natürlich wenig, wenn Wettanbieter mit nackten Frauenpos werben und Ski-Sportdirektor Schröcksnadel seinen weiblichen Schützlingen Schminkstunden offeriert. Umso wichtiger, dass ORF-Fernsehdirektorin Kathrin Zechner auf kompetente weibliche Verstärkung in der Sportredaktion setzt. Kristina Inhof und Alina Zellhofer sind bei der laufenden EM als Moderatorinnen live vor Ort.

Wir trafen die 27-Jährige zum Interview und sprachen mit ihr über ihren Beruf als ORF-Sportmoderatorin, Hasskommentare im Netz und Sexismus in der Männerdomäne Fußball.

Wie sind Sie eigentlich zu Ihrem Beruf als Sportmoderatorin gekommen? Berufung oder eher Zufall?

Kristina Inhof: Der Grundstein dafür wurde in der Schule gelegt. Da hatte ich ein Schulfach, in dem es um das Präsentieren ging. Dort habe ich gemerkt, wie sehr mir das Reden vor anderen Spaß macht. Nach der Matura habe ich dann Ausbildungen bei diversen Radiosendern absolviert und mir selbst Sprechtrainings organisiert. Nach Stationen bei W24, Puls4 und Sky Sport wurde ich schlussendlich im letzten Jahr vom ORF gefragt, ob ich die "Große Chance der Chöre" moderieren möchte und ein wenig später kam die Anfrage, ob ich auch Sport im ORF machen würde.

Scheint ja als wäre es dem ORF und Frau Zechner ein Anliegen mehr Frauen einzustellen?

Genau. Das ist ein Trend, der sich auch in Deutschland schon seit langer Zeit abzeichnet. Dass auch viele Frauen die gleichen Aufgaben im Sportjournalismus übernehmen wie Männer. Wobei man dazu sagen muss, dass sich das nicht auf die KommentatorInnen-Branche bezieht. Erst vor kurzem habe ich gehört, dass für das deutsche Fernsehen bei der EM die erste Frau kommentieren wird - das gab es bis jetzt noch nicht. Wobei ich dazu sagen muss, dass ich das Moderieren und Interviewen bevorzuge.

Worin liegen die Herausforderungen des ReporterInnendaseins am Feld in der Männerdomane Fußball?

Es ist schon sehr anspruchsvoll. Bei Sky bin ich früher nur in einem Studio gesessen und habe von dort aus moderiert. Es ist etwas ganz anderes, wenn man am Platz steht, teilweise mit einem lauten Stadion im Hintergrund und sich aber vor der Kamera präsentieren muss, als wäre es nichts. Die Spieler sind teilweise genervt oder emotional und wenn man dann noch eine Frage stellt -gerade als "Mädel"- muss man hoffen, dass sie sich nicht denken "Was will die denn von mir?". Das ist schon schwierig. Aber es wird immer besser mit der Zeit.

Also haben Sie schon manchmal das Gefühl, dass Sie am Spielfeld anders behandelt werden, weil Sie eine Frau sind?

( kurze Pause) Nein, nicht unbedingt. Ich habe zumindest keine beispielhafte Erfahrung gemacht, bei der ich das Gefühl hatte, dass die Spieler mit einem Mann anders umgegangen wären. Sie respektieren mich und ich versuche ihnen auch so kompetent wie möglich zu begegnen, mich mit Gefühl ihnen zu nähern und mich in sie hineinzuversetzen. Vielleicht finden sie das auch ganz gut.

Und wie läuft die Arbeit in einer Sportredaktion mit mehrheitlich männlicher Beteiligung?

Ich komme mit meinen Kollegen sehr gut klar. Ich habe schon immer fast nur mit Männern gearbeitet. Das ist im Sport natürlich so, dass eben ein Großteil aus Männern besteht. Ich kann mittlerweile auch gut mit Witzen umgehen, die ein bisschen unter der Gürtellinie sind. Ich hab auch einfach gelernt, mich durchzusetzen und zu kontern.

Wenn man sich die Kommentare auf Facebook und Co. ansieht, sind Sie - im Gegensatz zu ORF-Moderatoren wie Rainer Pariasek oder Oliver Polzer - meistens auch von jeglicher Kritik ausgenommen. Woran denken Sie liegt das?

Wahrscheinlich liegt es daran, dass ich noch recht neu bin. Meine Kollegen sind auch schon lange im Business und haben viel gemacht. Klar gibt es Leute, die sich über sie aufregen. Das ist im Sport auch einfach. Als Sportfigur, ModeratorIn oder KommentatorIn polarisiert man deswegen so schnell, weil Sport etwas ist, dass jeder ganz unterschiedlich empfindet. Der Kommentator und Moderator muss immer eine Meinung beziehen. Wenn die Leute zuhause das anders sehen, dann regen sie sich darüber auf. Wie man so schön sagt: Es gibt eben 8 Mio. Teamchefs in Österreich und jeder hat eine andere Meinung.

Ich sage auch immer, dass Leute, die immer im Internet so draufhauen und kommentieren, selber mit sich im Leben unzufrieden sein müssen. Ich sehe auch immer wieder Situationen im Fernsehen, wo mir bestimmte Sachen nicht gefallen, die der Moderator gerade macht. Aber ich würde demjenigen nie auf der Facebook-Seite irgendwelche bösen Kommentare schreiben. Ich diskutiere das dann vielleicht mit meinen Freunden im Wohnzimmer. Ich denke, das liegt daran, dass ich mit mir selbst zufrieden bin. Und, weil ich einfach weiß, dass das scheiße ist. Die Leute, die selbst mit sich unzufrieden sind und den Ärger rauslassen müssen, setzen sich gerne gemeinsam in einer Gruppe auf ein Thema drauf und suchen sich ihr Opfer. Da sind Leute, die im Fernsehen arbeiten, schnelle Ziele.

Sind sind ja selber auch auf Social Media sehr aktiv. Haben Sie solche Hasskommentare gegen Ihre eigene Person selbst schon erlebt?

Bis jetzt noch nicht. Selten -aber doch- kommt so etwas wie "du hast keine Ahnung vom Fußball". Natürlich können die Leute so etwas über mich denken, das ist auch ihre freie Meinung. So richtig beschimpft wurde ich noch nicht. ( kurze Pause) Das einzige - aber das ist schon die alte Leier - war früher, als ich noch blonde Haare hatte, der Spruch von wegen "Blondine im Sport" und "blonde Tussi". Das ist aber schon lange her. Da bin ich damals neu am Bildschirm aufgetreten, mittlerweile haben sich die Leute daran schon gewöhnt. Jetzt bin ich ja eh braunhaarig und meine Haarfarbe ist somit quasi nicht mehr "angreifbar" mit derartigen Vorurteilen.

Also ist es schon ein Problem, wenn man "blöderweise" blond in diesem Job ist?

Ich weiß nicht, das war bei mir am Anfang so. Aber, wie gesagt, Österreich war zu dieser Zeit vielleicht noch gar nicht so weit, da gab es nicht so viele Frauen im Sport. Das entwickelt sich jetzt auch erst immer mehr.

Haben Sie die Haare somit dann auch bewusst gefärbt, um mehr ernstgenommen zu werden?

Jein, schon auch. Braun ist grundsätzlich meine Naturhaarfarbe. Ich schließe nicht aus, dass ich irgendwann einmal wieder blond werde. Ich fand die Farbe selbst sehr schön und ich hätte sie eigentlich nicht geändert, wenn der Grund nicht beim Job gelegen wäre. Ich wollte damit einerseits ein wenig älter wirken, weil ich oft als zu jung wahrgenommen wurde. Beim Fernsehen muss man einfach eine gewisse Kompetenz ausstrahlen, man möchte ernst genommen werden und das nimmt man einer Person, die kompetenter und reifer wirkt, eben besser ab. Und so banal es klingt, aber im Sport können erst gar nicht blöde Sprüche über die blonde Haarfarbe aufkommen, wenn man sie gar nicht erst hat. Aber es ist schade, dass man sich heutzutage noch auf eine Haarfarbe derart "draufsetzt". Ich meine, was ist das für ein Blödsinn?!

Wenn man sich ältere Interviews von Ihnen durchliest, wurden Sie offenbar tatsächlich in diese "Blondchen"-Schublade gesteckt. Da war in einem "Heute"-Artikel plötzlich der Inhalt Ihrer Handtasche wichtiger als Ihre sportliche Kompetenz als Moderatorin...

Ich war damals auch sehr verwundert, was aus dem Artikel wurde. Im Nachhinein betrachtet, würde ich das nicht wollen. Das klingt ja, als wäre ich eine Tussi. Die haben mich ja wirklich gefragt, was ich in meiner Handtasche drin hab. Wenn ich heute merke, dass ein Interview in die Richtung geht, dann frage ich schon nach: "Was interessiert Sie jetzt eigentlich wirklich an mir?". ( seufzt)

Abschlussfrage an die Expertin: Wer wird Europameister und wie schlägt sich Österreich?

Europameister wird, denke ich, Frankreich - im eigenen Land. Bei Österreich sitzt der Schock nach der bitteren Niederlage gegen Ungarn natürlich tief. Alle Fußball Fans und auch die Spieler waren ja unglaublich motiviert und haben gewusst, wie wichtig diese erste Partie ist. Jetzt heißt es das ganze schnell verarbeiten und auf die ausstehenden zwei Spiele vorbereiten. Ich bin immer positiv. Aufgeben kann man, wenn's vorbei ist!

6 Fragen an Kristina Inhof 1. Was haben Sie von einer Frau in Ihrem Leben gelernt?

Von meiner Mama, mir das "Leiberl einzustecken". Als 14-Jährige bin ich, auch im Winter, immer halb bauchfrei herumgerannt. Jetzt liebe ich es, mir unter sämtlichen Blusen und Tshirts ein Tanktop in die Jeans "einzustecken" - dass das viel wohliger und wärmer ist, hab ich auch erst als Erwachsene begriffen. ( lacht)

2. Was kotzt Sie momentan an?

Ankotzen ist das falsche Wort, aber ich finde es erschreckend, welche Entwicklung Social Media manchmal nimmt (so sehr ich es liebe und nutze). Shitstorms sind fast schon an der Tagesordnung und viele User nutzen es, inkognito und in der Masse auf ein "Opfer" drauf zu hauen. Selbst, Gott sei Dank, habe ich so etwas noch nie erlebt, aber als TV-Persönlichkeit ist man definitiv gefährdet.

3. Was bedeutet Feminismus für Sie?

Dass wir Frauen nicht unterschätzt werden, nur weil wir Frauen sind und, dass es vollkommen normal ist, dass es eine Frau einen -speziell meinen- Job macht. Dass wir gleich angesehen und geschätzt werden wie Männer.

4. Welche Frage sollen sich Frauen in 30 Jahren nicht mehr stellen müssen?

Schaut mein Hintern in der Hose dick aus? Ich hoffe, bis dahin gibt's irgendein Wundermittel, dass wir Frauen alle die (für uns persönlich) perfekte Kehrseite haben ;).

5. Welches Ereignis hat Sie im vergangenen Jahr besonders bewegt?

Der Moment, als ich bei den Proben zur "Großen Chance der Chöre" als Beobachterin auf der Zuschauer-Tribüne gesessen bin und eine Gruppe gerade performt hat: die Scheinwerfer, die Musik und die Leidenschaft waren so gigantisch - dass mir die Tränen gekommen sind, weil ich plötzlich bemerkt hab, dass mit dieser Show mein größter Traum wahr geworden ist.

6. Warum würden Sie nicht mit Ihrer Großmutter tauschen wollen?

Weil die Rechte einer Frau und die Wertschätzung ihr gegenüber heute viel größer sind als vor 70-80 Jahren.

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