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„Das erhoffe ich mir, dass es nicht umsonst war"

Als die Proteste losgingen, die ersten Menschen auf die Straße zogen und auf Kochtöpfe hämmerten, erinnerte sie sich an die Worte ihres Vaters: ein Gewerkschafter, der nach Pinochets Putsch 1973 im zum Folterzentrum umfunktionierten Nationalstadion in Santiago eingesperrt gewesen war. Er hatte ihr beigebracht: „Unsere Würde kann uns niemand nehmen." Natalia Pérez packte die Kinder und wollte auf die Straße. „Endlich sagten die Leute basta! Wir mussten unsere Wut zeigen." Es war ihr Mann, der sie zurückhielt.

„Es ist zu gefährlich, hat er gesagt. Alex war ein friedlicher Mensch." Die Regierung hatte den Ausnahmezustand und eine Ausgangssperre verhängt. Panzer rollten durch die Straßen.

Alex Núñez selbst, von Beruf Mechaniker, ging zur Arbeit. Nicht lange danach war er tot. Auf dem Rückweg nach Hause, so hat es Natalia Pérez rekonstruiert, stoppte er im Park um die Ecke, aß eine Portion Pommes frites, papas fritas, und geriet in eine Gruppe Demonstranten. Drei Polizisten umkreisten ihn, warfen ihn zu Boden und schlugen zu. „Schädel-Hirn-Trauma", sagt Natalia Pérez. „Im Krankenhaus sagten sie mir, es ist, wie wenn du mit dem Motorrad mit voller Geschwindigkeit gegen eine Wand rast." 


Reportage aus Santiago de Chile, gemeinsam mit Roland Peters

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