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Studenten der Ruhr-Universität sammeln Handys zum Recyceln

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In der Schublade oder sogar im Müller landen viele ältere Handys. An der Ruhr-Uni werden sie zu nun gesammelt, um recycelt zu werden.


An der Ruhr-Uni kann man noch bis zum 31. August mit alten Mobiltelefonen etwas Gutes tun. Studierende machen auf Rohstoffverbrauch aufmerksam.


Unsere Mobiltelefone sind zu richtigen kleinen Computern geworden. Mittlerweile können sie fast alles: Fotografieren, Videos aufnehmen oder mit bestimmten Apps sogar den Herzschlag messen. Damit das alles funktioniert, sind viele verschiedene Rohstoffe im Smartphone verbaut - unter anderem Wolfram, Gold und Platin. Aktivisten kritisieren die Bedingungen, unter denen diese Rohstoffe abgebaut werden, und auch, dass die Verbraucher nicht erkennen können, woher die Rohstoffe für ihre Elektrogeräte eigentlich kommen.

„Durchschnittlich nur 18 Monate wird ein Handy in Deutschland benutzt", sagt Eva Reinwald. Sie hat unlängst einen Vortrag über einen umweltbewussten Umgang mit dem Handy an der Ruhr-Universität gehalten. „Die meisten landen dann in irgendeiner Schublade, oder sogar schlimmer im Hausmüll", so Reinwald.


70 Cent pro Handy an humanitäre Projekte

Ein Mobiltelefon enthält etwa 60 verschiedene Rohstoffe - darunter 30 Metalle.

Wolfram ist im Vibrationsalarm eines Mobiltelefons verbaut. An den Kontakten der SIM-Karte und am Akku befindet sich Gold und in den Mikrokondensatoren ist Tantal. Den größten Anteil macht Kupfer aus - nämlich etwa neun Gramm.

Zur verantwortlichen Handynutzung gibt es einige Tipps: Handys länger nutzen und reparieren lassen, ein gebrauchtes Handy kaufen oder sich für ein Fairphone entscheiden, bei Handyherstellern und Mobilfunkanbietern kritisch nachfragen, richtig recyceln, Freunde zum nachhaltigen Handykonsum motivieren und sich für politische Veränderung engagieren.

Ihr Verein „Südwind" hat zusammen mit Studierenden der Ruhr-Uni nun eine Handy-Sammelaktion auf die Beine gestellt. Ausgediente Modelle sollen in Sammelboxen landen und dann fachgerecht recycelt werden. Pro Gerät fließen 70 Cent an humanitäre Projekte in den Abbaugebieten der Rohstoffe. Im Osten der demokratischen Republik Kongo werden zum Beispiel ehemalige Kindersoldaten auf ihrem Weg zurück in das zivile Leben unterstützt.

Eva Reinwald möchte aber auch den Druck auf die Politik erhöhen. Eine Umfrage im Auftrag der Stiftung Warentest ergab, dass insbesondere für die Handy-Schnellwechsler entscheidend ist, dass neue Handys neue Funktionen haben und dass sie durch ihren Mobilfunkvertrag ein neues Gerät bekommen.

Hersteller sollen deswegen gewährleisten, dass neue Apps auch für ältere Geräte noch verfügbar sind und auch die Mobilfunkanbieter sollen in die Pflicht genommen werden. „Der Anreiz sollte sein, Handys solange wie möglich zu benutzen und nicht bei jeder Vertragsverlängerung ein neues Gerät zu bekommen".


Sammelboxen bis zum 31. August

Initiiert wurde das Projekt von Janis Prinz und Katharina Hagemann. Die beiden studieren den Master-Studiengang „Ethics - Economics, Law & Politics" an der Ruhr-Uni und haben sich im Rahmen ihres Studiums mit der Problematik auseinandergesetzt.

Als Janis seine alten Handys zum recyceln abgeben wollte, fand er keine Sammelbox in der Nähe und organisierte kurzerhand selber Boxen an der Universität: „Das war super einfach - auf der Website der Handyaktion NRW kann man kostenlos Boxen bestellen und später auch kostenlos zurückschicken".

Noch bis zum 31. August kann jeder seine alten Mobiltelefone bei den Sammelboxen an der Ruhr-Universität Bochum abgeben. Bisher wurden schon mehr als 30 Telefone gesammelt.


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